Zahnwurzelentzündung

Die Entzündung betrifft Teile des Zahnmarks und ist sehr schmerzhaft. Oft wird eine Wurzelbehandlung nötig, manchmal auch ein Eingriff an der Wurzelspitze (Wurzelspitzenresektion)
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 14.06.2016

Zahnschmerzen? Oft werden sie durch eine entzündete Zahnwurzel ausgelöst

F1online/Sodapix/RF

Zahnschmerzen können ihre Ursache im oder am Zahn haben. Am häufigsten ist die Entzündung des Zahnmarks (fachmännisch: "Pulpa", umgangssprachlich: "Zahnnerv") der Auslöser. Denn durch die Pulpa  ziehen feine Nervenfasern in Richtung Kieferknochen. Werden sie gereizt, leiten sie Schmerzsignale ans Zentralnervensystem weiter.

Der Zahn besteht aus der Krone, dem Hals und einer oder mehreren Wurzeln. Die Zahnkrone ist der sichtbare Teil des Zahns, am Übergang zum Zahnfleisch befindet sich der Zahnhals, darunter schließt sich die Wurzel an. Jeder Zahn setzt sich aus unterschiedlichen Schichten zusammen: Außen liegt der Zahnschmelz, darunter das Zahnbein, im Inneren das Zahnmark, auch Pulpa genannt. Es besteht aus Blutgefäßen, Nervenfasern und Bindegewebe. Dieses Bündel verläuft im Zahninneren durch Wurzelkanäle bis zur Wurzelspitze. Dort treten die Gefäße und Nerven aus und münden in den Kieferknochen.

Definition: Was ist eine Zahnwurzelentzündung?


Aufbau des Zahns. Zum Vergrößern bitte auf die Lupe klicken!

istock/pick-uppath

Die umgangssprachlichen Begriffe "Zahnwurzelentzündung" und "Zahnnervenentzündung" sind Synonyme für die Zahnmarkentzündung, medizinisch Pulpitis genannt. Denn es ist das Zahnmark, was sich bei dieser Erkrankung entzündet. Da der "Zahnnerv", genauer gesagt feine Nervenbahnen, das Mark durchziehen, wird die Pulpitis auch als Zahnnervenentzündung bezeichnet. Weil sich die Entzündung im Bereich der Zahnwurzel abspielt, trifft auch der Wortlaut Zahnwurzelentzündung zu.

Mediziner verwenden auch Namen wie "Wurzelkanalentzündung" und "Wurzelspitzenentzündung", letztere nennt sich im Fachlatein apikale Parodontitis. Die Begriffe drücken aus, wo sich die Entzündung abspielt – in den Wurzelkanälen oder an der Wurzelspitze.

Ursachen: Wie kommt es zur Zahnwurzelentzündung?

In den meisten Fällen ruft Karies eine Entzündung im Bereich der Zahnwurzel hervor. Werden die Kariesbakterien nicht frühzeitig bekämpft, zerstören sie den Zahn Schicht für Schicht, bis sie im Mark angelangt sind. Durch dieses können die Keime bis zur Wurzelspitze vordringen und sich von dort weiter ausbreiten.

Selten können mechanische Auslöser, zum Beispiel ein Schlag auf den Zahn oder Zähneknirschen, die Entzündung auslösen. Gelegentlich führen auch schief gewachsene Weisheitszähne zu einer Zahnmarkentzündung.

Auch eine nicht oder nur unzureichend behandelte Parodontitis kann vom Zahnhalteapparat auf die Zahnwurzel übergreifen und diese entzünden. Zur Erklärung: Der Zahnhalteapparat umgibt den Zahn im Bereich des Zahnfleischs.

Symptome: Wie äußert sich eine Zahnwurzelentzündung?

Ist der sensibelste Teil des Zahns, das Mark, entzündet, ruft dies starke Zahnschmerzen hervor. Der betroffene Zahn reagiert zudem empfindlich auf Druck, Kälte und Hitze. Manchmal pocht er auch regelrecht. Hat sich die Entzündung bereits ausgedehnt, kann sie auf den Kieferknochen und das umliegende Gewebe übergreifen. Es kommt zum Abszess, der sich in Form einer "dicken Backe" äußert.

Wichtig: Suchen Sie bei heftigen Zahnschmerzen rasch den Zahnarzt auf. Wenn es zu einem Abszess im Kieferbereich kommt, besteht die Gefahr, dass sich die Keime weiter im Körper ausbreiten. Ebenfalls wichtig: Pocht und schmerzt ein Zahn erst heftig, dann aber plötzlich nicht mehr, muss dies kein gutes Zeichen sein. Es kann passieren, dass das Zahnmark in Folge der Entzündung abstirbt – und der Zahn "tot" ist.

