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Zahnimplantat oder Brücke, was ist besser?

Viele Zahnärzte empfehlen Zahnimplantate. Doch bringt die teure Variante gegenüber der Brücke überhaupt einen Vorteil?

Frau mit schönen Zähnen

Zu einem strahlenden Lächeln gehört eine komplette Zahnreihe

Hockeyschläger, Garagentor und Fahrradlenker – so heißen die gemeinen Feinde des Schneidezahns. Aber häufig sind auch Karies und Bakterien für den Total-Verlust eines Beißerchens verantwortlich. Die entstandene Lücke zu schließen ist für Zahnärzte heutzutage kaum noch ein Problem. Es gibt mehrere Formen des Ersatzes: Brücke, Implantat oder herausnehmbare Prothese.

 

Doch was ist die beste Lösung? Wirklich die teuren Implantate, wie viele Zahnärzte es ihren Patienten empfehlen? In diesem Fall setzt der Zahnarzt einen Titanstab in den Kiefer ein. Darauf schraubt er den Kronenaufbau und verankert den sichtbaren Zahnersatz. Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wissenschaft im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln haben nun nach Vorteilen des Implantats gegenüber eines konventionellen Zahnersatzes gesucht. Dazu zählt die Brücke, ein Zahnersatz – der an noch vorhandenen Zähnen befestigt wird – oder eine herausnehmbare Prothese.

 


Die Forscher des IQWiG betrachteten den speziellen Fall der verkürzten Zahnreihe, also fehlende Zähne am Ende des oberen oder unteren Kiefers. Den Nutzen machten die Wissenschaftler an vier Zielgrößen fest: Mundgesundheit, Haltbarkeit, Kaueffektivität und Ernährung.

 

Die Mediziner konnten keinen eindeutigen Vorteil des Implantates gegenüber der Brücke oder der Prothese feststellen. Allerdings ist die Durchführung einer derartigen Studie schwierig. Die Patienten wissen, ob sie ein Implantat oder einen anderen Ersatz tragen, also ist eine "Verblindung" (um neutral zu urteilen, sollen Patienten eigentlich nicht wissen, welche Zahnversorgung sie bekommen) nicht möglich. Trotzdem empfiehlt das Institut dringend weitere klinische Vergleiche der Methoden anzustellen.

 

Dr. Jean-Marc Pho Duc, Zahnarzt und Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Ludwig Maximilians Universität München, klärt über Implantate und Brücken auf.

 

Wann ist ein Implantat besser und wann eine Alternative?

Jeder Fall ist unterschiedlich. Oft ist die Brücke die kostengünstigere Variante. Aber man darf nicht vergessen, dass für die Befestigung mindestens zwei nebenstehende wohlmöglich gesunde Zähne bearbeitet werden müssen. Außerdem ist diese Variante nicht immer möglich. Wenn der hinterste Zahn des Kiefers fehlt, ist es sehr schwer eine Brücke zu befestigen. Auf dem Zahnersatz lastet in diesem Fall eine starke Hebelwirkung. In diesem Fall kann ein Implantat eine feste Brückenversorgung ermöglichen und die herausnehmbare Prothese vermeiden. Voraussetzung ist jedoch ein ausreichendes Knochenangebot und keine schwerwiegenden gesundheitlichen Kontraindikationen.

 

Muss ein Zahn überhaupt ersetzt werden?

Jeder Zahn braucht eine Abstützung. Sonst wächst er langsam aber stetig weiter. Wenn nur der obere oder untere Zahn fehlt, dann ist ein Ersatz in der Regel nötig. Alle Zähne, die nach dem Fünften kommen, müssen oft nicht zwangsläufig ersetzt werden. Die Kauleistung ist meistens noch groß genug. Wenn der Patient allerdings eine verstärkte Kaumuskelaktivität zeigt, sei es durch Knirschen oder Pressen, dann sollte der Verlust immer ersetzt werden, um Folgeerkrankungen des Kausystems zu verhindern.

 

Stimmt es, dass sich der Kiefer mit einer Brücke leichter abbaut als mit einem Implantat?

Wenn der Knochen keinen Impuls erhält, dann kann es passieren, dass er sich schneller abbaut. Dadurch, dass das Implantat Kräfte in den Knochen einleitet, wird dieser funktionell beansprucht beansprucht. Das kann dem Abbau entgegenwirken.

 

Wann empfehlen Sie eine Prothese?

Ein Implantat muss äußerst sorgfältig gepflegt werden. Die Barriere gegenüber der Mundhöhle ist nicht so gut wie bei den natürlichen Zähnen, Keime und Bakterien haben ein leichteres Spiel. Eine ungenügende Mundpflege kann leicht zum Verlust des Implantates führen. Wenn ein Patient dazu nicht mehr in der Lage ist – zum Beispiel auf Grund seines Alters oder seiner motorischen Fähigkeiten – dann ist eine herausnehmbare Alternative sicherlich sinnvoll.

 

Sind Zahnbrücken immer noch eine gute Variante?

Brücken stellen nach wie vor die Standardversorgung bei zahnbegrenzten Lücken dar. Sie haben sich über lange Zeit sehr gut bewährt.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 30.09.2009
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