Im vergangenen Jahr – nachdem ihr Kiefer ausgewachsen war – entschied sich Vanessa Elbe, die Lücke mit zwei Implantaten schließen zu lassen. „Für eine Brücke hätten wir vier gesunde Zähne beschädigen müssen“, führt Alfons Hüls an, der die aufwendige Behandlung leitete. Zunächst war es nötig, den Oberkiefer von Vanessa Elbe zu verstärken, denn nach der Verletzung war nicht genug Knochensubstanz da, um die Implantate zu tragen.
Typischerweise ist eine solche „Augmentation“ eher bei Senioren nötig, wenn altersbedingter Knochenabbau den Kiefer geschwächt hat. Gesichtschirurgen verfügen über verschiedene Techniken, um das nötige knöcherne Fundament aufzubauen. Bei Vanessa Elbe nahmen die Operateure Späne aus ihrem Unterkiefer.
Nachdem die künstlichen Wurzeln schließlich in ihrem Kiefer versenkt worden waren, mussten sie noch einige Monate einheilen. „Bei stabilen Knochenverhältnissen kann man die Implantate sofort belasten“, sagt Alfons Hüls. Dennoch sieht der Experte mit Skepsis, dass manche niedergelassenen Kollegen mit der schnellen Versorgung werben. „Man muss immer die individuelle Situation beurteilen, sollte die Schnellbelastung also nicht pauschal anbieten.“ Der Kölner Fachmann Niedermeier bevorzugt ohnehin das langsame Vorgehen: „Damit hat man nachweislich weniger Komplikationen.“
Anfang dieses Jahres passte Alfons Hüls Vanessa Elbe die sogenannte Suprakonstruktion an: in ihrem Fall zwei Schneidezahn-Kronen, die auf den Implantaten fixiert wurden. Die „Verwandlung“ ist weitreichend. Denn der Defekt im Gebiss hatte sich bereits zu einem schwerwiegenden Hemmnis entwickelt. „Es gibt kein altes Foto von mir, auf dem ich lache“, berichtet die junge Frau.
Gerade im sichtbaren Bereich des Mundes besticht die Ästhetik der Implantate. Anders als bei einer Brückenprothese treten die künstlichen Zähne auf natürliche Weise aus dem Zahnfleisch. Ein weiterer, psychologischer Pluspunkt der Technik ist das Gefühl der Träger, echte Zähne im Mund zu haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass Patienten mit festsitzendem Zahnersatz deutlich zufriedener sind als mit herausnehmbarem. Implantate können helfen, den Einsatz solcher Teil- oder Vollprothesen zu umgehen.
So wie bei Paul Staeck, dessen untere Zahnreihe mit einer Brücke nicht mehr zu schließen gewesen wäre. Seine Suprakonstruktion besteht aus Einzelkronen und Brücken, die Wilhelm Niedermeier auf die künstlichen Pfeiler montiert hat. Regelmäßig muss der Rentner nun zur Kontrolle. „Penible Pflege und Nachsorge sind entscheidende Voraussetzungen, um Komplikationen vorzubeugen“, betont Niedermeier. Diese bestehen in einer Entzündung des Implantatlagers, was zum Verlust des Zahnersatzes führen kann.
Schon vor der Implantation muss der Behandler Erkrankungen des Zahnhalteapparats beseitigen und der Patient eine gewissenhafte Mundhygiene betreiben. Bei älteren Patienten ist beides häufig nicht ohne Weiteres möglich. Auch Krankheiten wie Osteoporose oder bestimmte Blutgerinnungsstörungen gilt es im Vorfeld abzuklären, da sie die Therapie komplizieren oder sogar ausschließen können.
„Die meisten Kandidaten aber können nach guter Vorbereitung ein Implantat bekommen“, berichtet Alfons Hüls. Allerdings räumt er ein, dass im Alter die häufig nachlassende Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen, für Implantatträger ein besonderes Problem darstellen kann. Daher strebe man bei Senioren eine einfache Versorgung an. So lassen sich herausnehmbare Vollprothesen auf nur zwei Implantaten wesentlich besser stabilisieren als mit der herkömmlichen Auflage (s. Serie "Zahnersatz", Teil 2).
Vergleichsweise kostspielig sind aber auch solche einfachen Varianten. Pro gesetztem Implantat muss der Patient mit etwa 2000 Euro rechnen. Konstruktionen wie die in Paul Staecks Mund erreichen leicht das Preisniveau eines Neuwagens. Der ehemalige Rohrleitungs-Ingenieur hat alles selbst bezahlt, bereut die Ausgabe aber nicht: „Andere machen teure Urlaube, für mich ist das schöne neue Gebiss ein Gewinn an Lebensqualität.“
Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau; 17.08.2009, aktualisiert am 03.03.2011
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