Zahnspange für Erwachsene? Das geht!

Auch Erwachsene können sich mit einer Zahnspange noch die Zähne richten lassen. Die Korrektur erfordert allerdings viel Geduld
von Simone Scheufler, 11.10.2016

Für ein ebenmäßiges Lächeln: Eine Zahnspange korrigiert Zahnfehlstellungen

iStock/beautyfullLotus, Thinkstock/iStockphoto

Ein ebenmäßiges Gebiss mit Zähnen, die gerade nebeneinanderstehen, ist nicht selbstverständlich, aber machbar – selbst wenn man dem Teenie-Alter schon seit Jahrzehnten entwachsen ist. Zudem hat das Tragen einer Zahnspange nicht nur bei der jungen Generation den Makel des Unperfekten längst verloren.

"Der Wunsch, Fehlstellungen noch im Erwachsenenalter korrigieren zu ­­lassen, wird häufiger geäußert", beob­achtet die Zahnärztin Dr. Sabine Köhler aus Aachen. "Oft ist das auch möglich. Außerdem haben viele Menschen heute ein größeres Bewusstsein für die Bedeutung gesunder, gepflegter Zähne."


Unauffällige Zahnspangen für Erwachsene

Sätze wie "Das wollte ich immer mal machen lassen" oder "Das gönne ich mir" hört man bisweilen aus erwachsenen Mündern, auf deren Zähnen Plättchen, sogenannte Brackets, kleben. Glänzen diese bei Heranwachsenden oft metallisch, so bevorzugen ältere Klammerträger meist die zahnfarbene und somit weniger auffällige Variante. Auch nahezu unsichtbare Drähte können dort durchgezogen werden.

Lässt man Brackets wie bei der Lingualtechnik innen an den Zähnen anbringen, bleiben sie beim Lächeln dem Gegenüber sogar komplett verborgen. Allerdings kann diese Technik anfangs beim Sprechen stören, bis man sich daran gewöhnt hat.

Korrigierte Zähne: Nicht nur schön, sondern auch gesund

Einfach schöne Zähne versprechen sich Erwachsene in erster Linie von der kieferorthopädischen Behandlung. Doch nicht nur das Aussehen profitiert, auch für die Gesundheit und den Erhalt der eigenen Zähne kann sie lang­­fristig von Vorteil sein.

"Stehen die Zähne optimal im Gebiss, funktioniert dieses auch so, wie es sollte. Ist beispielsweise die Position des Ober- und Unterkiefers zueinander nicht harmonisch, kann es zu Über­belas­tungen kommen", sagt Köhler und betont: "Außerdem klappt die Pflege der Zähne besser, wenn sich auch die Zwischenräume gut erreichen lassen." Das kann nicht nur Karies verhindern, sondern vor allem die bei ­Erwachsenen weit verbreitete Zahnfleischentzündung, Gingivitis genannt. Problematisch ist es, wenn bereits eine Entzündung des Zahnhalteapparats vorliegt. Dann besteht die Gefahr, dass sie durch die erwünschten Zahnbewegungen verstärkt wird. Das kann zum Verlust von Zähnen führen. Eine Entzündung des Zahnfleischs muss deshalb erst therapiert und ausgeheilt sein, bevor eine kieferorthopädische Behandlung überhaupt in Betracht gezogen wird.

Rauchen schadet dem Kieferknochen

"Bei Rauchern besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenabbau. Daher ist der Verzicht auf das Rauchen eine wesentliche Voraussetzung", sagt Professorin Angelika Stellzig-Eisenhauer, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg.


Professorin Angelika Stellzig-Eisenhauer ist Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg

W&B/Bert Bostelmann

Die Korrektur von Zahnfehlstellungen unterscheidet sich im Erwachsenen­­alter ansonsten kaum von der Behandlung der Teenie-Gebisse. Allerdings sind die Techniken zum Teil anders. Wurden beispielsweise Zähne durch Knochenabbau bereits geschwächt, werden geringere Kräfte angewandt, um sie risikoarm zu bewegen. "Dabei muss man sich an anderen Zähnen abstützen. Sind auch diese von Knochenschwund betroffen, kann es notwendig sein, auftretende Kräfte durch Spezialschräubchen im ­Knochen abzufangen", erklärt Angelika Stellzig-Eisenhauer.

Feste Spange bei einzelnen schlecht sitzenden Zähnen

In der Regel verwendet die Kiefer­orthopädin bei ihren Patienten eine fest sitzende Apparatur: "So kann ich gezielter bestimmte Zähne oder Zahngruppen bewegen als mit einer losen Spange oder mit Schienen." Eine feste Spange in Teilbereichen des Kiefers reicht häufig aus, wenn einzelne Zähne schief stehen. Manchmal wird auch nur ein Kiefer bearbeitet.

Bei Zahnlücken passiert es nach einiger Zeit, dass Nachbarzähne zuweilen "hineinkippen". Sie müssen dann erst wieder aufgerichtet werden, bevor ein Ersatz wie eine Brücke oder ein ­Implantat optimal eingepasst werden kann. Fachleute bezeichnen diese Ausgangslage als präprothetische Kieferorthopädie. "Unter Umständen lässt sich auch ­eine seitliche Lücke schließen, indem die hinteren Zähne nach vorne bewegt werden. Auf Zahnersatz kann man so verzichten", berichtet Stellzig-Eisenhauer.

Zahnkorrektur kann teuer werden

Die Kosten richten sich nach Dauer und Aufwand der Behandlung, dem verwendeten Material sowie der Nachsorge. Werden nur Teile des Kiefers behandelt, müssen Patienten mit mindestens 1000 Euro rechnen. Bei einer Komplettbehandlung, die zwei bis drei Jahre dauert, fallen mitunter Kosten von mehreren Tausend Euro oder mehr an. Erwachsene zahlen kieferorthopädische Therapien in der Regel selbst.

Das nicht von Natur aus perfekte Gebiss erfordert neben konsequenter Mitarbeit und Durchhaltevermögen auch Nehmerqualitäten: Etwa alle vier Wochen stehen Kontrollen beim Behandler an. Wenn die Spange nachjustiert wird, zieht, drückt und schmerzt es ein paar Tage danach an den Zähnen. Das ist normal, immerhin werden diese im Kiefer bewegt. Trägt man eine Spange, gestaltet sich die Mundhygiene ­außerdem zeitintensiver und aufwendiger. Nach jeder Mahlzeit sollten Essensreste gründlich entfernt werden.

Nach der Behandlung: Die Zähne dauerhaft stabilisieren

Am Ende der Behandlung sollte das ­Ergebnis dauerhaft stabilisiert werden, etwa durch einen von hinten auf die Zähne geklebten Draht, einen sogenannten Retainer, oder eine Schiene.

"Das Ergebnis zu erarbeiten ist das eine, es zu halten ist aber genauso wichtig. Das vergessen Behandler und Patienten oft", sagt Zahnärztin Sabine Köhler. Sie betreut auch Patienten, die bereits zum zweiten Mal eine Spange tragen. "Man muss sich klarmachen: Zähne haben sehr häufig die Tendenz, sich zu bewegen, aber in welchem Ausmaß, ist schlecht vorhersehbar."



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