Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

Die Perikarditis ist eine entzündliche Erkrankung des Herzbeutels, deren Hauptsymptom starke Brustschmerzen sind. Häufig entwickelt sich in Folge ein Herzbeutelerguss
aktualisiert am 12.12.2013

Lebenswichtiges Organ: das menschliche Herz

Fotolia/Sebastian Kaulitzki

Was ist eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis)?

Der Herzbeutel umgibt das gesamte Herz und verhindert somit eine Überdehnung der Herzkammern. Der Herzbeutel ist doppelwandig. Das heißt, er hat einen äußeren Anteil – das Perikard – und einen dem Herzmuskel aufliegenden und mit ihm verwachsenen Anteil – das Epikard. Der Raum zwischen äußerem und innerem Anteil ist mit einer geringen Flüssigkeitsmenge gefüllt, um die Gleitfähigkeit beider Wandanteile während der Herzaktion zu verbessern.

Entzündet sich der Herzbeutel akut, verursacht dies starke Brustschmerzen, die typischerweise atem- und lageabhängig auftreten. Die Schmerzen kommen dadurch zustande, dass die entzündeten äußeren und inneren Herzbeutelblätter aufeinander reiben. Mediziner sprechen von trockener, fibrinöser Perikarditis.

Unabhängig von der Ursache kann bei jeder Herzbeutelentzündung ein Herzbeutelerguss entstehen (feuchte oder exudative Form der Perikarditis). Dabei bildet sich zuviel Gewebsflüssigkeit zwischen den beiden Schichten des Herzbeutels. Mit der Ergussbildung nehmen die Schmerzen ab oder verschwinden ganz, da die äußere und die innere Herzbeutelschicht nicht mehr aufeinander reiben.

Unser Experte: Professor Wolfram Delius, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

W&B/Bernhard Huber

Wird die Füllung der Herzkammern mit Blut sowie deren Pumpfunktion durch einen großen Perikarderguss stärker beeinträchtigt, bezeichnen Mediziner diesen Zustand als Perikardtamponade. Diese bedrohliche Situation erfordert eine sofortige Punktion des Herzbeutels, bei der mit Hilfe einer Nadel der Erguss abgesaugt wird.

Seltener entsteht in Folge einer Herzbeutelentzündung eine bindegewebige Verhärtung oder Verkalkung des Herzbeutels (konstriktive Perikarditis, "Panzerherz").

Ursachen: Viren werden als häufiger Auslöser vermutet

Die Ursache einer Herzbeutelentzündung bleibt häufig ungeklärt. Grundsätzlich ist zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Auslösern zu unterscheiden. Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Betroffenen vermuten Experten jedoch eine Virusinfektion als Ursache. Bei den nicht-infektiösen Ursachen kommt eine Vielzahl von Erkrankungen in Betracht.

Die akute Perikarditis heilt bei über 70 Prozent der Patienten von selbst aus, ohne dass Komplikationen oder Rückfälle (Rezidive) auftreten. Allerdings ist es möglich, dass die Entzündung auf den Herzmuskel selbst übergreift. Auch kann es bei 15 bis 30 Prozent der Patienten passieren, dass die Beschwerden oder ein Herzbeutelerguss einige Wochen nach dem Abheilen wieder auftreten (Perikarditisrezidiv).

Wichtig für die Diagnose sind das klinische Beschwerdebild, das Elektrokardiogramm (EKG), das Echokardiogramm sowie bestimmte Labortests.

Behandlung: Wie wird eine Herzbeutelentzündung therapiert?

Die Therapie der akuten Perikarditis ist zunächst auf Schmerzlinderung ausgerichtet. Das geschieht mit sogenannten nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (NSAID) - zum Beispiel Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure. Die Therapie wird häufig (insbesondere bei Rückfällen) durch den Wirkstoff Colchicin ergänzt. Kortison kommt nur noch in besonderen Fällen zur Anwendung. Bei bakteriell verursachter Perikarditis oder anderen diagnostisch gesicherten Ursachen richtet sich die Behandlung spezifisch auf diese aus. Ein größerer Perikarderguss sollte aus therapeutischen, aber auch aus diagnostischen Gründen punktiert werden.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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