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Zahnprothesen: So reinigen Sie „die Dritten“

Auch Zahnersatz will gründlich gepflegt werden. Was Sie über Prothesenbürsten, Haftcremes und Reinigungsutensilien wissen sollten


Wie bekommen Sie die Dritten am besten sauber? Das erfahren Sie im Text!

Wer eine Zahnprothese trägt, braucht sich nicht mehr die Zähne zu putzen? Von wegen! Es stimmt zwar, dass sich am künstlichen Gebiss keine Karies entwickeln kann. Doch Pflege braucht der Zahnersatz trotzdem. Sonst bleiben – genau wie bei „echten“ Zähnen auch – Beläge aus Bakterien und Essensresten an der Oberfläche kleben.

Diese Beläge können, bedingt durch die Aktivität der Bakterien, erstens üblen Mundgeruch verursachen. Zweitens bewirken die Keime, dass sich unter Umständen das Zahnfleisch oder die Mundschleimhaut entzündet. Drittens steigt, für eventuell noch vorhandene Zähne, das Risiko für Karies und Zahnbettentzündungen (Parodontitis) deutlich an.


Deshalb starten Sie am besten gleich eine kleine „Putzaktion“. Nehmen Sie dazu die Kunstzähne heraus. Im Mund lassen gilt nicht, denn da können Sie die Unterseite der Prothese nicht richtig reinigen. Lassen Sie etwas Wasser in das Waschbecken ein oder legen es mit einem kleinen Handtuch aus. Fällt der Zahnersatz aus Versehen herunter, geht er so nicht zu Bruch.

Um „die Dritten“ zu putzen, verwenden Sie entweder eine normale Zahnbürste oder eine spezielle Prothesenbürste. „Prothesenbürsten haben den Vorteil, dass sie von der Form her dem Zahnersatz angepasst sind und mehr Druck aushalten“, sagt Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Das heißt, Sie gelangen mit den speziellen Bürsten auch an schwierig zu reinigende Stellen. Zudem können Sie das Gebiss effektiver säubern, da diese Bürsten mit eher harten Borsten bestückt sind. Eine weiche Zahnbürste gibt zu sehr nach und nützt sich schnell ab. Aber: Eine Prothesenbürste eignet sich nur für den Zahnersatz! Für die „Echten“ brauchen Sie nach wie vor eine normale Zahnbürste.

Welches „Putzmittel“ Sie einsetzen, dafür existieren die verschiedensten Empfehlungen. Die einen sagen, Zahnpasta sei das einzig Wahre. Die anderen behaupten, Zahnpasta richte die Prothese zugrunde. Geschirrspülmittel eigne sich viel besser. Was stimmt nun? „Zahnpasta ist relativ teuer, enthält Fluoride und Putzkörperanteile, die für den Zahnersatz nicht unbedingt von Vorteil sind“, rät Zahnarzt Oesterreich. Er empfiehlt, die Dritten mit flüssiger Handseife oder nur mit handwarmen Wasser zu säubern. Haushaltsreiniger, Scheuer- oder Geschirrspülmittel haben auf dem Kunstgebiss allerdings nichts zu suchen. „Dasselbe gilt für Entkalker“, warnt der Zahnarzt aus Stavenhagen. Kochend heißes Wasser, Essig oder Zitronensäure greifen den Kunststoff an, anstatt das Gebiss zu entkalken.

Wichtig ist, dass Sie den Zahnersatz nach dem Reinigen gründlich mit Wasser abwaschen. Damit beseitigen Sie Seifenreste. Putzen Sie die Prothese am besten nach jeder Mahlzeit, mindestens jedoch zweimal täglich – ganz wie die echten Zähne. Sind Sie unterwegs, spülen Sie die Kunstzähne gründlich unter fließendem Wasser ab.

Zusätzlich können Sie die Prothese in Wasser legen und eine spezielle Reinigungstablette dazugeben. „Diese Mittel sollen Bakterien beseitigen und hartnäckige Beläge lösen“, berichtet Oesterreich. Sie ersetzen aber nicht die normale Pflege mit einer Zahn- oder Prothesenbürste.

Tragen Sie eine Totalprothese im Mund, festigen Sie diese vielleicht mit einem Haftmittel. Trifft das zu, dann achten Sie genau darauf, dass Sie die Haftcreme bei jeder Reinigung vollständig von den Kunstzähnen entfernen. „Sonst kleben Speisereste am Haftmittel, was wiederum das Wachstum von Bakterien begünstigt“, gibt der Zahnarzt zu Bedenken. Mehr Haftmittel bringt übrigens nicht mehr. Im Gegenteil. Eine dicke Schicht aus Paste, Puder oder Gel hält das Gebiss nicht besser, lässt sich dafür aber schwieriger von diesem beseitigen.

Was gibt es sonst noch zu beachten? „Eine Prothese übt bei jeder Kaubewegung einen gewissen Druck auf die Mundschleimhaut aus“, sagt der Zahnexperte. Dadurch wird die Mundschleimhaut empfindlicher und kann sich eher entzünden. Massieren Sie deshalb das Zahnfleisch einmal täglich mit einer weichen, angefeuchteten Zahnbürste. Das regt die Durchblutung an, beseitigt Speisereste und unerwünschte Keime. Verspüren Sie Schmerzen oder bemerken, dass das Zahnfleisch angeschwollen, gerötet oder anders verfärbt ist beziehungsweise sich die Oberfläche verändert, sollten Sie unbedingt zum Zahnarzt gehen. Generell empfielt Oesterreich auch Patienten mit teilweise oder vollständig herausnehmbarem Zahnersatz regelmäßig zur Kontrolle beim Zahnarzt zu gehen.



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 31.05.2010, aktualisiert am 19.09.2011
Bildnachweis: iStock/powershot

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