6 Mythen über die Wechseljahre

Ob Frauen die Wechseljahre mit Beklemmung erleben oder unbekümmert, hängt auch davon ab, wie gut sie Bescheid wissen. Es kursieren immer noch viele Gerüchte

von Andrea Schuhmacher, aktualisiert am 24.02.2016

Wissen Sie alles über die Wechseljahre? Wer Bescheid weiß, ist besser gewappnet

Strandperle/Urbanlip

Biologisch gesehen ist die Menopause auf jeden Fall ein großer Einschnitt im Leben, denn mit ihr enden die fruchtbaren Jahre der Frau. Am besten bewältigt diese Herausforderung, wer richtig darauf vorbereitet ist. Doch die Informationen vieler Frauen basieren auf Erfahrungsberichten anderer. Was ist an gut gemeinten Ratschlägen falsch und was stimmt wirklich? Sechs Mythen über die Wechseljahre im Check.

1. Die Wechseljahre beginnen um die 50

Falsch. In der Regel beginnen die Wechseljahre tatsächlich Mitte 40. Die Eierstöcke produzieren dann allmählich weniger Geschlechtshormone, die Monatsblutungen erfolgen unregelmäßiger und bleiben schließlich aus. Danach ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Die sogenannte Menopause ist erreicht, wenn über zwölf Monate keine Regelblutung mehr aufgetreten ist. Bei den Frauen hierzulande ist dies im Durchschnitt im Alter von 51 Jahren der Fall. Allerdings ist die individuelle Spannbreite groß. Bei manchen Frauen tritt die Menopause erst mit 55 ein, bei anderen bereits mit 45 – in seltenen Fällen sogar mit 40 oder gar 35 Jahren. Auch bestimmte Operationen – etwa die Entfernung oder Ausschaltung der Eierstöcke bei einer Krebserkrankung – können unmittelbar die Menopause auslösen. Das kann Frauen mit Kinderwunsch stark belasten. Wer genau wissen möchte, ob die Wechseljahre bereits begonnen haben, kann eventuell beim Frauenarzt bestimmte Hormone – FSH, LH und Östrogene wie Östradiol – untersuchen lassen. Auf Kosten der Krankenkasse geht das aber nur in Sonderfällen, etwa zur Diagnose vorzeitiger Wechseljahre. Ansonsten ist es eine selbst zu bezahlende sogenannte Igel-Leistung, die im Allgemeinen nicht als notwendig gilt. Um aussagekräftig zu werden, muss sie außerdem mehrfach wiederholt werden.


2. Wechseljahrsbeschwerden sind alle hormonbedingt

Falsch. Die Rolle der Hormone wird häufig überschätzt. Zwar ist die Abnahme des Östrogenspiegels für die typischen Hitzewallungen und Schweißausbrüche in den Wechseljahren verantwortlich. Viele andere körperliche und psychische Veränderungen nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen bei Männern genauso wie bei Frauen ab den mittleren Jahren zu, darunter beispielsweise sexuelle Probleme oder  Stimmungsschwankungen. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Osteoporose nimmt mit den Wechseljahren zwar zu, aber der Wegfall der Hormone ist dafür nur eine Ursache von mehreren.

Nicht zu unterschätzen: In diesen Jahren stehen oft Umbrüche im Privat- und Berufsleben an. Die Kinder verlassen das Haus, es findet sich wieder mehr Zeit für Partnerschaft und Karriere. Die Veränderung birgt Chancen. Für einige Menschen bedeutet sie aber vermehrten Stress und eine seelische Belastung. Somit können auch die Lebensumstände das individuelle Wohlbefinden in hohem Maße beeinflussen.

3. Auf die Zähne haben die Wechseljahre keinen Einfluss

Falsch. Frauen sollten sich bewusst sein, dass hormonelle Umstellungen, wie in den Wechseljahren, sich auch auf Zahn- und Mundgesundheit auswirken können: Es kommt häufiger zu Entzündungen, das Zahnfleisch wird weicher, Bakterien können leichter angreifen. Außerdem lässt die Speichelproduktion nach. Das beste Gegenmittel ist daher gerade nach dem 40. Geburtstag eine sehr gute Zahnhygiene, wobei zweimal penibel Putzen am Tag mehr bringt, als noch öfter oberflächlich.

4. Spezielle Ernährung, Sport, pflanzliche Mittel: Es gibt viel, das gegen Wechseljahresbeschwerden hilft

Jein, denn kaum eine Empfehlung ist durch Studien hinreichend belegt. Die Unsicherheit beginnt schon bei der Ernährung. Mehr Nüsse und Sojaprodukte essen, weniger Salz und Schokolade; Kräutertee statt starker Kaffee und Alkohol: Es kursieren viele Ratschläge, was man in den Wechseljahren verzehren sollte oder nicht, um Hitzewallungen einzudämmen. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht wenig dafür, vorsichtshalber auf geschätzte Lebensmittel und den damit verbundenen Genuss zu verzichten. Empfehlungen, bei Salz oder Alkohol Maß zu halten, sind unabhängig von den Wechseljahren sinnvoll. Ähnliches gilt für Sport und Bewegung: Aktivität hilft nicht unmittelbar gegen Hitzewallungen, dient aber allgemein der Gesundheit und dem seelischen Wohlbefinden.

