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Zahnersatz:
Modernes altes Prinzip mit stolzem Preis

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei einem Implantat in der Regel nur den Preis, den eine Brücke oder herausnehmbare Prothese kosten würde

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Implantologie zu einem boomenden Bereich der Zahnheilkunde entwickelt. Das Prinzip der Methode besteht darin, künstliche Wurzeln im Kiefer zu verankern, auf die der Zahnersatz montiert wird. Die Idee ist alt – schon die Maya wandten sie in primitiver Form an. Doch moderne Techniken und Materialien haben in den vergangenen Jahrzehnten Möglichkeiten des Zahnersatzes geschaffen, die sowohl in ihrer Ästhetik als auch in ihrer Funktion die „Echten“ kaum vermissen lassen.

 

Entsprechenden Zuspruch erfährt die Methode. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund eine Million Implantate gesetzt, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Implantologie. Und das, obwohl die Hightech-Prothetik einen gewaltigen Haken aufweist: Sie ist teuer und muss in der Regel vom Patienten weitgehend selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in geringem Umfang.


„Dem Versicherten steht der Anteil der Regelversorgung zu“, erläutert Tobias Pahl von der Techniker Krankenkasse. Den Betrag also, den eine Brücke oder herausnehmbare Prothese kosten würde, zahlt die Kasse. Doch das ist meist nur etwa ein Zehntel der Summe. Bei der Versorgung mit Implantaten können leicht einige Tausend Euro zusammenkommen. „Zu viel, um es auf die Solidargemeinschaft zu verteilen“, argumentiert Pahl.

 

Viele Zahnärzte – für die die Implantologie somit ein freier und einträglicher Markt ist – betonen hingegen, dass der große Nutzen für den Patienten den hohen Preis aufwiege. So sollen Implantate länger halten als herkömmlicher Zahnersatz. Da die Stifte aus Titan eine feste Verbindung mit dem Knochen eingehen, gelten die Konstruktionen als unverwüstlich – vorausgesetzt, sie sind korrekt eingebaut.

 

Doch wenn der Kiefer Stabilität einbüßt, verlieren auch die Implantate ihren Halt. Parodontale Erkrankungen verschonen somit auch die teuren Prothesen nicht. Die jüngere Erfahrung auf dem Gebiet zeigt, dass nach zehn Jahren gut zehn Prozent der gesetzten Implantate verloren gegangen sind. Damit ist ihre Schwundrate nicht geringer als die herkömmlicher Brücken.


Ein unzweifelhafter Vorteil des eingedübelten Zahnersatzes ist allerdings, dass die benachbarten Zähne nicht beschädigt werden. Bei einer Brückenkonstruktion dagegen muss der Zahnarzt von diesen tragenden Pfeilern bis zu 70 Prozent abschleifen. „Das macht man bei einem gesunden Zahn nicht gerne“, sagt Professor Alfons Hüls, Direktor der Abteilung für Zahnprothetik am Universitätsklinikum Göttingen. Denn nachweislich ist die verbleibende Lebensdauer der verbauten Stümpfe vermindert. Daher raten Experten zu Implantaten, wenn es gilt, eine Einzellücke in einem sonst gesunden Gebiss zu versorgen, wie bei Vanessa Elbe.



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Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau; 17.08.2009, aktualisiert am 03.03.2011

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