Trockene Luft: Wann befeuchten und wie?

Wer auf ein gutes Raumklima achtet, schont die Schleimhäute – vor allem im Schlafzimmer. Wie feucht die Luft sein sollte und warum Vernebler ein Risiko darstellen können
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 22.11.2016

Kleiner Tipp: Über der Heizung getrocknete Wäsche erhöht die Luftfeuchtigkeit

Shutterstock/bikeriderlondon

Ach wie schön war es doch im Sommer, als uns laue Brisen um die Nasen wehten? Stattdessen dringt nun abgestandene Heizungsluft zu unseren Riechschleimhäuten vor. Und manch einer sorgt sich, ob er die Luft nicht befeuchten sollte, um seinen Atemwegen etwas Gutes zu tun.

Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 60 Prozent betragen

Tatsächlich erleichtert eine höhere Luftfeuchtigkeit das Atmen, weil sie das Austrocknen der Schleimhäute verhindert. Trockene Schleimhäute hingegen steigern die Anfälligkeit für Infekte und Nasenbluten. Eine amerikanische Studie zeigte außerdem, dass Grippeviren in trockener Luft länger aktiv bleiben. Auch die Haut neigt bei Trockenheit eher zu Reizungen, Rötungen und Entzündungen.

Dr. Norbert Mülleneisen vom Vorstand des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen erklärt: "Wenn Sie die trockene Luft zum Husten reizt, oder sich an der Schleimhaut der Nase sogenannte Borken bilden, könnte Handlungsbedarf bestehen." Borken sind gelbgrüne bis schwarze Verkrustungen.

Die Luftfeuchtigkeit lässt sich mit einem Messinstrument namens Hygrometer bestimmen, das es schon für wenige Euro im Einzelhandel gibt: Die Luftfeuchtigkeit sollte bei mehr als 40 Prozent liegen. Allerdings auch nicht viel über 60 Prozent. "Andernfalls kann sich vermehrt Schimmel bilden, weil sich zum Beispiel an kalten Stellen der Wände viel Feuchtigkeit niederschlägt", erläutert Mülleneisen. "Und Schimmel reicht bereits etwas Feuchtigkeit und die Zellulose der Tapete zum Wachsen", fügt der Allergologe und Pulmologe hinzu.

Statt dauerhaft gekippten Fenstern besser stoßlüften


Norbert K. Mülleneisen, Facharzt für Innere Medizin, Allergologie und Pulmologie

W&B/Privat

Um sich trotz Heizen frische Luft in den Raum zu holen, setzen viele auf leicht gekippte Fenster, auch über Nacht. Das sei aber ein grundfalsches Lüftungsverhalten, kritisiert Mülleneisen. "Denn dann bilden sich eben rund um die Fenster kalte Stellen, an denen sich die Feuchtigkeit niederschlägt. Ideal wäre, alle zwei, drei Stunden die Fenster komplett aufzumachen und für eine kurze Stoßlüftung zu sorgen", so der Experte. Allerdings sei das schlecht mit unseren Schlaf- und Arbeitsgewohnheiten vereinbar. Wer es tagsüber mehrmals hinbekommt, sollte pro Stoßlüftung in den Wintermonaten etwa fünf Minuten, im Frühjahr und Herbst etwa zehn bis fünfzehn Minuten und an warmen Sommertagen rund eine halbe Stunde lang frische Luft hereinlassen.

Was trägt überhaupt zur Befeuchtung der Luft bei? Zunächst einmal der Mensch selbst, weil wir ständig mit Wasserdampf gesättigte Luft ausatmen und so pro Nacht ungefähr einen halben Liter verdunsten. Aber auch Pflanzen dünsten Wasser aus. "Allerdings ist die Blumenerde ein guter Nährboden für Pilze. Deshalb kann man Zimmerpflanzen nicht uneingeschränkt zur Raumbefeuchtung empfehlen", so Mülleneisen.