Viele Frauen nehmen pflanzliche und homöopathische Mittel wie Rotklee, Traubensilberkerze, Ginseng und Kava Kava ein, oder sie setzen auf alternativmedizinische Ansätze wie Akupunktur und Chiropraktik. Doch auch für diese Mittel und Methoden existieren keine harten Wirksamkeitsnachweise. Leichte Hinweise gibt es nur für einige Sojapräparate, die sogenannte Isoflavone enthalten. Umgekehrt können auch pflanzliche Mittel ernste Nebenwirkungen haben. So wurde Kava Kava vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorübergehend die Zulassung entzogen, weil es in Einzelfällen unter anderem Leberschäden verursacht hat. Mittlerweile ist es wieder auf dem Markt, allerdings nur unter strengen Auflagen, die mit einer Verschreibungspflicht gekoppelt sind.

5. Eine Hormonersatztherapie beugt Beschwerden vor

Vorsicht! Hormone sind keine harmlosen Mittelchen, und die Wechseljahre sind ebenso wie das Altern keine Krankheit, die sich verhindern ließe, indem man die Hormonspiegel einfach anhebt. Die Hoffnung, Frauen durch frühzeitige und lange Gabe von Hormonen ohne Wechseljahrsbeschwerden länger jung zu halten, ist vor einigen Jahren geplatzt: Große, langjährige, vor allem amerikanische Studien haben gezeigt, dass die langfristige Einnahme von Hormonen ernsthafte Nebenwirkungen haben kann. Sie erhöht das Risiko für Thrombosen, Herzgefäßkrankheiten, Brustkrebs und Eierstockkrebs. Außerdem steigt  wahrscheinlich auch das Demenzrisiko, falls Frauen erst in höherem Alter, über 65 Jahren, mit einer Hormontherapie beginnen. Allerdings deuten neuere Studien darauf hin, dass diese Risiken auch verringert werden können, wenn die Hormone Östradiol und Progesteron frühzeitiger – zu Beginn des Klimakteriums, also normalerweise unter 60 Jahren – genommen werden. Die meisten Experten raten dennoch von einer präventiven Hormon-Einnahme ab, außer bei einer Frau besteht ein stark erhöhtes Osteoporose-Risiko.

Allerdings gilt eine Behandlung mit Östrogen- und Gestagen-Präparaten als wirksamste Therapie gegen typische akute Beschwerden wie etwa Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen, urogenitale Beschwerden, wenn die Betroffenen stark unter den Symptomen leiden. Eine solche Therapie dauert aber nur wenige Jahre. Selbst dann ist zu bedenken, dass die Hitzewallungen bei vielen Frauen nach einigen Jahren von alleine verschwinden. Wer also Hormone schlucken möchte, sollte sich zuvor gut bei einem Facharzt über Chancen und Risiken kundig machen. Fällt die Entscheidung dafür, muss die Behandlung und vor allem ihre Dauer individuell abgestimmt und regelmäßig kontrolliert werden.

6. Sex wird in den Wechseljahren zum Problem

Das muss nicht sein. Sexualität hat viele Dimensionen, auch in den Wechseljahren. Eine unmittelbare Folge der Hormonumstellung ist bei etwa 30 Prozent der Frauen, dass die Scheidenschleimhaut trockener und empfindlicher wird, und auch bei Erregung nicht mehr richtig feucht wird, was zu Schmerzen beim Sex führen kann. Dem kann aber durch ein Gleitmittel leicht abgeholfen werden. Ein größeres Problem ist häufig, dass bei vielen Frauen das sexuelle Verlangen nachlässt. Bei anderen steigt es jedoch.

Für nachlassende Lust sind vermutlich weniger die Hormone verantwortlich als Paarprobleme, psychische Belastungen oder auch Medikamente, die viele Frauen mit zunehmendem Alter häufiger einnehmen. Manche Frauen stört das Nachlassen der Lust auch gar nicht. Wer jedoch darunter leidet oder negative Auswirkungen auf die Partnerschaft befürchtet, sollte sich ohne Scham Rat suchen: Der Gynäkologe ist meist eine erste gute Anlaufstelle und gewohnt, über sexuelle Probleme zu reden. Wenn es eher um die psychische und soziale Dimension geht, könnte auch ein Besuch beim Psychologen oder Paartherapeuten angesagt sein.

Dieser Artikel entstand unter der fachlichen Beratung von Prof. Dr. Dr. Alfred O. Mueck von der Frauenklinik der Universität Tübingen, Präsident der Deutschen Menopause Gesellschaft.


Das könnte Sie auch interessieren:

Lachendes Paar

Wechseljahre: So bleibt die Lust »

Mit dem Ende der Fruchtbarkeit schwindet das Interesse an Sex, fürchten viele Frauen. Doch sie können weiterhin ein erfülltes Sexualleben haben  »


Bildnachweis: Strandperle/Urbanlip

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Zufriedene Frau

Beschwerdefrei durch die Wechseljahre

Was gegen Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen hilft – von Hormontherapie bis Mönchspfeffer »

Sind Sie wetterfühlig?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages