Trübe Tage – zum Wandern nicht warm genug, zum Skifahren nicht kalt genug. Die ideale Zeit für eine Wellness-Kurzreise über das Wochenende oder – wenn es die Zeit zulässt – einen Miniurlaub unter der Woche. Meist bieten Hotels dann Arrangements zu günstigeren Preisen an, und es sind weniger Gäste da. Ein verlockender Gedanke, zwei Tage den Alltagsstress zu vergessen, sich mit Massagen verwöhnen zu lassen, eine gesunde Küche zu genießen und sich in schöner Umgebung zu bewegen. Wir geben Tipps für gelungene Wohlfühltage.
Hotel wählen
Für den einen ist Wellness ohne Fünf-Sterne-Luxus nicht denkbar, der andere wünscht eine ökologische Bauweise und Vollwertküche. Legen Sie Wert auf ein Nichtraucherhaus? Gibt es zumindest rauchfreie Zonen? Hat das Hotel eine landschaftlich schöne Umgebung? „Für einen Kurzaufenthalt sollte das Hotel nicht weiter als zwei Fahrstunden entfernt liegen“, meint Lutz Hertel vom Deutschen Wellness-Verband, „damit eine stressige Heimfahrt nicht die ganze Erholung kaputtmacht.“ Reisen Sie mit Freunden, Partner, Familie oder allein? Manche Hotels bieten Kuscheltage für Paare an, andere Kinderbetreuung. Wer aber nicht zu diesen Zielgruppen gehört, fühlt sich leicht fehl am Platz. Zunehmend stellen sich Hotels auch auf Singles ein. Wer nicht allein essen will, kann mit anderen Einzelreisenden an einem „Kommunikationstisch“ sitzen.
Bedürfnisse klären
Möchten Sie die Tage nutzen, um sich mehr zu bewegen? Dann ist es gut zu wissen, ob ein Aktivprogramm angeboten wird. Können Sie Fahrräder oder Nordic-Walking-Stöcke ausleihen? Ist vielleicht eine Wanderung geplant? Interessieren Sie sich für fernöstliche Heilmethoden, oder ziehen Sie Kneipp-Anwendungen vor? Klären Sie vorab, was Ihnen wirklich wichtig ist.
Angebot prüfen
Wellness ist kein geschützter Begriff. So manches Hotel erklärt das Schwimmbecken zur Badelandschaft und die Sauna zur Wellness-Oase und verlangt überhöhte Preise. Eine kritische Durchsicht von Katalog- und Internetangeboten lohnt sich also. Hilfe bieten Gütesiegel, die an zertifizierte Hotels vergeben werden. Häuser, die mit dem Deutschen Wellness-Zertifikat des Deutschen Wellness-Verbandes ausgezeichnet sind, unterliegen einer regelmäßigen, umfangreichen Prüfung.
Telefonisch nachfragen
Prüfen Sie die Angebote vor dem Buchen. „Manche Hotels geben ihren Angestellten am Wochenende frei“, weiß Lutz Hertel. Wer sich auf Massage, Yogakurs, Aquagymnastik oder Maniküre gefreut hat, muss dann feststellen, dass diese Angebote am Wochenende gar nicht stattfinden. Bei einem Telefonat merkt man auch, ob sich die Mitarbeiter um ihre Gäste persönlich kümmern.
Auf die richtige Mischung achten
Ursprünglich kommt der Begriff Wellness aus den USA. Er steht für ein ganzheitliches Präventionsprogramm mit den Säulen Bewegung, Ernährung, Entspannung und psychische Gesundheit. „Beim Transfer nach Europa hat man sich die passive Entspannung herausgegriffen und die aktiven Elemente ausgeklammert“, sagt Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg. Ihr Rat: Zu einem gelungenen Wellness-Wochenende gehören auch aktive Entspannungs- und Bewegungsprogramme. Das kann ein Yogakurs sein, Nordic Walking oder eine Wanderung. Großzügige Badelandschaften sollten nicht dazu verführen, die gesamte Zeit drinnen zu bleiben. Gehen Sie hinaus, und genießen Sie die Natur. „Anschließend machen Massage oder Whirlpool noch mehr Spaß“, sagt die Gesundheitsexpertin.
Individuell oder pauschal?
Feste Arrangements sind oft preiswerter, vorausgesetzt, alle Angebote entsprechen genau Ihren Bedürfnissen. Sonst ist es besser, individuell zu buchen. Planen Sie nicht mehr als zwei Anwendungen pro Tag ein.
Termine vorab vereinbaren
Sie sind sich sicher: Die Honigpackung muss sein, ebenso die Pediküre. Dann vereinbaren Sie diese Termine möglichst schon vorab telefonisch. Hertel: „Gerade am Wochenende ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sonst die entsprechenden Angebote schon ausgebucht sind.“ Als Orientierungshilfe für die Preise gilt: Anwendungen sollten inder Regel nicht mehrals einen Euro pro Minute kosten.
Vorsichtig sein
Wasser, Wärme, Wellness – für viele eine interessante Kombination, doch nicht immer bekömmlich. „Mehrere Wärmeanwendungen hintereinander sind schon für Gesunde belastend“, sagt Axt-Gadermann. „Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen können sie gefährlich werden.“ Halten Sie sich an die Faustregel: Zwischen verschiedenen Wärmeanwendungen wie Fangopackung, Sauna oder Whirlpool zwei Stunden Pause einlegen. Vorsicht ist auch bei Venenproblemen geboten. Allergiker sollten Badezusätze kritisch begutachten. Wer auf Gräser reagiert, darf nicht in ein Heublumenbad steigen, und wer Milcheiweiß nicht verträgt, muss auf Milch-, Molke- oder Kleopatrabäder verzichten. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber die Wohlfühl-Atmosphäre kann dazu verführen, solche Vorsicht zu vergessen. Aufpassen müssen auch Schwangere. Heiße Bäder und manche Zusätze wie etwa Rosmarin sind für sie tabu. Axt-Gadermann: „Verzichten Sie im Zweifelsfall lieber auf eine Behandlung.“
Nicht blenden lassen
Schokoladenpackung klingt luxuriöser als Heilerdemaske. Aber ist die Anwendung deshalb besser? Manche Wellness-Hotels übertreffen sich in aufregend klingenden Angeboten. „Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es meist für die Standardanwendungen, die man auch in Rehakliniken bekommt“, erläutert Expertin Axt-Gadermann. Wer sich Linderung für die verspannte Rückenmuskulatur erwartet, sollte also auf ausgebildete Physiotherapeuten achten. Der Seele tut auch eine kosmetische Massage gut.
Maria Haas / Apotheken Umschau;
11.01.2011, aktualisiert am 13.03.2012
Bildnachweis: Getty Images/Aurora Creative, Look GmbH/Jan Greune
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