Thema: Heilpflanzen

Heilpflanzen-Lexikon:
Sennes

Sennesfrüchte und Sennesblätter wirken als pflanzliche Abführmittel. Die Heilpflanze kann damit – kurzfristig angewendet – gegen Verstopfung helfen
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.12.2016

Sennes (Cassia angustifolia)

Panthermedia/Evelin Kasper

Im tropischen Klima des ägyptischen Nildeltas wächst eine der bekanntesten Heilpflanzen: der Sennes. Früher wurden die Sträucher vom Nil in die Hafenstadt Alexandria gebracht und von dort nach Europa verschifft. So hat sich der Name "Alexandriner-Sennes" eingebürgert. Im 19. Jahrhundert besaß Ägypten sogar das Monopol auf den Sennes-Handel.

Doch auch in Indien wuchsen Sträucher, die eng mit dem ägyptischen Sennes verwandt waren. Sie wurden von der indischen Stadt Tinnevelly aus nach Europa exportiert – daher der Name "Tinnevelly-Sennes". Die abführende Wirkung von Sennesblättern und -früchten ist seit Jahrhunderten bekannt.

Wie sieht Sennes aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Zwei Sennesarten werden arzneilich genutzt: der Tinnevelly-Sennes (Cassia angustifolia) sowie der Alexandriner-Sennes (Cassia senna). Der aus Indien stammende Tinnevelly-Sennes ist ein Strauch, der bis zu 1,5 Meter hoch wird. Die Blätter sind gefiedert, die Fiederblättchen sehen oval bis lanzettlich aus. In zahlreichen, traubenartigen Blütenständen ordnen sich gelbe Blüten an. Die Früchte bestehen aus flachen, braun- bis grau-grünen Hülsen, die sieben bis zehn Samen enthalten.

Der in Ägypten beheimatete Alexandriner-Sennes (Cassia senna) weist kleinere Fiederblättchen und längere Hülsenfrüchte auf.
 Beide Sennesarten gehören zu den Johannisbrotgewächsen (Caesalpiniaceae).

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Als pflanzliche Arznei dienen die Sennesblätter und -früchte. Sie enthalten zu etwa drei Prozent sogenannte Anthranoide, die in der Pflanze an Zuckermoleküle gebunden sind. Die Anthranoide setzen sich aus den Substanzen Sennosid A bis F zusammen. Daneben finden sich zu etwa zwei bis drei Prozent Schleimstoffe sowie Flavonoide und etwas ätherisches Öl.
 In beiden Sennesarten kommen größtenteils die gleichen Inhaltsstoffe vor, die enthaltenen Mengen weichen allerdings voneinander ab.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Sennes?

Wirksam sind die sogenannten Anthranoide. Gebunden an Zuckermoleküle gelangen die Substanzen bis in den Dickdarm und werden dort von Bakterien aufgespaltet. Dabei entsteht die aktive Form der Anthranoide. Sie bewirkt, dass weniger Wasser und Salze über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Stattdessen reichert sich die salzhaltige Flüssigkeit vermehrt im Verdauungstrakt an und beschleunigt so die Darmentleerung.

Zubereitungen aus Sennesfrüchten- und blättern wirken auf diese Weise abführend. Doch Vorsicht: Abführmittel – ob pflanzlich oder chemisch – sollten Sie nur kurzzeitig anwenden, zum Beispiel, wenn der Darm im Urlaub zu träge ist. Normalerweise reicht es dann aus, das entsprechende Mittel einmal einzunehmen. Leiden Sie öfter unter Verstopfung, sollten Sie dies von einem Arzt abklären lassen.

Wichtige Hinweise:

Nebenwirkungen und mögliche Risiken: Extrakte aus Sennesfrüchten und -blättern dürfen Sie nicht bei Darmverschluss, entzündlichen Darmkrankheiten (zum Beispiel Morbus Crohn) und Bauchschmerzen unbekannter Ursache anwenden. Dies gilt ebenso während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder unter zehn Jahren.

Beginnt das Mittel nach einigen Stunden zu wirken, kann es zu unangenehmen Bauchkrämpfen kommen. Manchmal verfärbt sich der Urin gelblich bis rotbraun.

Wichtig: Dosieren Sie pflanzliche Abführmittel so, dass Sie etwa alle drei Tage geformten Stuhlgang haben, den Sie ohne Pressen absetzen können. Wenn Sie mit dem Mittel den Stuhlgang öfter erzwingen, oder der Stuhl sogar breiig wird, dann droht ein Teufelskreis: Der Darm verliert Mineralstoffe, die für seine Funktion wichtig sind, der Patient bekommt vom Abführmittel Verstopfung! Außerdem bringt die übermäßige Anwendung von Laxanzien den Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers aus dem Lot, was sogar zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Bestimmte Medikamente – zum Beispiel wassertreibende Mittel (Diuretika) bei Herzschwäche, Kortison und Süßholzwurzel – können mit Sennes wechselwirken.

 Fragen Sie dazu in der Apotheke nach oder bei Ihrem Hausarzt.

Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



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