Richtig erholen im Thermalbad

Wie lange darf ich im warmen Wasser bleiben, sollte ich mich danach abkühlen und ausruhen? Professor Karl-Ludwig Resch beantwortet die wichtigsten Fragen
von Justus Schönemann, aktualisiert am 15.10.2016

So entspannt: Ein Tag in der Therme macht gemeinsam besonders viel Spaß

Thinkstock/Purestock

Muss ich bestimmte Badezeiten einhalten?

Wasser in öffentlichen Thermalbädern hat in der Regel nicht mehr als 34 Grad, es gibt also keine Überwärmungseffekte. Sie können bei dieser Temperatur so lange im warmen Wasser bleiben, wie Sie sich gut dabei fühlen. Hören Sie aber auf Ihren Körper, denn das ­vegetative Nervensystem reagiert nicht immer gleich auf die Wärmereize. Es wird auch beeinflusst durch äußere Fakto­ren, zum Beispiel, wenn Sie einen stressigen Tag hatten, schlecht geschlafen oder sich körperlich überanstrengt haben.

Muss ich mich nach dem Baden eigens abkühlen?

Da keine Überwärmung des Organismus stattfindet, ist auch eine spezielle Abkühlung nicht nötig. Doch es ist immer gut, dem Körper etwas Wechselwarmes anzubieten, also vielleicht nach dem warmen Bad kurz durch ein Kneippbecken zu waten oder wechselwarm zu duschen. Das trainiert die Gefäße und das vegetative Nervensystem und stärkt – wenn man es öfter macht – auch das Immunsystem.

Professor Karl-Ludwig Resch leitet das Deutsche Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster

W&B/Jürgen Lösel

Warum ist nach dem Bad eine Ruhephase gut?

Im Wasser wird der Körper durch den Auftrieb so gut wie schwerelos, die Muskeln entspannen sich und geben diese "Entspannungsinformation" an alle anderen Systeme des Körpers ­weiter. Mit einer Ruhephase danach gibt man dem Körper die Möglichkeit, nachzuschwingen und den positiven Effekt zu verstärken.

Wie lange dauert es, bis die positiven Effekte eintreten?

Will jemand nur eine schöne Zeit ver­leben und es sich einmal gut gehen lassen, reicht dafür schon ein Tag oder ein Wochenende. Wer aber eine bal­­neo­logische Therapie zur Linderung von Beschwerden braucht, muss die Länge des Aufenthalts und die Häufigkeit der Anwendungen mit einem Bade­­arzt besprechen.

Wie sieht ein idealer Badetag aus?

Natürlich können Sie in zwei Stunden die Attraktionen eines Thermalbades durchhecheln, aber Sie erholen sich dabei nicht richtig. Für einen idealen Badetag gilt deshalb vor allem: Nehmen Sie sich Zeit, "entschleunigen" Sie. Hängen Sie aber nicht nur im Wasser herum, damit der Eintrittspreis "ab­­gebadet" wird, sondern tun Sie an diesem Tag Dinge, die im Alltag vielleicht zu kurz kommen: Lesen Sie ein interessantes Buch, ruhen Sie zwischendurch, essen Sie ohne Hetze eine Kleinigkeit, genießen Sie eine Massage. Das alles aktiviert den Parasympathikus, den "Ruhenerv", der für Entspannung und Regeneration unseres Organismus verantwortlich ist.

Darf man am Badetag Alkohol trinken?

Alkohol verändert die Reaktionen des vegetativen Nervensystems. Ein Glas Sekt beispielsweise wirkt erst einmal stimulierend, dann aber mehr als Narkotikum: Die körpereigenen Regula­tionsmöglichkeiten auf externe Reize werden zurückgeschaltet. Da es schwer zu sagen ist, wie weit dieses Zurückschalten gefahrlos bleibt, rate ich, während des Badeaufenthalts auf Alkohol zu verzichten.

Wer darf nicht ins Thermalbad?

Beinahe jeder darf das Bad im warmen Wasser genießen. Unbedingt abraten muss ich Menschen mit ausgeprägter Herzschwäche. Der Wasserdruck, der vor allem an den Beinen wirkt, führt beim Einstieg in das Becken zum schnellen Rückfluss von Gewebeflüssigkeit ins venöse System. Das Herz hat die nächsten fünf, sechs oder sieben Schläge jeweils ein Drittel mehr Volumen zu transportieren. Das kann ein krankes Herz überfordern. Auch akute Entzündungen, Tuberkulose oder ein kürzlich überstandener Infarkt sprechen gegen einen Besuch. Menschen, die Krampfadern haben, dürfen ins warme Wasser, aber ich empfehle auf jeden Fall, anschließend die Beine kalt abzuduschen.


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