Professionelle Zahnreinigung: Ist sie sinnvoll?

Zweimal im Jahr die Zähne gründlich reinigen lassen – das empfehlen viele Zahnärzte ihren Patienten. Was es bringt und was Sie beachten sollten, erklären zwei Experten

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.03.2016

Beugt Zahnkrankheiten vor: Eine professionelle Zahnreinigung

Plainpicture/OJO/Checkup

Hat Ihr Zahnarzt schon einmal zu einer professionellen Zahnreinigung geraten? Vielleicht fanden Sie das Angebot gleich einleuchtend, vielleicht waren Sie aber auch verunsichert. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Ist eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll?

"Prinzipiell ja", sagt Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Er schränkt allerdings ein: "Lassen Sie diese nur vornehmen, wenn sie nötig ist." Auch Dr. Jan Gensler, Zahnarzt aus dem fränkischen Mellrichstadt, empfiehlt die Prozedur nicht für jeden pauschal. "Ich spreche zum Beispiel Patienten gezielt darauf an, wenn sie ein erhöhtes Risiko für Karies oder Parodontitis haben." Auch Ältere, Kinder, die eine Zahnspange tragen und Menschen mit empfindlichem Zahnfleisch profitieren von der professionellen Reinigung. Dies gilt ebenso, wenn Sie Brücken, Kronen oder Implantate haben oder bereits an einer Zahnkrankheit leiden. Ob bei Erwachsenen, die keine Parodontitis oder Ähnliches haben, eine professionelle Zahnreinigung nötig ist, bewertet der Medizinische Dienst der Krankenkassen als unklar.


Welchen Zweck hat die Profi-Pflege?

Auch wenn Sie Ihr Gebiss noch so gut pflegen, erreichen Sie niemals alle Ecken. Denn an Engpässen, weiter hinten im Mund, in den Zwischenräumen und am Zahnfleischrand versagt die Zahnbürste. "Mit einer normalen Bürste reinigen Sie gut 60 Prozent der Zahnflächen", erklärt Gensler. Die elektrische gelangt etwas besser in Richtung Zwischenräume. Dennoch bleiben sie ungeputzt. Und genau da lagern sich Essensreste und Speichelbestandteile ab, aus denen sich Zahnbelag (Plaque) bildet. Auf diesem siedeln sich Bakterien an, die die Zähne angreifen und zu Karies oder Parodontitis führen können. Durch eine professionelle Zahnreinigung lassen sich weiche wie harte Beläge, also Zahnstein, gründlich entfernen. "Das Risiko für Zahnkrankheiten reduziert sich dadurch deutlich", meint Gensler. Er ergänzt: "Auch Kronen und Brücken können Jahrzehnte länger halten, wenn Sie regelmäßig zur Zahnreinigung gehen." Vorausgesetzt Sie pflegen die Zähne daheim ebenfalls gründlich.

Wie oft empfiehlt sich eine Zahnreinigung?

Zahnärzte raten zweimal im Jahr zu einer professionellen Zahnreinigung. "Dieser Zeitraum hat sich aus unserer Erfahrung bewährt, um Zahnproblemen effektiv vorzubeugen", sagt Gensler. Denn Beläge und Zahnstein bilden sich nach kurzer Zeit aufs Neue. Experte Vogel findet zwei Termine pro Jahr ebenfalls sinnvoll. "Viermal jährlich halte ich aber beispielsweise für übertrieben. Da müsste es schon einen speziellen Grund geben", merkt der Verbraucherschützer an. Haben Sie ein perfektes Gebiss und keine Wehwehchen, reichen unter Umständen auch größere Zeitabstände aus. Klären Sie dies mit Ihrem Zahnarzt.

Wie läuft die Zahnreinigung ab?

