Glukose: Traubenzucker als Körpertreibstoff

Glukose ist ein wichtiger Energielieferant. Die Substanz wird über die Nahrung aufgenommen und in Zellen gespeichert

von Dr. Christian Guht, aktualisiert am 02.04.2014

Nach dem Verzehr von Süßigkeiten steigt der Zuckerspiegel im Blut rasch an

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Kurz gesagt:

Glukose ist ein wichtiger Energieträger im Blut. Zu hohe Spiegel weisen auf Diabetes hin, zu niedrige Werte können bei der Behandlung von Diabetes auftreten.


Was ist Glukose?

Glukose ist der chemische Name für Traubenzucker, ein wichtiger Energieträger aus der Nahrung, der aus dem Darm ins Blut aufgenommen wird – entweder direkt oder nach Spaltung der Nahrungskohlenhydrate durch Darmenzyme. Nach dem Essen ist der Glukose-Spiegel also erhöht. Normalerweise sinkt er aber binnen weniger Stunden wieder, da die Körperzellen die Glukose aus dem Blut aufnehmen. Umgekehrt gibt die Leber gespeicherte oder selbst produzierte Glukose ins Blut ab, wenn der Körper Energie benötigt. Das kann bei sportlicher Betätigung, körperlicher Arbeit oder auch dann der Fall sein, wenn länger nichts gegessen wurde wie nachts und bei Hunger.

Wie kommt es zu krankhaft erhöhter Glukose im Blut?

Bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) können die Zellen die Glukose nicht mehr richtig verwerten. Das liegt daran, dass das Hormon Insulin, das den Zuckerstoffwechsel regelt, fehlt oder nicht richtig wirkt. Dann ist der Eintritt des Traubenzuckers in die Zellen behindert, und es resultiert eine zu hohe Glukose-Konzentration im Blut (Hyperglykämie). Dabei kann sowohl der so genannte Nüchtern-Blutzucker vor dem Frühstück überhöht sein wie auch der Anstieg nach dem Essen ein gefährliches Niveau erreichen. Letzteres macht sich bereits in Frühstadien bemerkbar, wenn der Nüchternblutzucker noch normal ist. Mäßig erhöhte Blutzuckerwerte werden nicht ohne Weiteres bemerkt, führen aber langfristig zu schweren Schäden im ganzen Körper. Extrem hohe Glukosespiegel können eine schwere Stoffwechselentgleisung auslösen, die unbehandelt in das lebensgefährliche diabetische Koma mündet.


Wann ist der Wert krankhaft erniedrigt?

Ein zu niedriger Blutzuckerwert (Hypoglykämie) ist bei der Behandlung des Diabetes mit Medikamenten, die den Blutzucker senken, relativ häufig und auch bei größter Sorgfalt nicht ganz zu vermeiden. Die meisten Menschen mit Diabetes spüren aber, wenn ihr Blutzuckerspiegel einen Wert von 50 bis 60 mg/dl (2,8 bis 3,3 mmol/l) unterschreitet und können sich durch Aufnahme von Kohlenhydraten helfen: Sie lassen den Blutzucker schnell steigen wie Traubenzucker oder Limonade/Cola. Gefährlich kann es werden, wenn eine Hypoglykämie nicht erkannt wird. Denn da das Gehirn auf eine ständig ausreichende Versorgung mit Glukose angewiesen ist, kommt es bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten (spätestens unter 30 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l) zu Funktionsausfällen bis zur Bewusstlosigkeit. Auch Todesfälle sind möglich, aber selten. Gefährlich werden kann auch das durch eine Unterzuckerung bedingte Fehlverhalten, zum Beispiel im Verkehr, bei der Arbeit oder beim Sport.

Bei einem gesunden Menschen tritt solch eine "Unterzuckerung" nur in seltenen Ausnahmen auf, da der Körper aus seinen Reserven Glukose mobilisieren und so den notwendigen Blutzuckerspiegel aufrechterhalten kann. Bei einem Diabetiker ist allerdings auf diese so genannte Gegenregulation kein Verlass, weil die Wirkung der den Blutzucker senkenden Medikamente die Freisetzung der Zuckerreserven verhindern kann.

Welche Werte sind normal?

Bei einem gesunden Menschen liegt der Nüchternzucker zwischen 60 und unter 100 mg/dl (3,3 und unter 5,5 mmol/l) und zwei Stunden nach dem Essen unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l). Bei einem Blutzuckerwert ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l) nüchtern und/oder ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zu einem beliebigen Zeitpunkt oder zwei Stunden nach einem Traubenzucker-Belastungstest ist ein Diabetes gesichert. In der Grauzone von nüchtern 100 bis unter 126 mg/dl (5,6 bis 7,0 mmol/l) und/oder 140 bis unter 200 mg/dl (7,8 bis unter 11,1 mmol/l) – wiederum zu einem beliebigen Zeitpunkt oder zwei Stunden nach einem Traubenzucker-Belastungstest kontrolliert – besteht eine Vorform des Diabetes. Alle angegebenen Blutzuckerwerte beziehen sich auf venöses Plasma (Blut aus der Vene, das zentrifugiert wurde), wie es üblicherweise im ärztlichen Labor verwendet wird. Im Kapillarblut aus Fingerbeere oder Ohrläppchen können die Werte etwas niedriger liegen.


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München



Bildnachweis: W&B, W&B/Fotolia
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