Blut am After / aus dem Darm: Was das Symptom bedeutet

Hämorriden, Afterrisse, Entzündungen und Krebs verursachen am häufigsten Blutungen aus dem Darm oder im Analbereich. Mögliche Ursachen, Diagnosen, Therapien

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2016

Am Darm überwiegen gutartige Erkrankungen. Dennoch: Blut, das offensichtlich aus dem Darm oder vom Darmausgang stammt, ist immer ein Alarmsignal

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Gleich vorneweg: Bei Darmbeschwerden den Arztbesuch nicht auf die lange Bank schieben

Der Darmausgang ist eine der empfindlichsten Körperzonen. Kein Wunder, dass krankhafte Veränderungen sich hier bald sehr störend bemerkbar machen. Juckreiz, Nässen, Schmerzen, Schwellungen, Vorwölbungen oder Knoten, das Gefühl der unvollständigen Entleerung oder eine Undichtigkeit, also Stuhlinkontinenz – dies alles belästigt die Betroffenen erheblich.

Ist Blut auf dem Stuhl (Hämatochezie) sichtbar, wird das immer als beunruhigend empfunden, auch dann, wenn es nur Spuren sind. Umso wichtiger ist es, bei solchen Beschwerden Hemmungen und Bedenken zu überwinden und zum Arzt zu gehen. Natürlich auch dann, wenn sich das Stuhlgangsverhalten ohne ersichtlichen Grund, etwa Umstellung der Ernährung, geändert hat. Oder wenn sich weitere Beschwerden einstellen wie Bauchschmerzen, ungewohntes Völlegefühl, Blähungen, eventuell auch Gewichtsverlust.


Berüchtigt für mitunter schwere, auch blutige Durchfälle: Darmbakterien vom Typ EHEC

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Alles in allem überwiegen am Darm gutartige Blutungsursachen

Durchfallerkrankungen durch Krankheitserreger, die den Dünndarm und Dickdarm plagen, sind so häufig, dass zumindest eine entsprechende Episode im Jahr fast schon normal ist, quer über alle Altersgruppen hinweg. Verstopfung ist bei den Verdauungsproblemen ebenfalls ein Renner – langsam bis träge ist da bloß der Darm. Bei all diesen Störungen, insbesondere wenn sie chronisch auftreten, kommen unterschiedlichste Ursachen infrage. Auch wenn viele Durchfallerkrankungen harmlos verlaufen und von selbst wieder aufhören: Infektiöser Durchfall und Blut aus dem Darm schließen sich nicht unbedingt aus. Umso dringlicher ist hier ein Arztbesuch.

Problemzone Darm: Hämorriden, Afterrisse, Krebs

Problem Nr. 1 im Analkanal sind Hämorriden: Im Alter über 50 Jahren hat schätzungsweise jeder Zweite mindestens einmal diesebezüglich Beschwerden. Damit nehmen Hämorriden den Rang einer Volkskrankheit ein. Auch Afterrisse sind ein häufiges Leiden. In beiden Fällen gehören abgehendes Blut – am Darmausgang, auf dem Toilettenpapier oder Stuhl – zu den typischen Symptomen.

Mit den Lebensjahren steigt jedoch das Risiko für krankhafte Entwicklungen. Damit einher geht auch ein erhöhtes Blutungsrisiko, indirekt, etwa durch bestimmte Arzneimittel, oder infolge von Magen-Darmkrankheiten. Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) im Dickdarm, Entzündungen sowie gut- und bösartige Geschwülste im Dickdarm und Mastdarm gehören zu den führenden Blutungsquellen.

Wichtig: Jedem Bundesbürger ab 55 Jahren wird mindestens eine kostenlose Darmspiegelung (Koloskopie) im Rahmen der Früherkennung von Darmkrebs angeboten (mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung").

Seltenere Blutungsquellen: Krankheiten des Dünndarmes, Gefäßprobleme, Endometriose

Seltener liegt die Blutungsquelle im Dünndarm. Schließlich können Gefäßveränderungen und die Endometriose, eine typische Frauenkrankheit, Darmblutungen verursachen.