Normalerweise untersucht der Zahnarzt zunächst das Gebiss. Anschließend entfernt eine geschulte Zahnarzthelferin die Zahnbeläge. Grobe, eher weiche Beläge beseitigt sie häufig mit einem Ultraschallgerät. Für harte Ablagerungen eignen sich spezielle Handinstrumente. Verfärben sich Stellen bräunlich – zum Beispiel durch Rauchen, Kaffee oder Tee – helfen Pulverstrahlgeräte. Mit einem Luft-Wasser-Salzgemisch werden die Ablagerungen sozusagen weggesprengt. Mit Zahnseide und kleinen Bürstchen reinigt die Assistentin Zwischenräume. Danach poliert sie die Zähne, damit sie wieder eine glatte Oberfläche erhalten. Denn darauf kann sich Zahnbelag schlechter neu ansiedeln. Zum Schluss trägt die Zahnarzthelferin üblicherweise einen fluoridhaltigen Lack auf, der die Zahnoberfläche schützt, und gibt Tipps zur richtigen Mundhygiene.

Gibt es Risiken?

Kritiker sagen, eine professionelle Zahnreinigung greife die Zähne an. "Pulverstrahlgeräte können die Zahnoberfläche etwas aufrauen, aber dieser Effekt ist sehr gering", beruhigt Gensler. Denn erstens glättet das Polieren die Oberflächen wieder. Zweitens erholen sich die Zähne durch den Fluorid-Lack schnell. Auch wenn Sie bereits alles Wichtige im Anamnesebogen ausgefüllt haben: Weisen Sie den Arzt daraufhin, wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen. Denn manchmal wird aus Versehen das Zahnfleisch verletzt. Tragen Sie einen Herzschrittmacher oder haben Sie künstliche Herzklappen, sprechen Sie dies an. In letzterem Fall gibt der Zahnarzt vorab eventuell ein Antibiotikum, um gefährlichen Infektionen vorzubeugen. Implantate können durch bestimmte Geräte kleine Kratzer bekommen. Deshalb auch hier noch mal den Arzt darauf ansprechen.

Worauf sollten Patienten achten, bevor sie der Zahnreinigung zustimmen?

Verbraucherschützer Vogel hat folgende Tipps: Der Arzt sollte nicht ohne jegliche Vorkontrolle pauschal zu einer professionellen Zahnreinigung raten. Achten Sie darauf, dass entweder der Zahnarzt selbst oder eine dafür ausgebildete Zahnarztassistentin die Zähne säubert. Lassen Sie sich alle Schritte erklären und fragen Sie, wozu welches Gerät dient und ob Sie es wirklich benötigen. Denn je aufwändiger die Profi-Pflege ist, desto teurer wird sie. Klären Sie vorab, welche Kosten anfallen.

Weshalb sind die Kosten so unterschiedlich? Zahlt die Krankenkasse etwas dazu?

Der Zahnarzt ist beim Festlegen der Kosten an die Gebührenordnung gebunden. Danach variiert der Preis abhängig von der Anzahl der Zähne und deren Zustand. Letztlich bestimmt der Aufwand den Preis. Die Zahnpflege kann 30 Minuten dauern, aber auch bis zu einer Stunde. Außerdem kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz. Abhängig davon variiert der Preis zwischen 40 und zirka 150 Euro. "Verlangt eine Praxis so viel, sollten Sie durchaus bei einem anderen Zahnarzt anfragen", rät Vogel.

Im Normalfall übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht. Es gibt jedoch Ausnahmen. "Einige Kassen erstatten die professionelle Zahnreinigung und belohnen so ihre Versicherten für ein gesundheitsbewusstes Verhalten", sagt der Verbraucherexperte. Dazu haben die Kassen spezielle Verträge mit ausgewählten Zahnärzten geschlossen. Manchmal zahlen die Versicherer auch pauschal einen Zuschuss oder die Zahnreinigung ist in einer Zahnzusatzversicherung enthalten. Nachfragen lohnt sich daher in jedem Fall. Die privaten Kassen übernehmen die Kosten weitaus öfter – je nach Vertrag.

Wichtig: Die professionelle Zahnreinigung ersetzt nicht die tägliche Zahnpflege zu Hause!



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