Thema: Heilpflanzen

Heilpflanzen-Lexikon:
Ginseng

Vor allem im fernen Osten nutzen Heilkundige Ginseng als stärkendes Mittel (Tonikum), unter anderem bei Müdigkeit und Erschöpfung
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.12.2016

Ginsengwurzeln (Panax ginseng)

ImagoStockAndPeople/blickwinkel

In der traditionellen chinesischen Medizin ist Ginseng schon seit über 2000 Jahren als Heilmittel bekannt. Früher waren Ginsengwurzeln äußerst kostbar, sogar wertvoller als Gold. In der chinesischen Sprache heißt Ginseng "Jen Shen", was soviel wie "Menschenwurzel" bedeutet. Der Name rührt wohl daher, dass die Knollen – mit etwas Fantasie – dem menschlichen Körper ähnlich sehen. In Europa ist Ginseng seit dem 17. Jahrhundert bekannt, der Boom als Heilpflanze begann jedoch erst im 20. Jahrhundert.

Wie sieht Ginseng aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Ginseng (Panax ginseng) wird bis zu 80 Zentimeter hoch und trägt am Stängel lang gestielte, handförmige Blätter. Die gelblich-weißen Blüten sehen eher unscheinbar aus und ordnen sich zu mehreren in Dolden an. Die Wurzel sieht zylinderförmig aus und besitzt zahlreiche Nebenäste. Sie ist acht bis zwölf Zentimeter lang und gut zwei Zentimeter dick. Die Rinde weist eine hellgelbe bis hellbraune Farbe auf, das Innere der Wurzel ist weiß bis gelblich gefärbt. Ginseng gehört zu den Efeugewächsen (Araliaceae) und ist daher mit Efeu verwandt. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Gebirgswäldern Ostasiens, wo sie an schattigen Hängen gedeiht. Angebaut wird Ginseng vor allem in Korea, aber auch in Japan und im Nordosten Chinas.


Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Als Arznei kommt die Wurzel zum Einsatz. Sie besteht zu zwei bis drei Prozent aus sogenannten Triterpensaponinen, zu denen die Ginsenoside zählen. 25 verschiedene Ginsenosid-Verbindungen sind derzeit bekannt. Daneben finden sich in den Wurzeln kleine Mengen ätherisches Öl, Peptidoglykane und Polyacetylene.

Es gibt roten Ginseng und weißen Ginseng. Dabei handelt es sich nicht um verschiedene Arten, sondern um unterschiedliche Verarbeitungsweisen. Weiße Ginsengwurzeln werden direkt getrocknet und behalten ihre natürliche Farbe bei. Rote Ginsengwurzeln entstehen, wenn Sammler die Knollen erst mit Wasserdampf behandeln und anschließend trocknen. Als Medizin wird in Deutschland die weiße Variante genutzt, die in erster Linie aus Korea stammt (koreanischer Ginseng).

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Ginseng?

In der fernöstlichen Medizin setzen Ärzte Ginseng gegen vielerlei Beschwerden ein. Die Wurzel gilt als bewährtes Tonikum, welches das Immunsystem stärkt, den Stoffwechsel anregt und den Körper allgemein widerstandsfähiger gegen Stress und andere schädliche Einflüsse macht. Dadurch soll Ginseng Müdigkeit bekämpfen, gegen Erschöpfungszustände helfen und einer Erkältung vorbeugen. Chinesische Mediziner empfehlen die Knollen zudem, um sich nach einer Krankheit wieder zu erholen.

Hierzulande bewerten Wissenschaftler diese Wirkungen unterschiedlich. Viele Studien stammen aus Asien und lassen sich nur schwer auswerten. Es gibt jedoch Labortests, die den Ginsenosiden, ebenso wie anderen Inhaltsstoffen, einige Effekte bescheinigen: Dort wirken einige der Substanzen unter anderem antientzündlich, regen die Abwehrkräfte an und senken den Blutzuckerspiegel. Manche Stoffe verengen die Gefäße und regen dadurch den Kreislauf an.

Angeblich soll Ginseng die Potenz steigern. Wissenschaftliche Belege hierfür fehlen.

Wichtige Hinweise:

Wer Ginseng ausprobieren möchte, sollte sich nicht sofort eine Wirkung erwarten. Erst nach mehreren Wochen stellen sich positive Effekte ein.

Ginseng kann auch Nebenwirkungen hervorrufen. Wer Diabetes oder zu hohen Blutdruck hat, darf Zubereitungen aus Ginseng nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Inhaltsstoffe aus der Wurzel können die Blutgerinnung verändern. Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten mit ihrem Arzt klären, ob sie Ginseng anwenden dürfen. Vorsicht: Die Knolle verstärkt die Effekte, die Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke im Körper entfalten.


Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



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