Was ist eine Endokarditis?
Die Herzinnenhaut – das Endokard – ist ein Gewebe, das die Herzhöhlen auskleidet und die Herzklappen bildet. Die Endokarditis ist eine meist durch Bakterien verursachte Entzündung der Herzinnenhaut. Sie betrifft hauptsächlich die Herzklappen, aber auch Herzklappenprothesen oder Schrittmacherelektroden. Nach dem Auslöser unterscheiden Mediziner verschiedene Formen der Krankheit:
1) Infektiöse (bakterielle) Endokarditis
Die bakterielle Endokarditis ist eine zum Glück seltene, für den Betroffenen aber sehr ernste Erkrankung. Genaue Zahlen über die Häufigkeit in Deutschland sind nicht bekannt; man rechnet jedoch mit etwa zwei bis zehn Fällen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr.
Wie die Krankheitsbezeichnung bereits andeutet, ist eine Infektion Auslöser dieser Erkrankung. Die Bakterien Staphylococcus aureus, Streptokokken und Enterokokken sind heute die häufigsten Endokarditiserreger.
Charakteristisch für die bakterielle Endokarditis ist der Nachweis von bakteriell besiedelten sogenannten Vegetationen auf der Klappenoberfläche. Es handelt sich dabei um Thromben (eine Art "Blutklümpchen") unterschiedlicher Größe, die sich ablösen und zu Gefäßverschlüssen führen können. Ferner kann es durch die bakterielle Entzündung unter anderem zur Zerstörung der Klappensegel, zu Abszessen (Eiteransammlungen) und zur Auflösung von Haltefäden künstlicher Herzklappen kommen. Ist die Herzklappe durch die bakterielle Endokarditis zerstört und dadurch hochgradig undicht (insuffizient) geworden, kann meist nur ein operativer Herzklappenersatz vor schwerer Herzschwäche bewahren.
Verlauf und Prognose der bakteriellen Endokarditis sind ganz entscheidend davon abhängig, wie schnell nach den ersten Anzeichen der Erkrankung die Diagnose gestellt wird. Für den therapeutischen Erfolg sind außerdem der Erregernachweis in der Blutkultur und die Wahl des wirksamsten Antibiotikums eine wichtige Voraussetzung (mehr dazu in den Kapiteln Diagnose und Therapie). Dennoch liegt trotz aller Möglichkeiten der modernen Medizin die Sterblichkeit der akuten Endokarditis noch immer bei etwa 20 bis 30 Prozent.
Der Beginn der Erkrankung kann auch schleichend sein mit leichtem Fieber, Nachtschweiß, allgemeinem Krankheitsgefühl. Wegen dieser zunächst wenig spezifischen Symptome ist die sogenannte subakute bakterielle Endokarditis besonders schwer im Frühstadium zu erkennen.
Um einer bakteriellen Endokarditis vorzubeugen, empfiehlt sich für gefährdete Patienten – zum Beispiel nach einer Herzklappenoperation – eine Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika, wenn bestimmte medizinische Eingriffe anstehen (mehr dazu im Kapitel Vorbeugung).
2) Nichtinfektiöse (abakterielle) Endokarditis
Die abakterielle Endokarditis ist eine Komplikation des rheumatischen Fiebers, welche als Autoimmunreaktion nach einer Streptokokkeninfektion an den Mandeln auftreten kann. (Mehr dazu im Kapitel Ursachen). Die nichtinfektiöse Endokarditis spielt in den westlichen Industrieländern keine große Rolle mehr. In den ärmeren Entwicklungsländern ist sie jedoch nach wie vor ein großes Problem – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Denn dort mangelt es oft an der antibiotischen Therapie von Streptokokkeninfektionen. Weltweit erkranken etwa 15 Millionen Menschen an der abakteriellen Endokarditis.
Als Folge der Entzündung verdicken, vernarben oder verkleben die Klappensegel. Das bedeutet, dass die Ventilfunktion der Herzklappe mehr oder weniger stark beeinträchtigt wird. Es kommt zu Klappenverengungen (Stenosen) oder einer Klappenundichtigkeit (Insuffizienz) oder auch einer Kombination beider Ventilfunktionsstörungen (kombinierter Herzklappenfehler). Bei der nichtbakteriellen (rheumatischen) Endokarditis bereiten solche Funktionsstörungen der Herzklappen oft erst nach vielen Jahren Probleme.
Professor Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in München
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Nach einer erregerbedingten Herzinnenhautentzündung bleiben die Betroffenen fast immer ein Leben lang für eine erneute Infektion anfällig. Eine krankhaft veränderte Herzinnenhaut oder künstliche Herzklappen, die in der Folge meist eingesetzt werden, sind gegen Bakterien und auch Pilze, die ebenfalls eine Endokarditis verursachen können, viel anfälliger als eine gesunde Herzinnenhaut. Patienten mit überstandener Endokarditis sollten also bei Infektionen oder Eingriffen im zahnärztlichen, pneumologischen, gastroenterologischen oder gynäkologischen Bereich eine sogenannte Endokarditisprophylaxe, also eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika, durchführen. Die betroffenen Patienten erhalten von ihrem Arzt in der Regel einen entsprechenden Ausweis, der alle notwendigen Informationen zur Endokarditisprophylaxe enthält.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Die Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) ist eine meist durch Bakterien verursachte Infektion, die vor allem die Oberfläche der Herzklappen gefährdet. Dabei werden die Herzklappensegel mehr oder weniger zerstört und verlieren damit ihre wichtige Schließ- und Ventilfunktion. Der Herzmuskel ist dann rasch überlastet, eine schwere Herzmuskelschwäche die Folge. Unbehandelt verläuft die Herzinnenhautentzündung tödlich. Wird sie rechtzeitig erkannt, kann die Infektion mit einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie bekämpft werden. Beschädigte Herzklappen können nach Abklingen der akuten Phase der Erkrankung chirurgisch ersetzt werden. Herzmuskelentzündungen werden dagegen meist durch Viren und die nachfolgende Immunreaktion verursacht.
Anders als Herzinnenhautentzündungen heilen sie oft auch ohne spezielle Behandlung aus.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
Die Herzwand besteht aus drei Schichten: Ganz außen liegt das sogenannte Perikard, die Außenhaut aus Bindegewebe. Darunter befindet sich die eigentliche Herzmuskulatur und ganz innen dann die Herzinnenhaut (Endokard). Diese umkleidet die Innenwände der Herzhöhlen wie auch die Oberfläche der Herzklappen. Die Herzinnenhaut hat eine äußerst wichtige Schutzfunktion: Sie wehrt Infektionen durch Bakterien oder Pilze ab und beugt der Bildung von Blutgerinnseln vor. Eine Entzündung der Herzinnenhaut kann unbehandelt schnell zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung werden, weil es dabei zur Bildung von Abszessen (Gewebeeinschmelzungen) im Herzmuskel oder zur Zerstörung der Herzklappen kommen kann.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 16.05.2012
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