Im Harn lassen sich zahlreiche Substanzen nachweisen. In der Medizin spielt unter anderem der Nachweis von „Blut“ (rote Blutkörperchen), Zucker (Glukose) oder Eiweiß (Albumin) im Urin eine wichtige Rolle. Für die Harnanalyse benötigt der Arzt meist den sogenannten „Mittelstrahlurin“. Dazu muss der Patient zunächst etwas Harn ablaufen lassen, dann den Urin zurückhalten und anschließend die Probe in ein sauberes Gefäß (Wegwerfplastikbecher) auffangen. Besteht der Verdacht auf eine Entzündung der Harnröhre, wird auch die erste Urinportion untersucht.
Auch der Schwangerschaftstest erfolgt anhand einer Urinprobe. Allerdings kommen dabei spezielle Teststreifen zum Einsatz, die ein Schwangerschaftshormon nachweisen.
Was lässt sich mit einem Urin-Schnelltest bestimmen?
pH-Wert: Der pH-Wert gibt an, ob der Urin sauer (niedriger Wert), neutral oder alkalisch (hoher Wert) ist. Normalerweise liegt der pH-Wert des Harns zwischen fünf und sechs – er ist leicht sauer. Leidet jemand an einer Harnwegsinfektion, kann der Urin alkalischer werden. Ein saurer Harn, mit einem pH unter fünf, kommt zum Beispiel bei starkem Durchfall oder Diabetes mellitus vor.
Eiweiß: Normal findet sich kein Eiweiß (Albumin) im Urin, oder nur geringe Mengen. Ist der Test „positiv“ (wurde also Albumin nachgewiesen), deutet dies auf eine Nierenerkrankung hin.
Zucker (Glukose): Lässt sich Glukose im Harn nachweisen, ist das ein Hinweis auf Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Doch auch während der Schwangerschaft oder bei manchen Krebsarten findet sich Zucker im Urin.
Nitrit: Bestimmte Harnwegskeime bilden diesen Stoff aus Nitrat. Verfärbt sich der Teststreifen – lässt sich also Nitrit nachweisen – spricht das für eine Harnwegsinfektion (etwa eine Blasenentzündung).
Bilirubin / Urobilinogen: Das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin findet sich immer im Harn und gibt ihm seine gelbliche Farbe. Tritt die Substanz jedoch vermehrt im Harn auf, kann dies unter anderem für eine erkrankte Leber sprechen. Urobilinogen entsteht aus Bilirubin. Erhöhte Harnwerte weisen ebenfalls auf Leberkrankheiten hin.
Ketone: Diese Stoffe kommen im Harn normalerweise nicht vor. Treten Ketone auf, weist dies auf einen verstärkten Fettabbau im Körper hin. Für Diabetiker stellen Ketonkörper im Urin ein Warnsymbol für einen entgleisten Stoffwechsel dar. Auch bei intensivem Fasten lassen sich Ketone im Harn nachweisen.
Blut im Urin: Schlägt der Teststreifen auf Erythrozyten (rote Blutkörperchen) an, deutet das meist auf eine Entzündung der Harnwege hin. Doch auch ein Tumor, vor allem Blasenkrebs, kann zu Blut im Urin führen. Finden sich Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Harn, liegt in den meisten Fällen ebenfalls eine Entzündung im Bereich von Niere oder Blase vor.
Wie läuft der Urin-Schnelltest ab?
Zunächst wird der sogenannte Mittelstrahlurin (siehe oben) in einem sterilen Gefäß (Wegwerfplastikbecher) aufgefangen. Der Nachweis erfolgt dann mit Hilfe eines Teststreifens, der in den Harn eingetaucht wird. Auf dem Teststreifen befinden sich verschiedene Felder, die auf die oben genannten Substanzen (etwa Glukose) reagieren. Verfärbt sich das entsprechende Feld, fällt der Test „positiv“ aus – die Substanz lässt sich also im Urin nachweisen.
Wann kommt eine mikroskopische Untersuchung des Urins in Betracht?
Um die im Urin-Schnelltest ermittelten Substanzen genauer zu beurteilen, eignet sich die mikroskopische Harnanalyse. Dazu wird die Urinprobe in einem Labor zentrifugiert, wodurch sich die flüssigen von den festen Harnbestandteilen (Urinsediment) trennen. Das Urinsediment wird unter einem Mikroskop betrachtet.
Auf diese Weise bestimmt der Arzt unter anderem die genaue Anzahl der in der Probe vorkommenden Zellarten. Zum Beispiel die Menge an roten und weißen Blutkörperchen.
Welchen Nutzen hat der Urin-Schnelltest?
Der Urin-Schnelltest ist eine einfache Methode, um rasch erste Rückschlüsse auf verschiedene Krankheiten ziehen zu können. Sprechen etwa die Symptome der Patientin für eine Blasenentzündung, kann ein positiver Nachweis auf „Bakterien im Urin“ (siehe oben Nitrit) den Verdacht erhärten. Der Arzt kann der Patientin ein entsprechendes Antibiotikum verschreiben.
Schlägt der Teststreifen auf „Glukose im Urin“ an, spricht dies unter Umständen für einen noch nicht erkannten Diabetes mellitus. Der Arzt führt dann gezieltere Nachweise durch.
Wichtig: Die Schnelltests liefern nur erste Anhaltspunkte. Mit ihnen lassen sich keine genauen Aussagen treffen, ob eine vermutete Krankheit tatsächlich vorliegt. Dafür sind spezielle Nachweisverfahren nötig.
Die mikroskopische Untersuchung des Harns stellt eine weitaus genauere Nachweismethode dar. Sie ist jedoch aufwändiger und teurer.
Welche Nachteile hat der Schnelltest?
Anhand der Teststreifen lässt sich erkennen, ob bestimmte Substanzen im Urin vorhanden sind. Der Schnelltest sagt allerdings wenig über die Menge dieser Stoffe aus.
Außerdem können verschiedene Faktoren die Ergebnisse verfälschen. Zum Beispiel, wenn der Patient die Urinprobe bereits daheim entnommen hat und zum Arztbesuch mitbringt. In der Zwischenzeit können sich Bakterien in der Probe anreichern. Zudem, wenn eine Patientin ihre Monatsblutung hat oder bestimmte Medikamente eingenommen werden. Nach intensivem Sport finden sich häufig rote Blutkörperchen und Eiweiß im Urin, ohne das dies etwas zu bedeuten hat.
Was ist zu beachten, wenn man die Urin-Teststreifen selbst anwendet?
Die Urin-Schnelltests gibt es auch in Apotheken zu kaufen. Wer die Urinuntersuchung selbst vornimmt, sollte die Ergebnisse – sofern sie positiv sind oder der Patient Beschwerden hat – unbedingt von einem Arzt abklären lassen.
Unser Experte: Professor Dr. Christian Stief, Facharzt für Urologie und Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 31.01.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Fritz Stockmeier
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