Verhütungsring

Der Verhütungsring ist ein biegsamer Kunststoffring, der in die Scheide eingeführt wird und dort Hormone, ein künstliches Östrogen und Gestagen, zur Empfängnisverhütung abgibt

aktualisiert am 16.06.2015

Die Hormone aus dem Verhütungsring hemmen den Eisprung

Your Photo Today/Phanie

Was ist der Verhütungsring?

Der Verhütungsring, im Fachjargon vaginales Freisetzungssystem genannt, ist ein elastischer Kunststoffring von etwa fünf Zentimetern Durchmesser. Er wird in der Regel am ersten Tag der normalen Monatsblutung in die Scheide eingeführt, praktisch wie ein Tampon.

Den Ring gibt es nur in einer Größe, da er sich an den Körper der Frau anpasst. Millimetergenaue Lage ist nicht wichtig, nach dem Einlegen sollte die Frau nichts spüren. Der Ring bleibt drei Wochen in der Scheide. Dort setzt er kontinuierlich kleine Mengen eines bestimmten Östrogens (Ethinylestradiol) und eines Gestagens (Etonogestrel, ein Abkömmling des synthetischen Gestagens Desogestrel) frei.


Der Verhütungsring wirkt letztlich wie die Pille

Die Hormone gelangen über die Scheidenwände ins Blut. Hauptwirkung: Sie hemmen den Eisprung (Ovulation). Das heißt, der Vaginalring wirkt letztlich ähnlich wie die Pille. Hier gibt es allerdings mehr Auswahl.

Nach drei Wochen entfernt die Frau den Ring selbst und entsorgt ihn anschließend (am besten im verschließbaren Originalbeutel in den Restmüll geben). In den folgenden sieben Tagen kommt es zur Regelblutung. Am achten Tag, also an dem gleichen Wochentag, an dem eine Woche zuvor der vorherige Ring entfernt wurde, und möglichst um die gleiche Zeit wird ein neuer Ring eingesetzt. Auch in der ringfreien Woche bieten die zuvor abgegebenen Hormone Schutz vor einer Schwangerschaft.

Wichtig: Das Gespräch mit dem Arzt

Bevor der Frauenarzt den Verhütungsring verordnet, wird er die Frau nach aktuellen und früheren Erkrankungen befragen (Anamnese). Dabei erkundigt er sich auch nach Krankheiten in der Familie. Außerdem wird er die Frau sorgfältig untersuchen. Schließlich informiert er über die Vor- und Nachteile, über Risiken und Nebenwirkungen der Verhütungsmethode sowie mögliche Alternativen.

Eine Schwangerschaft sollte ausgeschlossen sein. Der Arzt erklärt der Frau, wie sie den Ring anwendet, und legt mit ihr einen Kontrolltermin fest. Bei Nebenwirkungen sollte sie umgehend den Arzt aufsuchen (siehe unten).

Vorteile des Verhütungsrings

Anders als bei der Pille muss die Frau beim Homonring nicht jeden Tag an die Einnahme denken. Die Hormone werden nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, sondern über die Scheide. Daher ist die Wirkung des Vaginalrings zum Beispiel auch bei Erbrechen nicht infrage gestellt. Regelstärke und -dauer können abnehmen. Sollte der Ring beim Geschlechtsverkehr stören, kann er höchstens bis zu drei Stunden entfernt werden (mit lauwarmem Wasser reinigen und hygienisch aufbewahren).

Nach einer Entbindung ist der Verhütungsring geeignet, sobald sich die Gebärmutter zurückgebildet hat (in der Stillperiode jedoch nicht, siehe unten, Abschnitt „Gegenanzeigen“).

Nachteile des Verhütungsrings

War der Ring länger als drei Stunden außerhalb der Scheide, kann der Empfängnisschutz beeinträchtigt sein. Dann empfiehlt sich eine zusätzliche Schutzmaßnahme, etwa ein Kondom. Im Zweifelsfall sollte die Betroffene den Frauenarzt kontaktieren.

