Thema: Heilpflanzen

Heilpflanzen-Lexikon:
Gelber Enzian

Enzianwurzel (Gentiana lutea) enthält reichlich Bitterstoffe, die unter anderem bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit helfen
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.12.2016

Gelber Enzian (Gentiana lutea)

ImagoStockAndPeople/blickwinkel

"Blau, blau, blau, blüht der Enzian" lautet ein bekannter Schlager. In der Tat denken die meisten Menschen bei Enzian wohl an kleine blaue Blumen, die auf Bergwiesen blühen. Doch der arzneilich genutzte Enzian ist weder klein noch blau: Er überragt mit einer Höhe von bis zu eineinhalb Metern die meisten Pflanzen in seiner Umgebung und fällt zugleich durch seine leuchtend gelben Blüten auf. Die Gebirgspflanze kommt nur noch selten vor, gilt sogar als "stark gefährdet" und steht deshalb unter Schutz.

Als Heilpflanze war der gelbe Enzian schon den Römern bekannt. Sie nutzten ihn als pflanzliches Bittermittel bei Magen-Darm-Beschwerden. In den Kräuterbüchern des Mittelalters galten die Wurzeln gar als Universalheilmittel – denn Pflanzen, die Bitterstoffe enthielten, schienen besonders wirksam zu sein. Die bitteren Inhaltsstoffe der Wurzeln machen das Kraut zudem zu einem beliebten Verdauungsschnaps: dem "Enzian".

Der gelbe Enzian besitzt einen stark ausgebildeten Wurzelstock, der die Dicke eines Arms erreichen kann. In der Enzianwurzel stecken die wirksamen Inhaltsstoffe

Fotolia/Fusolino

Wie sieht gelber Enzian aus und wo kommt die Heilpflanze vor?

Der gelbe Enzian kann bis zu 1,5 Meter hoch werden. Er besitzt einen hohlen aufrechten Stängel und eine armdicke Wurzel. Die bläulich-grünen Blätter ordnen sich kreuzgegenständig an, formen sich elliptisch und sind stark längsnervig. In den oberen Blattachseln befinden sich jeweils etwa drei bis zehn blassgelbe Blüten, die in Trugdolden angeordnet sind. Die Frucht ist eine spitzkegelförmige Kapsel.

Gelber Enzian gehört zu den Enziangewächsen (Gentianaceae) und blüht zwischen Juni und August. Er kommt auf Bergwiesen in den Alpen und den Gebirgen Mittel- und Südeuropas vor. Die Pflanze steht in Deutschland unter Naturschutz und darf nicht gesammelt werden.

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Arzneilich wirksam ist die Enzianwurzel. Sie enthält sogenannte Secoiridoid-Bitterstoffe, zu denen die Substanzen Gentiopikrosid und Amarogentin zählen. Amarogentin ist maßgeblich für den bitteren Geschmack der Enziangewächse verantwortlich. Daneben stecken gelbe Farbstoffe – die Xanthone – in der Wurzel, reichlich Kohlenhydrate wie Glukose und Fruktose sowie etwas ätherisches Öl.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft gelber Enzian?

Verantwortlich für die Wirkung des gelben Enzians sind die Bitterstoffe. Sie regen Geschmacksnerven auf der Zunge an und bewirken dadurch reflektorisch, dass mehr Speichel und Magensäure gebildet wird. Außerdem schütten spezielle Zellen im Magen – aufgrund dieses Reizes – vermehrt das Verdauungshormon Gastrin aus. Es steigert ebenfalls die Ausschüttung von Magensaft sowie die von Gallensäften. Diese Mechanismen regen den Appetit an und bringen die Verdauung auf Trab.

Zubereitungen aus Enzianwurzeln helfen deshalb bei Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen und Gallenstörungen. Enzian gibt es unter anderem als Tee oder in Form von Tropfen. Häufig kommt die Heilpflanze darin zusammen mit anderen Bittermitteln vor – wie Wermut, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn oder Benediktenkraut. Tipp: Wenn Sie ein solches Mittel einnehmen, weil Sie Ihren Appetit anregen möchten, dann wenden Sie Tropfen oder Tee mindestens eine halbe Stunde vor dem Essen an!

Laborexperimente haben gezeigt, dass Enzian-Inhaltsstoffe festsitzenden Schleim aus den Atemwegen lösen können. Aus diesem Grund werden Extrakte aus der Wurzel auch bei Entzündungen in Nase, Rachen und Bronchien angewendet – beispielsweise bei einer Nasennebenhöhlenentzündung.

Wichtige Hinweise:

Menschen, die an einem Geschwür im Magen oder im Zwölffingerdarm (Duodenum) leiden, sollten Enzian nicht verwenden.

Wer Enzian in hoher Konzentration einnimmt, kann Magen- oder Kopfschmerzen bekommen. Schwangere sollten vorsichtshalber ganz auf Enzianzubereitungen verzichten.

Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



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