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Wie Impfungen den Körper schützen

Ob Grippe, Keuchhusten oder Kinderlähmung – ein kleiner Piks kann Krankheiten verhindern. Welche Schutzimpfungen für Kinder und Erwachsene empfohlen werden, inklusive Impfkalender


Vorbeugen per Spritze: Impfungen wappnen gegen viele Krankheiten

Impfungen können nicht nur vor Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln, Keuchhusten oder Kinderlähmung schützen. Sie wappnen Kinder und Erwachsene auch gegen zahlreiche andere Infektionskrankheiten, darunter Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Virusgrippe (Influenza). Auch die Immunisierung gegen Meningokokken, das sind Bakterien, die eine gefährliche Hirnhautentzündung hervorrufen können, oder gegen Hepatitis-B-Viren, die zu einer – unter Umständen chronischen – Leberentzündung führen, wird von der ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, wie ihr Vorsitzender Dr. Jan Leidel erklärt.

Der Facharzt für Mikrobiologie rät jungen Mädchen und Frauen außerdem zu einer sogenannten HPV-Impfung, die das Risiko für Gebärmutterhalskrebs senkt. Die Impfung schützt gegen bestimmte, sexuell übertragbare humane Papilloma-Viren, die als eine der Ursachen für Gebärmutterhalskrebs gelten. „In Deutschland liegt die Durchimpfungsrate für die HPV-Impfung bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren leider nur bei rund 30 Prozent. In Großbritannien haben sich bereits 80 Prozent der Mädchen impfen lassen“, sagt Leidel.


Wie funktionieren Impfungen?

Unser Immunsystem erkennt körperfremde Eindringlinge und bekämpft diese, indem es Abwehrstoffe bildet, sogenannte Antikörper. Das macht sich die Impfmedizin zunutze: Impfstoffe enthalten abgeschwächte und deshalb ungefährliche Krankheitserreger (Viren, Bakterien) oder Teile ihrer Struktur. Sie werden in der Regel per Spritze oder als Schluckimpfung verabreicht. Der Körper lernt den Erreger auf diese Weise sozusagen kennen und bildet Antikörper gegen ihn. Diese Abwehrstoffe wappnen gegen die „echten" Erreger und verhindern eine Erkrankung.

Man unterscheidet zwischen Aktivimpfungen und passiven Immunisierungen. „Bei einer Aktivimpfung wird mit dem unschädlich gemachten Krankheitserreger geimpft. Der Körper muss die Antikörper selbst bilden“, erklärt Leidel.“ Bei einer passiven Immunisierung wird ein Antiserum verabreicht, das bereits die fertigen Abwehrstoffe enthält. „Passive Immunisierungen werden zum Beispiel bei Patienten eingesetzt, die bereits angesteckt oder erkrankt sind, da das Antiserum sofort wirkt und dem Körper so schneller hilft, mit der Infektion fertig zu werden“, so der Experte. Allerdings hält der Schutz passiver Immunisierungen weniger lang an, so dass bei Gesunden bevorzugt Aktivimpfungen verabreicht werden. Doch auch bei manchen Aktivimpfungen ist eine Auffrischung nötig. Ein Impfpass hilft, den Überblick zu behalten.

Ausgerottete Krankheiten dank Impfungen

Die spektakulärsten Erfolge hat die moderne Medizin nicht mit Medikamenten erreicht, sondern mit Impfungen. Sie konnten schon unzählige Krankheitsfälle, Behinderungen und Todesfälle verhindern. Damit zählen Impfungen zu den wirksamsten – und kostengünstigsten – vorbeugenden Maßnahmen der Medizin. In vielen Teilen der Erde wurden bereits einige gefährliche Krankheiten durch Impfungen ausgerottet. Ein historisches Datum ist der 8. Mai 1980: An diesem Tag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den weltweiten Sieg über die Pocken erklärt. Auch die Erfolge bei Kinderlähmung (Polio) und Masern sind beachtlich. „Ganz Amerika gilt inzwischen als masernfrei. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Krankheit noch nicht völlig ausgerottet“, sagt Leidel. Dazu sei die Impfbeteiligung nicht hoch genug. Bei Masern muss sie bei über 95 Prozent liegen, bei Kinderlähmung genügt eine Durchimpfungsrate von mindestens 80 Prozent, da Polio im Vergleich zu Masern weniger stark ansteckend ist.

Sinkende Impfquoten in Deutschland

Wie lebenswichtig Impfungen für Kinder und Erwachsene sind, ist einigen Menschen heute nicht mehr bewusst – eben weil viele gefährliche, tödliche Krankheiten ausgerottet oder unter Kontrolle sind. „Impfungen sind gewissermaßen ein Opfer ihrer eigenen Wirksamkeit geworden“, sagt Leidel. Skeptiker haben stärker die möglichen Nebenwirkungen im Blick, als die oft lebensrettende Funktion. Die STIKO beobachtet einen leichten Rückgang der Impfbeteiligung in Deutschland. Der Trend sei noch nicht besorgniserregend, so Leidel. „Ich betone immer wieder, dass die Risiken der Impfstoffe völlig überschätzt werden und ungleich kleiner sind als die Risiken einer Erkrankung.“ Ein Blick in die sogenannte Dritte Welt führt dies deutlich vor Augen: In Teilen Afrikas und Asiens sterben immer noch tausende Kinder an Masern und anderen durch Impfungen vermeidbare Krankheiten.

