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Zahnversiegelung: Wann ist sie sinnvoll?

Wer seine Zähne versiegeln lässt, kann Karies vorbeugen. Antworten auf die wichtigsten Fragen


Lassen Sie sich ausführlich über die Vor- und Nachteile beraten, bevor Sie eine Zahnversiegelung in Anspruch nehmen

Wer sein Gebiss kontrollieren lässt, bekommt vom Zahnarzt unter Umständen eine Zahnversiegelung empfohlen. Ist dies der Fall, sollten sich Patienten zunächst informieren, ob das Verfahren für sie wirklich infrage kommt.

Welchen Zweck hat die Zahnversiegelung?

Mit einer Zahnversiegelung lassen sich sogenannte Fissuren verschließen. Diese Vertiefungen, die wie Grübchen oder Furchen aussehen, entstehen vornehmlich an den Kauflächen der Backenzähne. „Fissuren können derart schmal sein, dass man sie mit der Zahnbürste nicht reinigen kann – eine ideale Brutstätte für Kariesbakterien“, erklärt Dr. Jan Gensler, Zahnarzt aus dem fränkischen Mellrichstadt. Der Grund: Jeden Tag bildet sich Zahnbelag. Wird er nicht gründlich entfernt, können sich darauf Bakterien ansiedeln. Handelt es sich um die Erreger der Karies, sondern die Keime Säuren ab, die mit der Zeit den Zahn zerstören. Folglich kann eine Zahnversiegelung Karies vorbeugen – jedenfalls innerhalb der Fissuren.


Wann ist das Verfahren sinnvoll, wann eher nicht?

Besonders kariesgefährdet sind die großen Backenzähne unmittelbar nach dem Zahndurchbruch. „Daher empfiehlt es sich, diese Zähne innerhalb weniger Monate, nachdem sie vollständig in die Mundhöhle durchgebrochen sind, zu versiegeln“, sagt Gensler. Auch Dr. Sabine Köhler, Vorsitzende des Medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte (MDZ), weist daraufhin, dass „eine Zahnversiegelung nur präventiv wirkt, eine bestehende Karies lässt sich damit nicht stoppen“. Für Kinder und Jugendliche ist das Verfahren folglich sinnvoll, solange sie noch „gesunde“ Zähne haben. Hat der Zahnarzt bereits erste Anzeichen einer oberflächlichen Karies entdeckt, kommt eine Versiegelung infrage, wenn der Arzt die kariösen Bereiche vorher gründlich entfernt hat.

Manche Zahnärzte versiegeln die Milchzähne. Experten diskutieren den Nutzen jedoch kontrovers. Gensler hält dies meist nicht für nötig: „Erstens weisen die Milchzähne deutlich flachere Fissuren auf und lassen sich besser reinigen. Zweitens entsteht die Milchzahnkaries meist in den Zahnzwischenräumen und nicht an den Kauflächen.“ Erwachsenen wird ebenfalls hin und wieder eine Versiegelung empfohlen. Zahnärztin Köhler sieht dies kritisch: „Hat ein Erwachsener keine Karies, halte ich das Verfahren in den meisten Fällen für überflüssig.“ Denn der Betreffende habe offensichtlich nur ein geringes Kariesrisiko. Es sei unwahrscheinlich, dass die Karies auf der Kaufläche später noch auftrete – wenn, dann eher in den Zahnzwischenräumen. „Ist eine Fissur schon seit vielen Jahren frei von Karies, wird sie dies vermutlich auch bleiben“, meint auch Gensler. Zähne, die bereits eine Füllung enthalten, sollten nicht mehr versiegelt werden.

Welche Kosten fallen an?

Kinder und Jugendliche bekommen eine Zahnversiegelung bis zum 18. Lebensjahr von den gesetzlichen Kassen erstattet. Dies gilt jedoch nur für die bleibenden großen Backenzähne. Verschließt der Zahnarzt Fissuren an den Milchzähnen oder den kleineren Backenzähnen, müssen Patienten die Behandlung selbst zahlen. Laut Expertin Köhler fallen pro Zahn zwischen 15 und 25 Euro an.

Wie läuft die Zahnversiegelung ab?

Zunächst muss der Zahnarzt die Stelle, die er versiegeln möchte, gründlich reinigen. Das geschieht meistens mit einem Pulverstrahlgerät. Anschließend raut er den Bereich mit einem säurehaltigen Gel auf, damit das Versiegelungsmaterial gut an der Zahnoberfläche haftet. Nachdem der Zahn getrocknet ist, trägt der Zahnarzt das Material auf, härtet es mit einer speziellen Lampe aus und poliert die Oberfläche. Spürt der Patient beim Zusammenbeißen unebene Stellen, werden diese abgetragen.

Wie lange hält die Versiegelung?

„Moderne Materialien halten mindestens zehn bis 15 Jahre“, so Köhler. Vorausgesetzt, der Zahnarzt konnte die Behandlung ordnungsgemäß vornehmen, was bei unkooperativen Kindern bisweilen schwierig sei, meint die Expertin. Auch Zahnarzt Gensler weiß aus eigener Erfahrung, dass er nur selten Zähne erneut versiegeln muss.

Gibt es Risiken?

Manche Menschen können auf das säurehaltige Gel sensibel reagieren, das der Zahnarzt vor der Versiegelung kurz anwendet. Kritiker behaupten, aus dem Kunststoffmaterial würde giftiges Formaldehyd austreten. „Minimale Mengen der Substanz können freigesetzt werden, wenn das Material abbindet“, sagt Köhler. Doch beim Polieren entferne der Zahnarzt solche möglichen Rückstände. „Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen sind die bei der Versiegelung freiwerdenden Formaldehydmengen verschwindend gering und bedeuten keine gesundheitliche Gefährdung“, beruhigt die Zahnärztin.

Wichtig: Eine Zahnversiegelung kann Karies nur an den Vertiefungen vorbeugen, die durch das Verfahren verschlossen werden. Es senkt nicht generell das Risiko für die Zahnkrankheit. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch Karies bekommt, hängt von der Ernährung, der Zahnpflege und der Keimbesiedelung im Mund ab“, betont Köhler. Versiegelte Zähne ersetzen keinesfalls die tägliche Zahnpflege!


Unsere Experten:

Dr. Jan Gensler, Zahnarzt aus Mellrichstadt


Dr. Sabine Köhler, Zahnärztin und Vorsitzende des Medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte (MDZ)




Bildnachweis: W&B/Privat, F1online/Image Source

Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 10.04.2012, aktualisiert am 02.04.2014
Bildnachweis: W&B/Privat, F1online/Image Source

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