Die Kinder wollen nicht aufstehen, die Katze kratzt an der Terrassentür, der Göttergatte verschüttet mal wieder das Kaffeepulver. Und in einer halben Stunde fährt die S-Bahn in Richtung Arbeit. Der Tag beginnt mit Stress und endet meist auch damit. Sie, zwischen 30 und 40 Jahre alt, versucht alles unter einen Hut zu bekommen.
Einige Jahre später. Sie ist inzwischen 45 oder 50. Die Kinder kommen alleine klar, die Katze schnurrt friedlich auf dem Schoß, der Ehemann bereitet einen Cappuccino zu. In diesem Lebensabschnitt, den Wechseljahren der Frau, wird das Leben ruhiger. Sie lässt es sich gut gehen, hat mehr Zeit für sich. Gutes Essen und gemütliche Abende auf der Couch gehören ebenfalls dazu. „Genau diese veränderten Lebensgewohnheiten führen aber dazu, dass Frauen in diesem Lebensabschnitt zunehmen“, sagt Dr. Manfred Stumpfe, Frauenarzt aus Geretsried.
Daneben spielen die Hormone eine Rolle. Normal befinden sich die Geschlechtshormone – unter anderem Östrogen, Progesteron und Testosteron – in einem bestimmten Verhältnis zueinander. „Während und nach der Wechseljahre ändert sich diese Balance“, erklärt der Gynäkologe. Die Konzentration an Östrogen nimmt ab, während zum Beispiel die Konzentration an Androgenen (wie Testosteron) gleich bleibt.
Die Sexualhormone nehmen Einfluss auf den Fettstoffwechsel und die Fettverteilung. Frauen neigen dadurch eher zur „Birnenform“, legen also an Po und Hüfte zu. Männer tendieren zur „Apfelform“, sammeln zusätzliches Gewicht am Bauch an. Da sich das Verhältnis der Geschlechtshormone während dem Klimakterium ändert, bilden sich neue Fettpölsterchen bei älteren Frauen auch bevorzugt am Bauch. Bauchfett stellt ein aktives Gewebe dar und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes.
Entgegen der Meinung vieler Frauen scheint eine Hormonersatztherapie keine Gewichtszunahme zu begünstigen. Die Therapie wirkt eher figurerhaltend. Allerdings kann das Gewicht zu Beginn der Hormoneinnahme leicht ansteigen. Experten gehen von ein bis drei Kilogramm aus. Da die Hormonersatztherapie auch Risiken birgt, sollten sich Frauen von ihrem Frauenarzt über Vor- und Nachteile beraten lassen.
Neben einem veränderten Lebensstil und dem Einfluss der Hormone gibt es noch einen weiteren Faktor, der das Gewicht nach oben treibt: das Alter. Ältere Menschen brauchen meist weniger Kalorien. Zudem bildet sich bei ihnen weniger neue Muskelmasse, dafür aber mehr Fettgewebe. Kein Wunder, dass sich eine Sachertorte hier oder ein Schweinebraten dort leicht in ein paar Extrapfunden niederschlagen können.
Wie hält Frau nun ihr Gewicht? Durch Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Es muss kein Sport á la Maria Riesch sein. Nicht einmal Joggen oder Schwimmen. Nordic Walking, ein Spaziergang mit Freunden oder eine Wanderung durchs Watt eignen sich ideal. Hauptsache der Stoffwechsel kommt auf Touren, dann verbrennt der Körper Kalorien.
Mona Katharina Laqué von der Deutschen Sporthochschule Köln hat dazu sogar eine Studie gemacht. Sie ließ 50 Frauen, die sich in der Postmenopause befanden, über drei Monate regelmäßig Walking oder Nordic Walking machen. Die Damen mussten viermal die Woche auf der Matte stehen und wurden anderthalb Stunden durch's Grüne gescheucht. Ergebnis: Alle nahmen zwischen zwei und knapp vier Kilogramm ab. Zusätzlich verbesserten sich die Cholesterinwerte signifikant. Die Probandinnen profitieren daher nicht nur in puncto Figur, sondern senkten auch ihr Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt.
Neben der Bewegung sollte Frau sich gesund ernähren. Das bedeutet, weniger Schokolade und Sahnesoßen, dafür mehr Vollkornbrötchen, Gemüse und Obst.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
04.03.2010, aktualisiert am 25.06.2010
Bildnachweis: iStock/pchoui
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