Aerosole können Keime in die Lungenbläschen transportieren

Bedenklicher seien allerdings Zimmerspringbrunnen auf Ultraschall-Verneblerbasis: Denn sie produzieren sogenannte Aerosole. Das sind flüssige Schwebeteilchen, die mit dem Atem bis zu den Lungenbläschen gelangen können. Auf diese Weise transportieren sie unter Umständen Allergene oder Keime tief in die Lunge, falls sich im Brunnen entsprechende Erreger gebildet haben. "Zimmerspringbrunnenalveolitis" nennen Fachleute die möglicherweise resultierende Krankheit, bei der sich die Lungenbläschen entzünden. Sie geht mit Atemnot, Husten, Fieber und Schüttelfrost einher.


Ebenso können grundsätzlich auch andere elektrisch betriebene Befeuchtergeräte mit Verneblern oder Zerstäubern schaden, die ein Aerosol in die Luft blasen. Gefahr droht vor allem dann, wenn sie nicht ausreichend gereinigt werden, so dass sich Pilze und Bakterien ansiedeln können.

Große Auswahl an Methoden zur Luftbefeuchtung

"Günstiger sind da noch Luftbefeuchter mit Wasserdepots, die einfach vor die Heizung gehängt werden", wägt Mülleneisen ab. Zwar könnten sich auch dort im Wasser Keime bilden, aber zumindest verdunste das Wasser nur, weshalb sich die Zimmerluft nicht in ein riskantes Aerosolgemisch verwandeln kann.

Auch von sogenannten Luftwäschern geht keine Aerosolgefahr aus. Diese Geräte leiten Luft in einen Tank, in dem rotierende Plattenstapel halb aus dem Wasser ragen. An diesen sogenannten Tauscherflächen wird die Luft nach dem Prinzip der Kaltverdunstung befeuchtet. Allerdings fallen für die Luftwäscher normalerweise Anschaffungskosten im dreistelligen Bereich an, und die Geräte benötigen Strom für den Betrieb.

Verdampfer dagegen bringen das Wasser zum Sieden, um den Dampf an die Raumluft abzugeben. Die starke Erhitzung des Wassers tötet die allermeisten etwaigen Keime ab, deshalb gelten Verdampfer als hygienisch. Sie benötigen allerdings besonders viel Strom.

Nichts einzuwenden hat der Experte gegen feuchte Handtücher über der Heizung. "Ob die Handtücher allerdings tatsächlich genug zur Befeuchtung der Luft beitragen, sollte man besser auf dem Hygrometer nachsehen." Wer wiederum klatschnasse frischgewaschene Wäsche mitten im Zimmer auf der Leine trockene, tue unter Umständen wieder zu viel des Guten für das Raumklima. Das richtige Augenmaß ist also wichtig. Auch Aquarien leisten übrigens ihren Beitrag zur Befeuchtung der Luft.

Durch Trinken Schleimhäute feucht halten

Was aber tun in Situationen, wenn keine Befeuchtung der Luft möglich ist, wie zum Beispiel in Flugzeugen? Nicht umsonst serviert das Flugzeugpersonal jede Menge Getränke während des Flugs. Denn wer ausreichend trinkt, dessen Körper kann auch von innen die Flüssigkeitsverluste der Haut und Schleimhäute zügig ausgleichen. Außerdem nimmt man sich am besten eine kleine Tube Nasensalbe mit, um die Schleimhaut damit geschmeidig zu halten, lautet der Tipp des Experten.



Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Gut zu wissen

Frau inhaliert

Richtig inhalieren – so geht´s »

Ob Kamille-Dampfbad oder Düsenvernebler: Die wichtigsten Tipps, die Sie beim Inhalieren beachten sollten »

Hintergrund

Frau mit trockenem Blatt

Trockene Haut »

Wenn die Haut sich trocken anfühlt, spannt, schuppt und juckt, spielen äußere und innere Einflüsse eine Rolle. Lesen Sie hier mehr über alltägliche und krankhafte Ursachen »

Leiden Sie an Heuschnupfen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages