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Zahnersatz im Lauf der Jahrtausende

Mit Zahnprothetik beschäftigen sich die Menschen schon mindestens einige tausend Jahre.

Bereits im Altertum bauten sich Menschen Prothesen aus Kunst- oder Echtzähnen. Die Etrusker (ca. 800 bis 100 v. Chr.) etwa verwendeten Zahnersatzstücke, die sie mit Golddraht an den gesunden Nachbarzähnen befestigten (siehe links).

 

Die Maya nutzten Prothesen aus Muschelschalen, Metall oder Halbedelsteinen und „implantierten“ diese auch direkt in leere Wurzeltaschen, wie Grabfunde dokumentieren. Vermutlich ließ sich mit solchen Prothesen nicht gut kauen, doch offenbar legten die Menschen schon damals Wert auf die Ästhetik der Zähne



Vom Mittelalter bis etwa zum 17. Jahrhundert gab es keine wesentlichen Fortschritte: Die Zahnheilkunde – sofern als solche zu bezeichnen – beschränkte sich auf das Ziehen maroder Zähne. Ersetzt wurden diese normalerweise nicht. Prothesen waren primitiv und allenfalls für Reiche erschwinglich.


Krankengeschichten aus früheren Zeiten zeigen, wie leidensfähig die Menschen waren: Ludwig XIV. (1638 bis 1715, links) soll zuletzt gar keine Zähne mehr gehabt haben. Ärzte hatten dem französischen „Sonnenkönig“ alle gezogen – ohne Betäubung. Dabei brach sein Kiefer, und eine Fistel zur Nasenhöhle entstand. Derartig Malträtierte konnten nur noch Flüssignahrung zu sich nehmen. Der erste US-Präsident George Washington (1732 bis 1799) war ebenfalls zahnlos, allerdings bereits mit einem Gebiss aus Elfenbein versorgt. Solche Prothesen saßen unbequem und eigneten sich kaum, um damit zu essen.

 


Erst das Industriezeitalter brachte segensreiche Neuerungen. Mit der Einführung von Narkosetechniken Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich Eingriffe schmerzfrei durchführen. Die industrielle Verarbeitung von Kautschuk ermöglichte es, gut sitzende Prothesen herzustellen.


In den vergangenen 90 Jahren entstand die moderne Zahnmedizin und Zahnprothetik. Seit 1920 benötigen Zahnärzte in Deutschland eine Ausbildung. Fundierte Erkenntnisse in der Kieferchirurgie erwarben Mediziner durch die schrecklichen Verletzungen in den beiden Weltkriegen. In den 30er-Jahren wurde der Kunststoff Polymethylmethacrylat entwickelt,aus dem Vollprothesen bis heute hergestellt werden. Die Einpassung mithilfe der Computertechnik ermöglicht seit einigen Jahren den Einsatz hochwertiger Materialien, beispielsweise Zirkoniumoxid.



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Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau; 17.08.2009, aktualisiert am 03.03.2011

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