Thema: Heilpflanzen

Heilpflanzen-Lexikon:
Kamille, echte Kamille

Kamille wirkt antientzündlich, krampflösend und antibakteriell. Die Heilpflanze kann vielerlei Beschwerden lindern – von Bauchweh bis Halsschmerzen

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 21.09.2012

Kamille (Chamomilla recutita / Matricaria recutita)

GettyImages/Creative

Wer die goldgelben Blütenköpfchen der Kamille ansieht, kann darin – mit etwas Fantasie – eine Sonne erkennen. Schon den Germanen galt die Kamille als heilig: Sie weihten die Pflanze dem Lichtgott Baldur. Ebenso die Ägypter: Kamille war die Blume des Sonnengottes Re. Seit der Antike wissen Heilkundige auch um die Effekte auf die Gesundheit. So setzten sie die Arzneipflanze damals gegen Blähungen, Leberleiden und Entzündungen aller Art ein. Im Mittelalter entdeckten Kräuterkundige, dass Kamille auch gegen Atemwegskrankheiten half.

Wie sieht Kamille aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Die echte Kamille (Chamomilla recutita/Matricaria recutita) wird zwischen 20 und 50 Zentimeter hoch und treibt einen reichverzweigten Stängel aus. Die wechselständigen Blätter sehen länglich bis linealisch aus und sind zwei- bis dreifach gefiedert. Das Blütenköpfchen besteht außen aus weißen Zungenblüten und in der Mitte aus dicht gedrängten gelben Röhrenblüten. Im Gegensatz zu anderen Kamillenarten weist die echte Kamille einen hohlen Blütenboden auf und riecht charakteristisch.
 Die echte Kamille gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae) und blüht von Mai bis September. Sie stammt aus Süd- und Osteuropa, kommt inzwischen aber in fast ganz Europa sowie Westasien vor. Die Pflanze wächst auf Äckern, Brachland und Schuttplätzen.


Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Als pflanzliche Arznei kommen Kamillenblüten zum Einsatz. Sie enthalten zu 0,3 bis 1,5 Prozent ätherisches Öl, das unter anderem aus den Substanzen a-Bisabolol und Matricin besteht. Außerdem finden sich Flavonoide, zum Beispiel die Stoffe Apigenin und Quercetin, sowie Cumarine. Wird das ätherische Öl aus den Blüten gewonnen, bildet sich die Substanz Chamazulen, die dem Öl seine tiefblaue Farbe verleiht.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Kamille?

Inhaltsstoffe aus Kamillenblüten entfalten verschiedene Effekte: Sie unterbinden die Wirkung von entzündungsfördernden Stoffen im Körper, sie hemmen das Wachstum von Bakterien, und sie entspannen verkrampfte Muskeln im Magen-Darm-Trakt.

Aufgrund der antientzündlichen, antibakteriellen und krampflösenden Eigenschaften ergeben sich für Zubereitungen aus Kamille diverse Anwendungsgebiete. Als Spülung oder Gurgellösung hilft Kamille, wenn sich das Zahnfleisch entzündet hat oder der Hals gereizt ist, zum Beispiel durch eine Erkältung. Ruft ein Infekt Schnupfen und Husten hervor, lässt sich Kamille inhalieren. In Form von Sitzbädern kann die Heilpflanze Beschwerden abmildern, die von Hämorriden oder Infektionen im Anal- und Genitalbereich ausgelöst werden.

Auch Salben und Cremes enthalten Kamille. Sie können bei bakteriell bedingten Hautproblemen helfen, wie zum Beispiel Akne. Kamillentee lindert Blähungen und Völlegefühl. Ob sich Inhaltsstoffe des Krauts möglicherweise auch gegen das Reizdarmsyndrom oder entzündliche Darmkrankheiten einsetzen lassen, müssen wissenschaftliche Untersuchungen erst zeigen.

Wichtige Hinweise:

Selbst hergestellte Zubereitungen aus Kamillenblüten dürfen Sie nicht am oder im Auge anwenden! Solche Lösungen sind manchmal mit Keimen verunreinigt und können am Auge Infektionen hervorrufen. Außerdem kann es zu einer allergischen Reaktion kommen.

Überhaupt sollten Menschen, die auf Korbblütler allergisch reagieren, Kamille nicht benutzen. Meistens treten solche allergischen Reaktionen – zu denen es nur selten kommt – durch Verunreinigungen mit anderen Kamillenarten auf (zum Beispiel Hundskamille).


Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



Bildnachweis: GettyImages/Creative
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