IgG – Immunglobuline G: Teil der Körperabwehr

Immunglobuline G (IgG) sind ein wichtiger Bestandteil unseres Abwehrsystems. Schwimmen Krankheitserreger in unserem Blut, schütten sogenannte Plasmazellen IgG-Moleküle (Antikörper) aus. Sie verbinden sich mit den Erregern und lösen dadurch weitere Abwehrvorgänge aus
von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 30.03.2017

Nach einer Impfung bildet das Immunsystem Antikörper vom Typ Immunglobulin G gegen die Krankheitserreger

W&B/Fotolia

Kurz gesagt:

Immunglobuline G (IgG), auch Gammaglobuline genannt, sind Eiweiße, die zum körpereigenen Abwehrsystem gehören. Sie werden in den Plasmazellen produziert. Kommt der Körper mit fremden Stoffen (Antigenen wie Viren oder Bakterien) in Kontakt, so ergreifen die IgG-Moleküle die Antigene, machen sie teilweise unschädlich und lösen weitere Abwehrmechanismen aus.

Bei Erkrankungen des blutbildenden Systems (Knochenmark), des Zentralnervensystems oder des lymphatischen Systems (zum Beispiel der Lymphknoten) können die Immunglobuline G in erhöhter oder verminderter Konzentration im Blut vorkommen.

Was ist IgG?

Immunglobuline (= Antikörper) sind Eiweiße im Blut, die typischerweise eine Y-Form haben. Wie Zangen greifen sie Fremdstoffe des Blutes, sogenannte Antigene (zum Beispiel Viren oder Bakterien). So können sie Krankheitserreger festhalten und verklumpen lassen.

Verbinden sich Immunglobuline mit Antigenen, kommen weitere Abwehrmechanismen in Gang. Unter anderem wird das sogenannte Komplementsystem aktiviert. "Killerzellen" und "Fresszellen" (= Makrophagen, Phagozyten) werden angelockt, welche dann die Krankheitserreger zerstören. Außerdem können Immunglobuline Bakteriengifte unschädlich machen.

Verwandt mit dem Immunglobulin G sind die Immunglobuline A, E, D und M. IgG ist das Immunglobulin, das am häufigsten im Blut vorkommt: Etwa 60 Prozent aller Immunglobuline sind vom Typ IgG.

Immunglobulin G, auch "Gammaglobulin" genannt, wird ebenso wie die anderen Immunglobulinklassen von speziellen weißen Blutkörperchen (Plasmazellen) gebildet, nachdem diese in Kontakt mit Krankheitserregern gekommen sind. Treten bestimmte Erreger das erste Mal im Blut auf, so werden jedoch zunächst Immunglobuline der Klasse "M" (IgM) ins Blut ausgeschüttet. Erst später produzieren die Plasmazellen vermehrt IgG. Deshalb kann der Arzt anhand der IgM- und IgG-Konzentrationen sehen, ob eine Infektion eher frisch ist oder vermutlich schon länger besteht.

Immunglobulin G ist das einzige Globulin, das die Plazenta durchdringen kann – somit können die Immunglobulin-G-Moleküle in das Blut des ungeborenen Kindes gelangen und das Baby zum Beispiel vor bestimmten Krankheiten schützen.

Welcher Wert ist normal?

Bei Erwachsenen liegt die normale IgG-Konzentration im Blutserum bei 7 bis 16 g/l. Kinder bilden erst im Laufe der Jahre ein voll funktionstüchtiges Immunsystem aus, daher steigt die IgG-Konzentration mit zunehmendem Alter an.

Blutserum IgG (g/l)
Erwachsene 7,00 –16,00
Kinder bis 7 Tage 7,00 –16,00
bis 3 Monate 2,50 – 7,50
4 – 6 Monate 1,80 – 8,00
7 – 12 Monate 3,00 – 10,00
13 Monate – 2 Jahre 3,50 – 10,00
3 – 5 Jahre 5,00 – 13,00
6 – 8 Jahre 6,00 – 13,00
9 – 13 Jahre 7,00 – 14,00
Liquor bis 40 mg/l
Urin bis 10 mg/g Kreatinin
Urin bis 15 mg/24-Stunden-Urin

Wann steigt der Wert?

Es gibt viele verschiedene Erkrankungen, bei denen die Immunglobulin-G-Konzentration erhöht sein kann. Am häufigsten sind Infektionen der Grund für einen Anstieg der IgG-Konzentration. Aber auch bei einer Leberzirrhose (Veränderung des Bindegewebes in der Leber) ist die Konzentration von IgG typischerweise erhöht. Bestimmte Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), zum Beispiel die multiple Sklerose, bewirken eine Erhöhung der IgG-Konzentration im Liquor (= Hirnflüssigkeit). Hier erhält der Arzt wichtige Informationen, indem er die Immunglobulin-G-Konzentration des Liquors mit der des Blutes vergleicht (IgG-Quotient).

Auch das Plasmozytom (multiples Myelom), eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, kann zu einer erhöhten IgG-Konzentration im Blut führen.

Wann ist der Wert zu niedrig?

Manche Viruserkrankungen bewirken eine Verminderung an IgG, zum Beispiel Masern oder Röteln. Die Konzentration von Immunglobulin G kann auch dann erniedrigt sein, wenn der Körper aufgrund einer Erkrankung zu viele Eiweiße verliert; das ist zum Beispiel bei speziellen Nieren- oder Magen-Darm-Erkrankungen der Fall (sogenanntes "Proteinverlustsyndrom", zum Beispiel bei nephrotischem Syndrom oder exsudativer Enteropathie).

Tumore des blutbildenden Systems (Leukämien) oder des lymphatischen Systems (Lymphome) können ebenfalls die Ursache für erniedrigte IgG-Werte sein.

Auch durch manche Medikamente, die bei speziellen Erkrankungen das Immunsystem hemmen, ist die Immunglobulinmenge reduziert (immunsuppressive Therapie).

Schließlich können vererbte, angeborene Störungen die Ursache dafür sein, dass IgG nicht ausreichend produziert wird (Agammaglobulinämie = übersetzt: "keine Gammaglobuline im Blut").

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. rer. nat. Udo Reischl, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universitätsklinikum Regensburg (UKR)


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