Verhütung:
Nur für den Notfall

Die Pille danach kann eine ungewollte Schwangerschaft verhindern

Wichtig: Vertrauensvolle Beratung bei der Frauenärztin
Gestern schwebte Sina K. noch auf Wolke sieben, heute sitzt sie mit weichen Knien beim Frauenarzt. Dabei hatte der Abend so schön begonnen: Wein, Kerzenlicht, ihr neuer Freund und sie allein – und dann war beim Sex das Kondom gerissen. Innerhalb von Sekunden war die Romantik dahin und die Angst da. Was, wenn ich jetzt schwanger werde? In der Nacht hatten die 18-Jährige und ihr Freund kaum geschlafen, am Morgen geht sie sofort zum Frauenarzt. Sie will ein Rezept für die Pille danach.
 
Bis zu 300 000 Mädchen und Frauen, so schätzt pro familia, kommen jedes Jahr in Deutschland in die Situation, in der sie die Pille danach brauchen könnten. „Sexualität ist nicht immer rational. Eine Verhütungspanne oder Sex zu einer unsicheren Zeit, das kann jedem Paar passieren. Es ist gut, wenn die Frauen diese Möglichkeit der Nachverhütung kennen“, meint Dr. Ines Thonke vom Bundesverband pro familia. 
 

Die Pille danach enthält den Wirkstoff Levonorgestrel. Bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr kann dieses Hormon den Eisprung verzögern oder verhindern. Je früher die Pille danach eingenommen wird, desto wirksamer ist sie – am besten also in den ersten 12 bis 24 Stunden. „Weitere Wirkmechanismen lassen sich nicht belegen“, sagt Thonke. „Wichtig ist in jedem Fall: Auf die Einnistung oder auf eine bereits bestehende Schwangerschaft hat die Pille danach keinen Einfluss. Vergleiche mit einer ,Abtreibungspille‘ sind deshalb völlig fehl am Platz“, stellt die Ärztin klar.

 

In den vergangenen Jahren wurde der Wirkmechanismus der Pille danach stetig verbessert, Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen sind selten. Trotzdem betonen alle Experten: Die Pille danach sollte eine einmalige Form der Nachverhütung bleiben. „Sonst kann es zu Zyklusstörungen oder anderen Komplikationen kommen“, sagt Dr. Ingeborg Reckel-Botzem vom Berufsverband der Frauenärzte. 

 

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ländern ist die Pille danach in Deutschland verschreibungspflichtig, ein Arzt muss erst das Rezept ausstellen. Gut so, sagt Reckel-Botzem: „Viele Frauen sind nicht informiert, wann die Pille danach sinnvoll ist oder wann sie überhaupt schwanger werden können.“ Gäbe es das Präparat ohne Rezept in der Apotheke, würden es sich ängstliche, übervorsichtige Frauen vielleicht verfrüht oder zu oft holen. Im Gespräch aber kann Reckel-Botzem solche Frauen oft beruhigen: Eine vergessene Pille oder Sex am Anfang des Zyklus sind kein Grund, die Pille danach nehmen zu müssen. 

 

Auch Dr. Gisela Gille von der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau findet das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wichtig. „Ich glaube, vor allem junge Mädchen wären mit der Rezeptfreiheit überfordert“, sagt Gille, die an Schulen über Sexualität und Verhütung aufklärt. Andererseits: „Sie sollten sicher sein können, dass sie in der Praxis mit einer offenen und vertrauensvollen Beratung rechnen können, wenn sie glauben, ein Rezept zu benötigen“, sagt Gille.  

 

Nicht selten ist aber genau das der Fall, weshalb pro familia sich dafür einsetzt, die Pille danach in Deutschland zugänglicher zu machen. „Bereits in 18 europäischen Ländern ist sie rezeptfrei erhältlich. Eine solche Regelung könnte auch in Deutschland Barrieren abbauen, etwa die unangenehme Situation beim Arzt oder im Krankenhaus oder die schlechte Erreichbarkeit des nächsten Notdienstes, zum Beispiel auf dem Land.
 
All das hält viele Frauen davon ab, sich ein Rezept zu holen“, sagt Thonke. Der Ausschuss für Verschreibungspflicht am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Rezeptfreiheit schon 2003 befürwortet. Die Entscheidung im Bundesrat steht noch aus.
 
Der Berufsverband der Frauenärzte vertritt eine andere Meinung: „Die ärztliche Versorgung in Deutschland ist gut genug, um ein Rezept zu erhalten. Die Rezeptpflicht gewährleistet einen sorgsamen Umgang mit wirksamen Substanzen und eventuellen Nebenwirkungen“, sagt Reckel-Botzem. Gille sieht das etwas differenzierter: „Für junge Mädchen finde ich die Beratung beim Arzt sehr wichtig. Erwachsene, verantwortungsbewusste Frauen sollten sich aber die Pille danach in der Apotheke holen können.

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