Was eine gute elektrische Zahnbürste ausmacht

Oszillierende, Schall- oder gar Ultraschallzahnbürsten: Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, die Zähne zu säubern. Ein Experte erklärt die Unterschiede
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 14.10.2016

Sauber: Der Kopf einer Schallzahnbürste schwingt bis zu 40.000 mal pro Minute

Mauritius/Alamy/Peter Widmann

Dass elektrische Zahnbürsten die Zähne in der gleichen Zeit sauberer putzen als herkömmliche Zahnbürsten, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Nach drei Monaten hatten Studienteilnehmer sowohl weniger Bakterienbeläge als auch eine geringere Entzündung des Zahnfleischs. Solche Tests wurden mit klassischen E-Zahnbürsten genauso durchgeführt wie mit Schall- und Ultraschallzahnbürsten.

Die Auswahl an Modellen ist groß. Deswegen zunächst einmal eine Unterscheidung der verschiedenen Technologien:

Imago Stock/JuNiArt

Klassische E-Zahnbürsten haben einen runden Kopf, der pro Minute in etwa 5.000 mal hin und her rotiert. Fachleute nennen das Oszillieren.

Zusätzlich klopfen einige dieser Modelle auch auf den Zahn, um Beläge zu lösen, die Hersteller sprechen dabei von Pulsieren.

Imago Stock/Westend61

Sogenannte Schallzahnbürsten haben wie klassische Handzahnbürsten einen länglichen Kopf. Bei ihnen bringt Schall den Kopf sehr schnell zum Schwingen, ungefähr 30.000 bis 40.000 mal in der Minute.

Noch schneller sind Ultraschallzahnbürsten, die minütlich bis zu 192.000.000 mal schwingen.

Für Professor Stefan Zimmer vom Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke ist die Schnelligkeit der Schwingungen jedoch nicht ausschlaggebend, was die Reinigungskraft angeht. Aus seiner Sicht gibt es wichtigere Kriterien. Hier die Antworten zu weiteren Aspekten:

Ist eine besondere Putztechnik nötig?

Schallzahnbürsten können ähnlich eingesetzt werden wie Handzahnbürsten. Um eine oszillierende Bürste effektiv anzuwenden, ist allerdings eine besondere Technik notwendig. Zimmer führt aus: "Mit einer oszillierneden Bürste muss man Zahn für Zahn reinigen: am Zahnfleischrand mit der kleinen Bürste entlang gehen und in jeden Zahnzwischenraum hineinschwenken, damit man ihn gut reinigt." Diese Technik hat die professionelle Zahnreinigung durch dentalhygienische Fachkräfte zum Vorbild. Falls man gar nicht mit der runden oszillierenden Bürste zurechtkommt, gibt es dafür auch Aufsätze mit konventionell geformten schwingenden Köpfen.

Wie angenehm sind die Bürsten?

Welche Zahnbürste sich angenehmer anfühlt, muss jeder für sich selbst entscheiden. "Ich selbst bin ein Anhänger von Schallzahnbürsten", sagt Zahnmediziner Stefan Zimmer meint. "Sie haben aber den kleinen Nachteil, dass sie anfangs kitzeln, wenn man die hochfrequente Bewegung am Gaumen nicht gewöhnt ist." Daran gewöhne man sich aber schnell. Trotz des Namens sind Schallzahnbürsten etwas leiser als oszillierende Bürsten, die zusätzlich pulsieren, um hartnäckige Beläge zu entfernen.

Schonen die Bürsten das Zahnfleisch?

"Manche Zahnärzte sagen, oszillierende Bürsten seien aggressiver zum Zahnfleisch als andere Bürsten", sagt Zimmer. "Das trifft meiner Meinung nach nur zu, wenn man sie grob falsch anwendet." Im Normalbetrieb seien alle Arten von elektrischen Zahnbürsten Zahnfleisch-freundlich.

Erreichen die Bürsten alle Zähne?

Je nach Platzverhältnissen im Mund ist es unter Umständen schwierig, mit der Zahnbürste an die hintersten Zähne zu kommen. Vor allem bei vorhandenen Weisheitszähnen kann das Putzen Probleme bereiten. In solchen Fällen haben oszillierende Bürsten aufgrund des kleineren Kopfs Vorteile.