Dass der Verhütungsring ausgestoßen wird, lässt sich nicht ganz ausschließen, etwa bei einer Gebärmuttersenkung oder schwerer Verstopfung. Diese Einschränkungen wird der Frauenarzt im Vorfeld jedoch nach Möglichkeit beachten. Sicherheitshalber sollte die Anwenderin in regelmäßigen Abständen kontrollieren, ob der Ring noch vorhanden ist. Selten kann er auch brechen. Bei fehlendem oder defektem Ring besteht das Risiko einer Schwangerschaft. Am besten gleich zum Gynäkologen gehen.

Mit einigen Medikamenten sind Wechselwirkungen möglich. Sie können unter anderem die Verhütungssicherheit beeinflussen. Ausführliche Hinweise zu den genannten Problemen finden Sie in der Gebrauchsinformation.

Nebenwirkungen und Risiken

Es können, ähnlich wie bei der Pille, unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit und vermehrte Scheidenentzündungen auftreten. Auch sind Nebenwirkungen wie Akne, Schmerzen in den Brüsten, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen oder Libidoverlust möglich.

Ein wichtiges Thema ist das Thromboserisiko. Bei einer Thrombose verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß, etwa eine Beinvene. Wird das Gerinnsel mit dem Blut fortgespült und verstopft einen anderen Gefäßabschnitt, handelt es sich um eine Embolie, zum Beispiel in der Lunge.

Das Risiko einer solchen venösen Thromboembolie ist beim Verhütungsring im Vergleich zu niedrig dosierten Kombinationspillen, die neben Östrogen zum Beispiel ein Gestagen wie Levonorgestrel enthalten, höher (mehr zum Thromboserisiko bei hormoneller Verhütung im Beitrag „Die Pille“). Das kann unter anderem damit zusammenhängen, dass die Hormone aus dem Verhütungsring kontinuierlich ins Blut gelangen. In der Leber können sie offenbar Gerinnungsfaktoren anregen.

Auch wenn Thrombosen unter der hormonellen Verhütung etwas häufiger auftreten, kommen sie insgesamt in dem Zusammenhang nur selten vor. Faktoren wie Lebensalter, Veranlagung für vermehrte Thromboseneigung oder eine Schwangerschaft haben vergleichsweise noch mehr Bedeutung für das Thromboserisiko. Dennoch sollte man sich genau vom Arzt über die individuell geeigneten Verhütungsmethoden beraten lassen und dann in Ruhe darüber entscheiden.

Thrombosen können auch in den Schlagadern (Arterien) entstehen. Zu den möglichen Folgen gehören Herzinfarkte und Schlaganfälle. Im Alter über 35 Jahren und bei Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck nimmt dieses Risiko zu. Auch Rauchen erhöht die Gefahr von Herzkreislauferkrankungen, insbesondere jenseits des 35. Lebensjahres. Hat eine Frau entsprechende Risiken, wird der Arzt besonders sorgfältig abwägen, ob sich für sie eine hormonelle Verhütungsmethode wie der Vaginalring wirklich eignet.

Gegenanzeigen des Verhütungsrings

Bestehende oder frühere Thrombosen jedweder Art und Folgeerkrankungen gehören zu den Gegenanzeigen. Gehen Sie zum Frauenarzt, wenn Sie unter der Anwendung des Verhütungsrings akut oder anhaltend Beschwerden verspüren. Der Arzt wird unter anderem prüfen, ob der Ring besser entfernt werden sollte.

Bei schweren Lebererkrankungen oder Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Gebärmutterkrebs, deren Wachstum durch Hormone angeregt werden kann, ist der Hormonring ebenfalls nicht angezeigt.

Für stillende Frauen ist der Verhütungsring nicht geeignet.

Was Sie noch beachten sollten

Der Verhütungsring schützt nicht vor HIV/Aids und anderen, sexuell übertragbaren Krankheiten.

Pearl-Index: 0,4 – 0,65




Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie
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