Drucken

Epilepsie

Was ist Epilepsie? Welche Ursachen hat sie? Wie zeigt sich ein epileptischer Anfall und wie leistet man richtig Erste Hilfe? Informationen zu Symptomen und Behandlung der Epilepsie


Eine Aufzeichnung der Hirnpotentialschwankungen (EEG) hilft oft, die Diagnose Epilepsie zu stellen

Was ist eine Epilepsie?

Der Begriff Epilepsie (Krampfleiden, Fallsucht) beschreibt eigentlich keine einzelne Krankheit, sondern die Folge einer Vielzahl von Hirnerkrankungen. Gemeinsames Merkmal ist eine erhöhte Neigung zu epileptischen Anfällen.

Epileptische Anfälle können ganz unterschiedlich aussehen: Manche dauern nur wenige Sekunden, bleiben fast unbemerkt. Sie äußern sich zum Beispiel als leichtes Muskelzucken, Kribbeln oder kleine Bewusstseinspause (Absence, früher Petit Mal genannt). Andere halten über ein bis zwei Minuten an, gehen mit einem Bewusstseinsverlust, heftigen Krämpfen und unkontrollierbaren Zuckungen einher (großer Krampfanfall, früher als Grand Mal bezeichnet). Wie sich Anfälle zeigen können, erfahren Sie im Kapitel Symptome.

 


 

PATIENTENTAG "Ein Epilepsiedialog" am 14. Mai 2014

Ort: Neuer Plenarsaal des World Conference Center Bonn
(ehemaliger Deutscher Bundestag, Platz der Vereinten Nationen 2, 53113 Bonn)

Zeit: 9 bis 17 Uhr
Gebühr: kostenfrei


Die Veranstaltung wendet sich an Betroffene mit Epilepsie, ihre Angehörigen und Interessierte. Epilepsie-Experten aus ganz Deutschland werden dort laienverständlich über neue Erkenntnisse aus der Epilepsie-Forschung und über Therapien informieren. Zudem besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Der Patiententag findet im Rahmen der 52. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie e.V. (DGfE) statt.

 

Mehr Informationen und Anmeldung:

http://www.epilepsie2014.de/programm/patiententag/

(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten)


 

Wie entsteht ein epileptischer Anfall?

Hinter dem Anfallsgeschehen steckt eine vorübergehende anfallsartige Funktionsstörung von Nervenzellen im Gehirn. Nervenzellgruppen der Hirnrinde senden plötzlich gleichzeitig und hochsynchron Signale, zwingen anderen Nervenzellen ihren Rhythmus auf. Das kann unterschiedliche Folgen haben – je nachdem,  wo die Nervenzellen im Gehirn liegen, wie viele Nervenzellen an diesem Geschehen beteiligt sind und welche Körperfunktionen diese Zellen steuern. In einem Fall zuckt in der Folge zum Beispiel nur eine Hand. Im anderen verkrampfen sich nahezu alle Muskeln gleichzeitig.



Beratender Experte: Prof. Dr. med. Christian E. Elger (FRCP)

Erster Krampfanfall  – gleichbedeutend mit Epilepsie?

Kommt zu einem Anfall, beweist das allein noch keine Epilepsie. Jedes Gehirn – nicht nur das menschliche, auch das von Tieren wie beispielsweise Hunden – kann unter bestimmten Umständen einen epileptischen Anfall entwickeln. Solche Umstände sind unter anderem Schlafmangel, Alkoholentzug, Stoffwechselstörungen, bestimmte Krankheiten in der Schwangerschaft (Eklampsie), Vergiftungen oder unerwünschte Wirkungen von Medikamenten. Hohes Fieber führt vor allem bei Kindern leicht zu Fieberkrämpfen. Solche Anfälle bezeichnen Ärzte als Gelegenheitsanfälle oder Gelegenheitskrampf. "Gelegenheit" bedeutet hier nicht "gelegentlich", sondern dass eine "Gelegenheit" – also ein akuter Vorfall – der Auslöser ist. Gelegenheitsanfälle sind noch kein eindeutiges Zeichen für eine Epilepsie, selbst wenn sie wiederholt vorkommen sollten.

Wie wird die Diagnose Epilepsie gestellt?

Kam es erstmals zu einem epileptischen Anfall, wird der Arzt den Patienten genau untersuchen, üblicherweise auch die Hirnpotentialschwankungen aufzeichnen (mittels Elektroenzephalografie, EEG). In der Regel fertigt er zudem Aufnahmen des Gehirns per Magnetresonanztomografie (MRT) an, um eine Ursache des epileptischen Anfalls zu ermitteln. Manchmal muss sogar das Gehirnwasser untersucht werden, um Entzündungen des Gehirns auszuschließen. Meist genügt das, um die Diagnose zu sichern: Es handelt sich entweder um einen "Gelegenheitsanfall" oder um den Beginn einer Epilepsie. Genauere Informationen lesen Sie im Kapitel Diagnose.