Wie lang muss man putzen?

Das hängt von mehreren Faktoren ab. Zum Beispiel spielen der Zustand des Gebisses und die eigene Geschicklichkeit eine Rolle. Zahnmediziner Zimmer empfiehlt seinen Patienten deshalb, folgende Prozedur auszuprobieren, um für sich selbst die individuell nötige Zeit zu ermitteln: zuerst Plaque-Färbetabletten besorgen, zum Beispiel in der Apotheke, damit alle Plaques anfärben. Dann mit der Stoppuhr in der Hand so lange putzen, bis die Farbe weg ist. Zur Sicherheit anschließend nochmal färben und nachsehen, ob man wirklich alle Plaques erwischt hat. Gegebenenfalls nachputzen und die Zeit dazuzählen.

Nützt ein einstellbarer Timer?

Wie bei allen eher unangenehmen Tätigkeiten vergeht auch beim Zähneputzen die Zeit gefühlt viel zu langsam. "Deshalb putzen viele Menschen ihre Zähne eher zu kurz", warnt Zimmer. Einige elektrische Zahnbürsten haben deshalb einen Timer. Dieser sollte verstellbar sein, um die vorher ermittelte nötige Putzzeit eingeben zu können. Wer keinen Timer hat, kann natürlich auch eine normale Stoppuhr oder die entsprechende Funktion im Smartphone benutzen.

Wie stark sollte man beim Putzen drücken?

Wer häufig einen neuen Bürstenkopf kaufen muss, weil die Borsten auseinandergehen, der positioniert den Kopf falsch oder drückt ihn zu stark auf. Es gibt auch etwas teurere elektrische Bürstensysteme, die den Andruck messen und über einen externen Bildschirm oder eine Handy-App anzeigen, ob man sich im richtigen Bereich bewegt.

Wie pflegt man die Bürsten?

Die Bürstenköpfe lassen sich gut reinigen, wenn man sie kurz unter dem Wasserhahn anschaltet. Möglichst tief halten, damit sie dabei nicht so stark spritzen. Danach sollte man die Bürstenköpfe aufstellen, damit sie tagsüber gut trocknen können. Wenn nötig, lassen sich die Zahnbürstenköpfe sogar in der Spülmaschine säubern. Außerdem sollte man auch die Kupplungsstelle zwischen Bürstenkopf und Handgriff regelmäßig per Hand waschen, weil der Übergang leicht verkrustet.

Eignen sich elektrische Bürsten für Kinder?

Für Kinder gibt es elektrische Zahnbürsten mit kleineren Aufsätzen. "Generell sehe ich bei elektrischen Zahnbürsten keine größeren Verletzungsgefahren als bei Handzahnbürsten", sagt Zahn-Experte Zimmer. Wichtig sei vor allem, dass Kinder beim Putzen nicht in der Wohnung herumlaufen. Wenn sie dabei stolpern, bestehe das Risiko, dass die Bürste den Rachen verletzt. Dies kann aber mit allen Modellen passieren. "Mit einer elektrischen Bürste können Eltern ab zwei Jahren nachputzen. Ab vier Jahren können Kinder auch selbst elektrisch bürsten", sagt Zimmer. Nachputzen durch die Eltern ist übrigens so lange nötig, bis das Kind sich motorisch so weit entwickelt hat, dass es flüssig schreiben kann. In der Regel können Kinder das in der dritten Schulklasse oder ab einem Alter von neun Jahren.

Wieviel kosten die Bürsten?

Je nach Ausführung gibt es bei elektrischen Zahnbürsten eine erhebliche Preisspanne. Günstige Bürsten werden bereits für unter 50 Euro angeboten. Höhere Preise rechtfertigen sich zum Teil durch technische Finessen, die nicht unbedingt nötig sind. Zimmer sagt: "Wer sparen will, muss nicht die neuesten Modelle der Hersteller kaufen. Oft geben die Firmen etwas ältere Modelle mit guter Qualität deutlich günstiger ab."

Fazit: Welches Modell am besten geeignet ist, hängt in erster Linie von den Vorlieben des Einzelnen ab. Wichtig ist vor allem, dass er häufig und lang genug putzt. Besonderheiten wie einstellbare Timer an der Bürste können dies unterstützen.


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