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Zahnschmerzen: Wenn Süßes wehtut

Frei liegende Zahnhälse können können die Ursachen für Zahnschmerzen sein. Dadurch gelangen Reize direkt an den Nerv. So beugen Sie vor


Bunt und süß: Gesund für die Zähne ist dieser Lolli ganz bestimmt nicht

Die Sonne sticht vom Himmel, die Luft flirrt vor Hitze – jetzt ein Eis! Doch kaum hat man genussvoll daran geleckt, fährt einem schon der Schmerz wie ein Blitz in den Zahn. Die Freude ist dahin – Frust statt Sommerlust. Besonders ältere Menschen erleben das häufig. „Die  Zähne weisen im höheren Alter oft eine Parodontitis auf. Das Zahnfleisch hat sich zurückgezogen, Knochen wurde teilweise abgebaut, die Zahnhälse liegen frei“, erklärt Dr. Dietmar Oester­reich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Zu viel Druck beim Putzen

Unsere Zähne bestehen zum größten Teil aus Dentin. Dieses knochenähnliche Gewebe ist durchzogen von unzähligen feinen Kanälen, die Reize an den Zahnnerv weiterleiten. Der sichtbare Teil eines Zahns ist außerdem von einer sogenannten Schmelzschicht um­mantelt, die das empfindliche Dentin schützt und dem Zahn die nötige Härte für das Kauen verleiht. Der normalerweise unsichtbare Teil eines Zahns wird dagegen durch Zahnfleisch und Knochen vor äußeren Einflüssen geschützt. Zieht sich aber beides zurück oder wird der Schmelz am Grenzbereich abgetragen, liegt das Dentin frei. Süße, saure, heiße oder kalte Speisen und Getränke lösen dann chemi­­sche, mechanische und Temperatur-Reize aus. Diese werden über die Dentinkanälchen an die Nerven­fasern weitergeleitet und verursachen dort den Schmerz.


Für den Rückzug des Zahnfleischs gibt es mehrere mögliche Ursachen. Häufig führt eine falsche Putztechnik zu Schäden. „Die meisten Menschen schrubben beim Putzen und üben zu hohen Druck aus“, sagt Dr. Lutz Laurisch, Zahnarzt aus Korschenbroich. Ideal sei eine Technik, bei der man ausschließlich von Rot nach Weiß putzt. Dabei könne das Zahnfleisch nicht nennenswert geschädigt werden.

Zurückhaltung sei auch bei Zahnweißcremes angebracht: Anfangs würden Verfärbungen durch Tee, Kaffee, Rotwein oder andere Nahrungsbestandteile gut entfernt. „Das sorgt zunächst für ein Erfolgserlebnis. Werden die Cremes dann weiter täglich angewendet, ist der Erfolg plötzlich weg. Die Leute beginnen stärker zu schrubben und schädigen so das Zahnfleisch“, erläutert Laurisch. Zudem enthal­ten Zahnweiß­präparate häufig einen hohen Anteil an Schleifmitteln, die den dünnen Schmelz am Zahnhals abtragen.

Fatales Knirschen

Wer über den Tag verteilt oft säurehaltige Speisen und Getränke wie Cola oder Säfte zu sich nimmt, schädigt den Schmelz zusätzlich. „Durch die Säuren werden dem Zahnhals Mineralien entzogen. Und wo die Schmelzschicht am dünnsten ist, wird sie durchlässig“, erklärt Laurisch. Je kürzer die Abstände zwischen den Mahlzeiten sind, desto weniger Zeit bleibt den Zähnen, den Mineralverlust wieder auszugleichen.


Schließlich haben auch „Knirscher“ häufig überempfindliche Zahnhälse: Durch unbewusstes Knirschen (Bruxismus) lockern sich die Zähne und drücken immer wieder gegen das Zahnfleisch, das sich dann allmählich zurückzieht. Ein großes Problem ist, dass Betroffene ihre empfindlichen Zähne aufgrund der Schmerzen oft nicht mehr gründlich pflegen. „Dadurch lagern sich vermehrt Beläge am Dentin an, und es kann sich leichter eine Wurzelkaries und schließlich eine chronische Parodontitis entwickeln“, warnt Lutz Laurisch.

Poren versiegeln

Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine gründliche Untersuchung beim Zahnarzt unerlässlich. Er kann die genaue Ursache feststellen und die betroffenen Stellen versiegeln. Spezielle Pasten sollen mit winzigen Partikeln die feinen Dentinporen verschließen und so die Empfindlichkeit verringern. Alternativ können die empfindlichen Stellen angeraut und mit einem klaren Lack auf Kunststoffbasis versiegelt werden.

Mancher Zahnarzt nutzt die antibakterielle Wirkung von Ozon, bevor er den Fluoridlack aufträgt. Größere Defekte, die typischerweise keilförmig aussehen, können mit Composite-Füllungen verschlossen werden. Schäden am Zahnfleisch lassen sich in manchen Fällen durch parodontal-chirurgische Eingriffe beheben.

Vorbeugen mit Fluorid

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte täglich eine konsequente und korrekte Zahnpflege auf dem Plan stehen. Wer bereits eine leichte Empfindlichkeit verspürt, greift besser auf weiche Zahnbürsten und spezielle Sensitiv-Zahncremes zurück. Wichtig ist, dass die Produkte fluoridhaltig sind. Der Wirkstoff Aminfluorid hat sich als besonders wirksam erwiesen. So gewährleistet eine optimale Zahnpflege auch einen ungetrübten Genuss beim Eis­schlecken.

 


Sensibelchen Zahn

Wenn der Schmelz im Bereich des Zahnhalses abgetragen ist und sich vielleicht auch das Zahnfleisch zurückgezogen hat, liegt das Dentin frei. Dann können Reize über die Dentinkanälchen zu den Nerven gelangen und Schmerzen auslösen.



Christian Krumm / Apotheken Umschau; 01.08.2011, aktualisiert am 01.08.2011
Bildnachweis: W&B/Szczesny/bearb. Jörg Neisel, iStock/okanmetin

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