Was bringen Weißmacher für die Zähne?

Das Leben hinterlässt Spuren auf dem Zahnschmelz. Was verfärbt die Zähne? Was lässt sich dagegen tun?

von Ingrid Kupczik, aktualisiert am 15.07.2016

Steht für Schönheit, Jugend und Gesundheit: Strahlend weiße Zähne

plainpicture/Kniel Synatschke

Ob Tee oder Kaffee, Multivitaminsaft, Blaubeeren oder Rotwein: "Alles, was auf dem T-Shirt bleibt, bleibt auch auf den Zähnen", sagt Dr. Helmut Kesler, niedergelassener Zahnarzt und Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer Berlin. Rauchen hinterlässt ebenfalls hartnäckige Verfärbungen. "Wer das Zahnweiß der Jugend möglichst lange erhalten möchte, sollte seine Lebens- und Ernährungsgewohnheiten entsprechend ausrichten", betont er.

Bei Kindern, die während der Zahnentwicklung bestimmte Antibiotika (Tetrazykline) erhalten haben, können sich die bleibenden Zähne dauerhaft grau-gelb oder fleckig verfärben. Der Effekt kann auch eintreten, wenn die Mütter in der Schwangerschaft das Medikament eingenommen hatte. "Wir sehen dieses Problem nur noch selten, da Tetrazyklin Schwangeren und Babys in Deutschland nicht mehr verordnet wird", sagt Kesler. Patienten aus Osteuropa seien aber noch häufiger betroffen. Zu hohe Fluoridgaben im Kleinkindalter können ebenfalls Spuren hinterlassen.


Zahnfarbe liegt in den Genen

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Seine natürliche Farbe ist genetisch festgelegt. Die Zahnärzte unterscheiden zwischen vier Grundtönen (A bis D) in je vier Helligkeitsstufen: A steht für gelblich-weißlich, B für gelblich, C für grünlich und D für gräulich. A2 gilt als die typische Zahnfarbe eines jungen Mitteleuropäers mit gut gepflegten, unverfärbten Zähnen.

Mit den Jahren werden die Zähne bei allen Menschen gelber, weil sich Pigmente aus Nahrung und Genussmitteln in der obersten Schmelzschicht ablagern. Außerdem kann sich der Farbton ändern: "Durch Abnutzung des Schmelzes haben die natürlichen Zähne die Tendenz, in einen grau-bläulichen Grundton überzugehen", erklärt Wolfgang M. Boer, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin (DGÄZ). Der Schmelz werde mit der Zeit dünner und transparenter, sodass das gelbe Zahnbein durchschimmert. "Beides zusammen ergibt einen Grau-Blau-Stich."

Grau-schwarzer Zahn durch Radunfall

Die Verletzung eines Frontzahns kann ebenfalls zur dauerhaften Verfärbung führen. Boer, niedergelassener Zahnarzt in Euskirchen, berichtet von einem Patienten, der als Kind einen Fahrradunfall hatte. Keine große Sache, der Schneidezahn blieb heil, der Nerv in Ordnung, aber der Zahn hat sich mit der Zeit grau-schwarz verfärbt. Ursache ist ein Bluterguss, der bis ins Zahnbein vorgedrungen ist. "Die roten Blutkörperchen können dort nicht abgebaut werden. Das Eisen im roten Blutfarbstoff oxidiert mit der Zeit und verfärbt den Zahn von innen", erklärt er.

Weiße Zähne dank Bananenschalen?

Pürierte Erdbeeren, Zitronensaft und auch die Innenseite der Bananenschale werden als Weißmacher gepriesen. Backpulver, reines Natron und Salz gelten ebenfalls als Zaubermittel für die Zahnbleiche. Und tatsächlich: Mit derlei Hausmitteln, kombiniert mit Zähneputzen, lässt sich kurzfristig und kostengünstig eine gewisse Aufhellung erzielen. "Ein Scheinerfolg", sagt Experte Boer. "Säuren und aktiver Sauerstoff lösen die Schmelzoberfläche an, und mit den Schmirgelstoffen rubbelt man sich den Schmelz dünner." Dadurch altern die Zähne künstlich. "Es ist das genaue Gegenteil dessen, was man sich erhofft."

Aufhellende Zahncremes

Turbo White, Instant White, Whitening Booster und mehr: Viele Zahncremes werben mit Weißkraft. "Der Aufhellungseffekt beruht in erster Linie auf Schmirgelstoffen, mit denen äußere Ablagerungen entfernt werden", erklärt Dr. Helmut Kesler von der Berliner Zahnärztekammer. Wichtig sei dabei die richtige Technik beim Zähneputzen, um Schäden am Zahnfleisch, Zahnschmelz und Zahnbein (Dentin) zu vermeiden. Wenn Dentin offen liegt, zum Beispiel am Zahnhals, ist der Abtrag bei falschem Putzen immens. Betroffene sollten daher bei der Wahl der Zahncreme darauf achten, dass diese nicht zu viele Schmirgelpartikel enthält.