Diagnose: Woran erkennt der Arzt eine entzündete Zahnwurzel?

Der Zahnarzt untersucht zunächst das Gebiss und den schmerzenden Zahn genau. Da sich eine Pulpitis nur indirekt erkennen lässt, sind die Art, die Dauer, die Intensität und der Auslöser der Beschwerden wichtige Kriterien. So gibt ein Kältetest oder ein elektrischer Reiz Hinweise darauf, ob die Pulpa noch reaktionsfähig oder bereits abgestorben ist. Ein Röntgenbild kann zeigen, ob eine Ursache erkennbar ist (Karies unter Füllungen oder Kronen) oder ob die Entzündung bereits auf den Knochen übergegriffen hat.

Therapie: Wie lässt sich eine Zahnwurzelentzündung behandeln?

Haben sich Teile des Zahnmarks entzündet, findet in den meisten Fällen eine Wurzelbehandlung statt, genauer gesagt, eine Wurzelkanalbehandlung. Dazu muss der Zahnarzt zuerst den Zahn aufbohren (Fachbegriff: trepanieren) und anschließend das entzündete Gewebe entfernen. Mit winzigen Instrumenten reinigt der Arzt den beziehungsweise die Wurzelkanäle und spült sie mit einer antibakteriellen Lösung. Denn es ist sehr wichtig, dass die Wurzelkanäle frei von Keimen sind. Sind die Wurzelkanäle nicht mit Bakterien infiziert, können sie sofort mit einer speziellen Masse – einer Wurzelfüllpaste – abgedichtet werden.

Bei einer bakteriellen Infektion versorgt der Arzt die Kanäle zunächst mit entzündungshemmenden und desinfizierenden Einlagen, unter Umständen auch mehrfach.

Nach erfolgter Wurzelfüllung macht der Zahnarzt ein Röntgenkontrollbild, um die komplette Füllung oder eine Überfüllung zu überprüfen. Zu diesem Zweck ist das Wurzelfüllmaterial mit einem im Röntgenbild sichtbaren Stoff versetzt.

Danach wird das Loch zunächst provisorisch gefüllt. Bereitet der Zahn keine Beschwerden mehr, kann er  mit einer endgültigen Füllung versorgt werden. Bei einigen Patienten verlaufen die Wurzelkanäle gebogen oder sind stark verzweigt – das erschwert das Säubern. Deshalb klingt die Entzündung manchmal nicht ab oder dauert im Bereich der Wurzelspitze an.

Bei andauernden Beschwerden oder weiter bestehender chronischer Entzündung wird unter Umständen eine sogenannte Wurzelspitzenresektion nötig. Hierbei handelt es sich um einen kleinen operativen Eingriff, bei dem der Arzt ein Stück der Wurzelspitze und gegebenenfalls entzündetes Gewebe oder eine Zyste im Knochen entfernt. Dies ist die letzte Möglichkeit, um den erkrankten Zahn zu erhalten. Ist die Methode nicht erfolgreich, muss der Arzt den Zahn ziehen.

Hinweis: Die Krankenkassen übernehmen vielfach die Kosten einer Wurzelbehandlung nicht oder nur anteilsmäßig. Lassen Sie sich deshalb vor der Behandlung ausführlich beraten, welche Kosten auf Sie zukommen.


Unser Experte: Dr. Joachim Hüttmann, Zahnarzt

ZAEK-SH

Beratender Experte

Dr. Joachim Hüttmann arbeitet seit 1986 als niedergelassener Zahnarzt in Bad Segeberg. Nach einer Zahntechnikerlehre und dem Studium der Zahnmedizin promovierte er in dem Thema Parodontologie. Dr. Hüttmann ist Landesvorsitzender des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte und Chefredakteur der Verbandszeitschrift DFZ.


Quellen:

- Deutsche Zahnarztauskunft: Wurzelbehandlung. Online: http://www.deutsche-zahnarztauskunft.de/zahnaerzte/zahnbehandlungen/wurzelbehandlung/ (Abgerufen am 11.12.13)

- Deutsche Zahnarztauskunft: Wurzelspitzenresektion. Online: http://www.deutsche-zahnarztauskunft.de/?id=758870 (Abgerufen am 11.12.13)

- Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Patientenleitlinie Wurzelspitzenresektion. Online: http://www.dgzmk.de/uploads/media/Wurzelspitzenresektion_Patientenversion_lang.pdf (Abgerufen am 11.12.13)

- Kassenzahnäzrtliche Bundesvereinigung: Entzündung der Zahnwurzel. Online: http://www.kzbv.de/entzuendung-der-zahnwurzel.71.de.html (Abgerufen am 11.12.13)


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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