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Heilpflanzen-Lexikon:
Ginkgo

Ginkgo soll das Gedächtnis verbessern und die Durchblutung fördern. Ob Extrakte aus Ginkgo Alzheimer vorbeugen und gegen Schwindel oder Tinnitus helfen, ist jedoch umstritten


Ginkgo (Ginkgo biloba)

Bereits vor 250 Millionen Jahren gab es Ginkgo. Er überlebte die Eiszeiten, zwar nicht in Europa, doch in China und Japan, und gilt deshalb als „lebendes Fossil“. Ginkgo ist eine Pflanze voller Besonderheiten: Er sieht aus wie ein Laubbaum, gehört botanisch gesehen jedoch zu den Nadelhölzern. Er kann über 1000 Jahre alt werden und ist äußerst widerstandsfähig. Das erste Grün, das nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945 austrieb, stammte angeblich von einem Ginkgobaum.

Seit Jahrtausenden ist Ginkgo in China und Japan als Tempelbaum und Heilpflanze bekannt. Seit dem 18. Jahrhundert wächst das Fossil wieder in Europa – angepflanzt in Gärten und Parks. Goethe schrieb ein Gedicht über Ginkgo, Künstler nahmen die fächerförmigen Blätter als Vorlage für Schmuckstücke. In Weimar gibt es ein ganzes Museum, das sich dieser Pflanze widmet.


Wie sieht Ginkgo aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Ginkgo (Ginkgo biloba) ist ein Baum, der bis zu 30 Meter hoch wird. Die Blätter sehen fächerförmig aus und sind meist gelappt. Sie werden von gabeligen Blattnerven durchzogen. In den Blattachseln männlicher Bäume sitzen kätzchenförmige Blüten. Weibliche Bäume tragen die Samenanlagen. Später im Jahr bilden sich pflaumengroße, gelbliche Samen aus. Ginkgo gehört zu den Ginkgogewächsen (Ginkgoaceae) und blüht von April bis Mai.
 Beheimatet ist er in China und Japan, in Europa kommt er angepflanzt in Parks und Gärten vor.

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in den Ginkgoblättern. Sie enthalten 0,02 bis 0,2 Prozent sogenannter Diterpene, die vorwiegend aus den Ginkgoliden A, B und C bestehen. Daneben kommen zu 0,02 bis 0,06 Prozent Sesquiterpene vor, darunter vor allem die Substanz Bilobalid. Darüber hinaus beinhalten die Blätter Flavonoide, zu denen die Stoffe Kämpferol und Quercetin gehören, sowie Ginkgolsäuren.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft Ginkgo?

Für die Wirkungen von Ginkgo ist wohl das Zusammenwirken von Flavonoiden, Ginkgoliden und Terpenen verantwortlich. Dieses Substanzgemisch weist zumindest in Laborversuchen zahlreiche Effekte auf: Es schützt Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen und unterstützt die Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn, die Gedächtnis und Lernen beeinflussen. Zudem greifen die Stoffe hemmend in die Blutgerinnung ein, verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und fangen freie Radikale ein.

Aus diesen Gründen vermuten Forscher, dass Ginkgo hilft, wenn die geistige Fitness nachlässt, wenn man sich schlecht konzentrieren kann oder das Lernen schwerfällt. Auch Krankheiten, bei denen Durchblutungsstörungen eine Rolle spielen, könnte Ginkgo positiv beeinflussen – zum Beispiel Schwindel, Ohrensausen (Tinnitus) und die Schaufensterkrankheit (PAVK).

Da Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen, ob Ginkgo tatsächlich das Gedächtnis beeinflusst. In manchen Untersuchungen kam heraus, dass Zubereitungen aus den Blättern eine Alzheimer-Demenz verlangsamen können. Andere kamen zu dem Schluss, dass die Gedächtnisleistung nicht verbessert wird – zumindest nicht bei Gesunden. Auch ob Ginkgo bei Tinnitus oder Schwindel helfen kann, ist noch nicht sicher bewiesen, da sich die Studien ebenfalls widersprechen.

Einig sind sich Wissenschaftler dagegen in puncto Zubereitungsform: Aus einem Ginkgoblätter-Tee werden die wirksamen Stoffe nur unzureichend herausgelöst. Um eine Wirkung zu erzielen, müssen die aktiven Substanzen in Extrakten (Auszug aus der Pflanze) aufkonzentriert werden. Außerdem können im Tee sogenannte Ginkgolsäuren vorkommen, die als bedenklich gelten (siehe Hinweise).

Wichtige Hinweise:

Ginkgotabletten wirken nicht sofort, sondern erst nach mehrwöchiger Einnahme.

Ginkgo kann Nebenwirkungen hervorrufen: Manche Menschen bekommen Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen auf das pflanzliche Mittel. In Ginkgoblätter-Tees können Ginkgolsäuren enthalten sein, und zwar in sehr unterschiedlichen Mengen. Diese Säuren können wohl Allergien auslösen und möglicherweise das Erbgut verändern. In pharmazeutischen Zubereitungen wird der zulässige Gehalt an Ginkgolsäuren deshalb beschränkt.

Wer blutverdünnende Medikamente einnimmt, sollte Ginkgo nur in Absprache mit dem Arzt anwenden. Denn die Heilpflanze kann den Effekt der Blutgerinnungshemmer verstärken. Auch wer operiert werden muss, sollte Ginkgo vorher absetzen.

Schwangere sollten auf Ginkgo verzichten.


Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.




Bildnachweis: Fotolia/LianeM

Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 29.09.2008, aktualisiert am 17.12.2012
Bildnachweis: Fotolia/LianeM

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