Was Sie für einen gesunden Darm tun können

Führenden Darm- und Analerkrankungen, etwa Hämorriden und Darmkrebs, kann man mit einer gesunden, aktiven Lebensweise vorbeugen. Sie verhilft zu regulärer Darmtätigkeit – ein Schlüssel für die Lösung gerade auch vieler Probleme am Darmausgang. Mit dieser Art von Körperpflege sollte eigentlich jeder so früh wie möglich beginnen, am besten schon im Kindesalter.
Das klappt, indem man sich ausgewogen, ballaststoffreich und kalorienbewusst ernährt – nicht zu fett und nicht zu süß. Dazu kommt regelmäßige körperliche Bewegung. Vorteile: Der Darm tut sich leichter bei der Arbeit, man kommt zum optimalen Gewicht, und das Risiko für Darmkrebs sinkt. Im Übrigen profitieren davon auch die Gefäße – selbst die im Darm – und das Blut fließt freier.

Nicht zuletzt tragen gute Hygiene, auch beim Sex, und hautfreundliche Kleidung dazu bei, Reizungen und krankhafte Entwicklungen im Analbereich zu vermeiden.

Nachfolgend eine Übersicht über die Themen dieses Beitrags:

Blutungsursachen im Analbereich

  • Unbequeme Polster: Hämorriden
  • Analvorfall, Mastdarmvorfall
  • Analrandkrebs (Afterhautkrebs)

Mehr dazu lesen Sie im Kapitel "Ursachen im Analbereich".

Blutungsursachen im Dickdarm, Mastdarm (Enddarm), Dünndarm

  • Entzündungen im Dickdarm und Dünndarm
  • Mastdarmentzündung (zum Beispiel Proktitis und "Pouchitis"), Mastdarmgeschwür
  • Dünndarm: Einstülpung (Invagination) des Darmes, Meckel-Divertikel, Tumoren

Im Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm" finden Sie dazu weitere Informationen.

Andere Blutungsursachen im Darm: Gefäßkrankheiten & Co.

  • Gefäßverschlüsse: Mesenterialarterieninfarkt, Mesenterialvenenverschluss
  • Falsche Gefäßverbindungen: Aortointestinale Fistel, arteriovenöse Fistel, arteriovenöse Fehlbildung (Angiodysplasie), Gefäßaneurysma im Bauch (Viszeralarterienaneurysma) mit Anschluss an den Darm
  • Ableger aus der Gebärmutter: Endometriose im Darm

Aufschluss darüber gibt Ihnen das Kapitel "Ursachen: Gefäßkrankheiten, Endometriose".

Blut am Darmausgang: Diagnose und Therapie

Blut auf dem Stuhl, erst Recht eine Darmblutung, muss dringend abgeklärt beziehungsweise zügig behandelt werden. Teile des Verdauungstraktes, etwa der Mastdarm und der übrige Dickdarm, lassen sich gut von innen inspizieren (Endoskopie). Zugleich kann der Arzt kleine Gewebeproben entnehmen oder Geschwüste entfernen und beides im Anschluss genauer untersuchen. Damit haben Ärzte und Patienten eine konkrete, gute Möglichkeit zur Hand, zum Beispiel Darmkrebs vorzubeugen. Auch andere Darmerkrankungen lassen sich so zuverlässig feststellen.

Welche Untersuchungemethoden sonst noch infrage kommen, beschreibt das Diagnosekapitel dieses Beitrags.

Wie das Beispiel Darmkrebs zeigt, besteht ein weiterer Vorteil der Endoskopie darin, dass sie sich auch zur Vorbeugung, Behandlung und Kontrolle von Darmkrankheiten eignet. Operationen am Magen-Darmtrakt sind durch den Einsatz der Endoskopie vielfältiger, vor allem aber weniger eingreifend geworden. Natürlich gehören auch Medikamente und spezielle Diäten, etwa laktosearm oder glutenfrei, zum Behandlungsrepertoire am Magen-Darmtrakt. Gerade Magengeschwüre, die bei hartnäckigen Beschwerden früher ausschließlich operativ behandelt wurden, sind ein gutes Beispiel für den Siegeszug neu entwickelter Medikamente, hier von sogenannten H2-Rezeptorenblockern.


Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 



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