Wie häufig sind Epilepsien?

Betroffen sind relativ viele Menschen: immerhin knapp jeder hundertste. Epilepsien können in jedem Alter auftreten. Bei einem Drittel der Patienten ereignet sich der erste epileptische Anfall im Kindesalter, bei rund einem Drittel erst jenseits des 60. Lebensjahres. Das Lebenszeitrisiko bis zum 80. Lebensjahr beträgt für einen epileptischen Anfall circa zehn Prozent, für eine Epilepsie mehr als drei Prozent.


Welche Ursache hat Epilepsie?

Epilepsien sind manchmal auf konkrete Ursachen zurückzuführen – beispielsweise eine Missbildung im Gehirn, eine genetische Veränderung, eine Narbe nach einer Hirnverletzung, einen Schlaganfall, eine Hirnhautentzündung, einen Hirntumor und vieles mehr. Teilweise lässt sich die Ursache aber nicht klären. Genauere Informationen lesen Sie im Kapitel Ursachen.

Wie wird Epilepsie behandelt?

Nicht jede Epilepsie wird als große Belastung empfunden. Manche Patienten fühlen sich im Alltag kaum beeinträchtigt, erleiden nur ganz selten Anfälle oder solche, die nicht besonders stören. Andere dagegen haben mit zahlreichen oder heftigen Anfällen zu kämpfen. Ob eine Therapie nötig ist, und wie lange sie fortgeführt werden muss, ist deshalb immer auch eine individuelle Entscheidung. Sie sollte nach ausführlicher Beratung gemeinsam mit dem Arzt getroffen werden. In der Regel erfolgt eine Behandlung spätestens dann, wenn mehr als zwei belastende Anfälle pro Jahr auftreten.

Die Therapie richtet sich unter anderem nach der Art der Anfälle. Der Arzt verschreibt gezielt Medikamente, die das Risiko für weitere epileptische Anfälle senken (Antikonvulsiva, etwas unpräzise Antiepileptika genannt). In bestimmten Fällen hilft eine Operation (Epilepsiechirurgie) oder ein Stimulationsverfahren. Mehr zu den unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten lesen Sie im Kapitel Therapie.

Ist ein Krampfanfall gefährlich?

Manche Anfälle wirken auf Anwesende dramatisch. Ein einzelner Anfall ist nicht gefährlich für das Gehirn und hört üblicherweise nach ein bis zwei Minuten von selbst wieder auf. Es besteht allerdings ein gewisses Verletzungsrisiko.

Sehr selten kommt es dabei zu einem Herz-Kreislaufversagen ("Sudden unexpected death of epilepsy patients", SUDEP, plötzlicher unerwarteter Todesfall bei Epilepsie). Dies ist der Grund, warum eine Epilepsie auch bei seltenen Anfällen behandelt werden sollte.

Zum Glück ebenfalls nicht häufig – aber potenziell lebensgefährlich – sind Anfälle von längerer Dauer und Anfallsserien (Status epilepticus). Hier kann das Gehirn Schaden nehmen. Wie Sie richtig Erste Hilfe leisten, und wann Sie einen (Not-)Arzt verständigen sollten, lesen Sie im Kapitel Erste Hilfe.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Prof. Dr. Christian E. Elger, FRCP, Klinik für Epileptologie, Universität Bonn, Klinik für Epileptologie, Bonn
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7

Mehr Informationen im Netz unter

www.apotheken-umschau.de; 08.09.2011, aktualisiert am 22.04.2014
Bildnachweis: Prof. Dr. Christian E. Elger, FRCP, Klinik für Epileptologie, Universität Bonn, Klinik für Epileptologie, Bonn

Ich beweg' mich Community

Jetzt mitmachen!

Die "Ich beweg' mich"-Community: Individueller Trainingsplan, Fitnesstagebuch, Expertenrat und Austausch mit Gleichgesinnten. »

Zur Anmeldung »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Zum Thema

Hirnstrommessung: Was die Methode alles kann

Die Hirnstrommessung – medizinisch als Elektroenzephalografie (EEG) bezeichnet – ist schon fast 90 Jahre alt, liefert aber immer noch neue Erkenntnisse »

Mehr auf www.baby-und-familie.de:

Fieberkrämpfe

Mehr über die Krampfanfälle bei rasch ansteigendem oder hohem Fieber »

Schwangerschaft gut planen

Frauen mit Epilepsie können mit ausreichender Vorbereitung eine normale Schwangerschaft haben »

Der große Körpercheck

Testen Sie sich online

Überprüfen Sie Ihren Körper interaktiv in Sachen Gesundheit »

Vorsorge-Rechner

Welche Vorsorgeuntersuchung steht Ihnen zu? Unser Online-Rechner sagt es Ihnen »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages