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Heilpflanzen-Lexikon:
Faulbaum, Faulbaumrinde (Frangula alnus)

Faulbaum hilft als pflanzliches Abführmittel – kurzfristig angewendet – bei Verstopfung


Faulbaum (Frangula alnus)

Eigentlich wollte er etwas ganz anderes erfinden. Doch als er mit Salpeter, Schwefel und Faulbaum experimentierte, flog ihm das Gemisch plötzlich um die Ohren… So soll der Franziskanermönch Berthold Schwarz das Schießpulver entdeckt haben. Ob dies stimmt, lässt sich heute schwer nachweisen. Bekannt ist jedoch, dass Faulbaumrinde bis ins 19. Jahrhundert zur Herstellung von Munition diente. Daneben eignete sich Faulbaum zum Färben von Haaren und Textilien. Als Heilpflanze ist Faulbaum etwa seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Bereits damals nutzten Heilkundige die Rinde als pflanzliches Abführmittel.

Wie sieht die Heilpflanze aus und wo kommt sie vor?

Faulbaum ist ein Strauch, der bis zu drei Meter hoch wird und eine graubraune Rinde besitzt. Die ganzrandigen, elliptisch geformten Blätter glänzen an der Oberfläche und sind kurz gestielt. In den Blattachseln sitzen kleine, gelbgrüne Blüten, die in zwei- bis zehnblütigen Trugdolden angeordnet sind. Die kleine, kugelige Steinfrucht verfärbt sich bis zur Reife schwarzviolett. Faulbaum gehört zu den Kreuzdorngewächsen (Rhamnaceae), blüht zwischen Mai und Juni und ist in Europa und Kleinasien beheimatet. Dort wächst er in Auwäldern und Mooren.

Achtung: Die Pflanze ist giftig.


Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?

Als Arznei kommt die Rinde zum Einsatz. Sie enthält bis zu sieben Prozent Anthranoide. Dazu gehören besonders die Substanzen Glucofrangulin A und B, Frangulin A und B sowie Frangulaemodin.

Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft die Heilpflanze?

Arzneilich wirksam sind die sogenannten Anthranoide. Diese Pflanzeninhaltsstoffe  gelangen – gebunden an pflanzliche Zuckermoleküle – in den Dickdarm. Dort wird der Zucker von bakteriellen Enzymen abgespalten und das Anthranoid in die aktive Form umgewandelt. Diese greift an der Darmschleimhaut an und verhindert, dass Wasser und Salz von der Schleimhaut aufgenommen werden. Zugleich fördern die Substanzen den Einstrom von Wasser und Elektrolyten ins Darminnere. Dadurch sammelt sich vermehrt salzhaltige Flüssigkeit im Darmtrakt an, welche die Darmentleerung beschleunigt.

Zubereitungen aus Faulbaumrinde können daher – kurzzeitig – als Abführmittel gegen Verstopfung helfen. Extrakte aus Aloe vera und Sennes wirken auf die gleiche Weise abführend.

Wichtige Hinweise:

Abführmittel sollten Sie – auch wenn es pflanzliche sind – nur für kurze Zeit anwenden. Meist reicht es aus, das Mittel einmal einzunehmen. Dann entleert sich der Darm nach einigen Stunden. Wichtig: Trinken Sie ausreichend viel. Leiden Sie öfters an Verstopfung, dann sollten Sie die Ursache dafür von einem Arzt abklären lassen. In vielen Fällen ist einfach eine falsche Ernährung schuld, mangelnde Bewegung oder zuwenig Flüssigkeit. Manchmal kann aber auch eine Krankheit hinter dem trägen Darm stecken.

Setzt die Wirkung der pflanzlichen Inhaltsstoffe ein, kann sich dies in seltenen Fälllen durch krampfartige Bauchschmerzen bemerkbar machen. Außerdem kann sich der Urin verfärben. Nehmen Sie Faulbaumrinde längerfristig ein, bringt dies den Elektrolythaushalt des Körpers durcheinander. Er verliert lebenswichtige Mineralstoffe, was sogar zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Zudem kommt es bei Dauergebrauch von Abführmitteln – bedingt durch die Medizin – erneut zu Verstopfung.

Sie dürfen Zubereitungen aus Faulbaumrinde nicht einsetzen, wenn Sie einen Darmverschluss haben (dies ist ein Notfall!) oder an entzündlichen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn leiden. Dies gilt ebenfalls, wenn Sie schwanger sind oder stillen. Auch für Kinder sind die Pflanzenextrakte tabu.

Faulbaumrinde kann mit anderen Medikamenten wechselwirken. Dazu zählen  Diuretika (entwässernde Mittel), Kortisonpräparate, Herzglykoside (bei Herzschwäche angewendet) und Süßholzwurzel.

Achtung: Die frische Pflanze ist giftig! Verschlucken Sie Teile davon versehentlich,  kann es zu Erbrechen und blutigem Durchfall kommen. Durch Lagerung der getrockneten Pflanzenteile gehen die Inhaltsstoffe in eine verträglichere Form über.


Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.



www.apotheken-umschau.de; 05.08.2005, aktualisiert am 18.08.2011
Bildnachweis: Fotolia/Markus/2010

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