Nachgefragt
Haben Zwillinge dieselben Fingerabdrücke?

Eineiige Geschwister haben die gleichen Erbanlagen. Sind auch die Fingerlinien identisch?

Kein Unterschied zu sehen? Dann nehmen Sie mal die Fingerabdrücke...
„Er war’s! Da bin ich mir absolut sicher. Hundertprozentig!“, bestätigt die Kassiererin, als ihr einige Stunden nach dem Überfall auf den Supermarkt der mutmaßliche Räuber gegenübergestellt wird. „Ich war im Kino“, beteuert der Verdächtigte, „und dafür habe ich sogar mehrere Zeugen.“

Im weiteren Verlauf der polizeilichen Untersuchungen stellt sich sehr schnell heraus, dass das Alibi „wasserdicht“ ist. Aber auch noch etwas anderes: Der Festgenommene hat einen eineiigen Zwillingsbruder, und die beiden Männer gleichen sich buchstäblich wie ein Ei dem anderen.

Zum Glück der Ermittler hat der Räuber jedoch am Tatort Fingerabdrücke und Haare hinterlassen. Müssten die denn nicht bei beiden Brüdern exakt gleich sein?

„Die Fingerabdrücke nicht“, sagt Kriminal- Direktorin Martina Link vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden. „Die charakteristischen Muster der Papillarlinien entwickeln sich bereits im Mutterleib und sind individuell unterschiedlich. In 101 Jahren Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren, d. Red.) gab es nicht einen Fall, in dem zwei Menschen dieselben Fingerabdrücke hatten.“

Und wie ist es mit den Haaren? Martina Link: „Anhand der Erbanlagen, die zum Beispiel im Speichel, im Blut, in der Haut und in den Haaren stecken, kann das DNS Identifizierungsmuster (der so genannte genetische Fingerabdruck, d. Red.) ermittelt werden. Dieses Muster wiederum ist bei eineiigen Zwillingen – und auch nur bei ihnen – identisch.“

Übrigens: Die Fingerabdrücke am Tatort stammten eindeutig vom Bruder des Verhafteten.

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