Aber auch in Deutschland verläuft einer von 1000 bis 2000 Masernfällen tödlich – bei Kindern wie bei Erwachsenen. Die STIKO rät daher zu einer zweimaligen Masernimpfung im zweiten Lebensjahr. Menschen, die nach 1970 geboren sind, wird empfohlen, die Masernimpfung nachzuholen oder zu vervollständigen.

Sind die Impfstoffe sicher?

Die ständige Impfkommission bewertet jede Impfung auf Nutzen und Risiken und gibt entsprechende Empfehlungen heraus (siehe Impfkalender). Das Expertengremium aus Ärzten und Wissenschaftlern hat seinen Sitz am Robert Koch-Institut in Berlin, der Bundesbehörde, die in Deutschland für die Krankheitsvorbeugung und -überwachung zuständig ist. Die von der STIKO empfohlenen Impfungen gelten als sehr sicher – die Kosten werden meist von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. (Am besten vorher erkundigen!). Impfschäden treten nur sehr selten auf, Nebenwirkungen, die sogenannten Impfreaktionen, können allerdings vorkommen. „Wie alle wirksamen Arzneimittel haben Impfstoffe mögliche Nebenwirkungen. Moderne Impfstoffe sind aber außerordentlich gut verträglich“, betont der STIKO-Vorsitzende.

Impfreaktionen – die „Antwort“ des Immunsystems

Ein schmerzender Arm nach der Impfung, eine vorübergehende Rötung oder Verhärtung der Einstichstelle oder Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder erhöhte Temperatur sind typische, aber üblicherweise harmlose Impfreaktionen, die nach zwei bis drei Tagen wieder abklingen. Über solche Symptome klagen laut Statistiken des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts rund zehn Prozent der Geimpften – vermutlich reagieren jedoch weitaus mehr Menschen auf Impfstoffe, ohne es überhaupt zu merken oder die leichten Schmerzen mit der Impfung in Verbindung zu bringen. Das Paul-Ehrlich-Institut ist die zuständige Bundesanstalt für Arzneimittelsicherheit, die Impfstoffe zulässt und Impfreaktionen beobachtet. Außerdem müssen Ärzte außergewöhnlich starke Symptome oder Komplikationen nach einer Impfung an das Paul-Ehrlich-Institut melden.

Eine Impfreaktion im üblichen Rahmen ist im Grunde nicht negativ – sie ist lediglich das spürbare Anzeichen dafür, dass die Impfung wirkt: Das Immunsystem erkennt den Impfstoff als potenziellen Krankheitserreger und bekämpft ihn. Immunzellen und entzündungsauslösende Botenstoffe gelangen zur Einstichstelle, so dass diese sich rötet, anschwillt oder schmerzt. Auch leichtes Fieber oder Gliederschmerzen werden durch diese Immunreaktion hervorgerufen. Menschen, die keine Impfreaktion spüren, müssen im Umkehrschluss aber keine Angst haben, dass die Impfung bei ihnen nicht wirkt – vielleicht sind sie nur weniger schmerzempfindlich oder ihr Immunsystem reagiert anders.

Anlass zur Sorge haben Betroffene lediglich bei außergewöhnlich starken Impfreaktionen, die allerdings sehr selten vorkommen. Ein stark angeschwollener Arm oder hohes Fieber können auf eine allergische Reaktion oder eine andere ernsthafte Komplikation hindeuten – Patienten sollten sofort einen Arzt aufsuchen.

Welche Impfungen im Einzelfall ratsam sind, ob etwas gegen eine Immunisierung spricht und welche Nebenwirkungen möglich sind, sollte am besten individuell mit dem behandelnden Arzt oder Kinderarzt besprochen werden. Eine ausführliche ärztliche Beratung zu Reiseimpfungen ist nicht nur vor Aufenthalten in exotischen Ländern ratsam. Impfungen gegen Hepatitis A – eine Form der Leberentzündung – oder gegen FSME können zum Beispiel auch bei einem Urlaub innerhalb Europas sinnvoll sein.


Hinweis: Bei diesen Impfungen handelt es sich um allgemein empfohlene Immunisierungen. Im Einzelfall können sich Abweichungen von diesem Schema ergeben. Lassen Sie sich zu Impfungen und Impfterminen ab besten individuell von Ihrem Arzt beraten!




Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer/RYF, W&B/Dr. Ulrike Möhle/RYF

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www.apotheken-umschau.de; 10.07.2009, aktualisiert am 03.01.2014
Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer/RYF, W&B/Dr. Ulrike Möhle/RYF

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