Der RDA-Wert (Relative Dentin Abrasion) gilt als Maß für die abtragende (abrasive) Wirkung der Putzkörper. Laut Bundeszahnärztekammer sind RDA-Werte über 100 stark und 70 bis 80 mittel. Als empfehlenswert gelten RDA-Werte zwischen 30 und 70. Wer den RDA-Wert für eine Zahncreme wissen möchte, muss direkt beim Hersteller nachfragen oder im Internet und bei Verbraucherorganisationen nachforschen. Die RDA-Angabe auf der Tube ist bisher nicht verpflichtend.

Hellere Zähne durch professionelle Zahnreinigung

Eine sichtbare Aufhellung der Zähne lässt sich durch eine professionelle Zahnreinigung in der Praxis des Zahnarztes erreichen. Dabei werden Farbstoffablagerungen in der obersten Schmelzschicht sowie Zahnstein sachgerecht entfernt. "Wichtiger als der ästhetische Effekt ist der medizinische Aspekt", betont Kesler. Denn bei der Reinigung werden auch die Zahnzwischenräume und Zahnfleischtaschen gründlich von Belägen befreit und damit einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) vorgebeugt. Die Zahnärztekammern empfehlen ein bis zwei Behandlungen pro Jahr. Es handelt sich nicht um eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen; manche gewähren jedoch einen freiwilligen Kostenzuschuss.

Bleaching

Bleaching (deutsch: Bleichung) liegt seit Jahren im Trend. Ob zur Selbstanwendung oder in der Zahnarztpraxis: Die meisten Methoden arbeiten mit der chemischen Substanz Karbamidperoxid. Karbamid ist das farblose und geschmacksneutrale Trägergel, Wasserstoffperoxid der Wirkstoff, mit dem auch Haare blondiert werden.

Für das Bleichen zu Hause gibt es Produkte zum Aufpinseln auf die Zähne, zum Aufkleben mit Streifen oder zur Anwendung mit vorgefertigten Schienen. Der Zahnarzt stellt für die Anwendung zu Hause individuell angepasste Kunststoffschienen her, in die dann das Wirkstoffgel gefüllt wird. Die Schienen werden zwei Wochen lang jeweils ein bis zwei Stunden abends getragen. Durch unsachgemäßes Auftragen des Gels kann es allerdings zur Zahnfleischreizung kommen.

Die Alternative heißt "In-Office-Bleaching" beim Zahnarzt. Das Verfahren ist häufig teurer als andere, "aber auch sehr schnell und sicher", so Boer. Das empfindliche Zahnfleisch wird abgedeckt, das Karbamidperoxid-Gel – in höherer Dosis als beim Bleaching daheim – auf den Schmelz gebracht. Dann wird es unter speziellen Lampen erwärmt, sodass in kurzer Zeit eine große Menge Peroxid freigesetzt wird. Die Behandlung erstreckt sich über zwei bis vier Sitzungen.

Gesundes Zahnfleisch und gesunde Zähne sind Voraussetzung für das Bleaching. Im Vorwege sollte dringend eine professionelle Zahnreinigung erfolgen, rät der Berliner Zahnarzt Dr. Helmut Kesler. Bei Kronen und Füllungen funktioniert das Bleaching nicht. Ebenso wenig bei Zähnen, die nach einer Wurzelbehandlung oder Verletzung verfärbt sind. Dann muss von innen gebleicht werden.

Wie lange hält der Effekt an?

Bis zu sechs Jahre dauere der Weißungseffekt an, versprechen Bleaching-Anbieter. "Im Schnitt hält es zwei Jahre", sagt Kesler, "es sei denn, man ernährt sich nur noch von Mineralwasser und Nudeln ohne Sauce…" Er habe noch keinen Patient erlebt, der längerfristig seine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten umstelle, damit die Zähne weiß bleiben.

Veneers: Verblendung für die Zähne

Hauchdünne Verblendschalen, sogenannte Veneers, sorgen ebenfalls für Aufhellung. Die Keramikschalen werden auf den leicht (0,5mm) abgeschliffenen Zahn gesetzt. "Damit lassen sich medizinisch sinnvolle und substanzschonende Korrekturen vornehmen, die früher nur mit Kronen möglich waren", erklärt Boer. Etwa bei "Knirschern". Sie kauen sich ihre Zähne regelrecht ab, dadurch geht die Front-Eckzahn-Führung verloren. "Durch Verlängerung der Zähne mit Veneers im vorderen Bereich lässt sich die ursprüngliche Funktion wiederherstellen." Auch bei großen Füllungen hinter dünnem Schmelz sei die Methode geeignet, um den Zahn zu stabilisieren. Dass der Zahn durch die Verblendung weißer wird, sei ein angenehmer Nebeneffekt, so Boer. "Ein verantwortungsvoller Zahnarzt würde niemals Veeners kleben, nur um die Farbe aufzuhellen."


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