Verhütung: Dreimonatsspritze (Depotspritze)

Die Dreimonatsspritze enthält das Hormon Gestagen als Verhütungsmittel. Prinzip: Es wird alle drei Monate in den Gesäßmuskel oder einen Muskel am Oberarm injiziert


Imago stock & people GmbH/blickwinkel

Dreimonatsspritze: Eher für den Ausnahmefall (im Bild außerdem zu sehen: Verhütungsring, Pille)

Auch das gibt es manchmal: Eine Frau verträgt praktisch keine der gängigen Verhütungsmethoden oder kommt damit nicht zurecht, wünscht sich aber in der nächsten Zeit kein Kind. Dann ist die Dreimonats- oder Depotspritze eine Option.

Sonderfall Dreimonatsspritze

Ärzte verschreiben das Verhütungsmittel nur ausnahmsweise. Die Dreimonatsspritze enthält eine hohe Gestagendosis. Sie wird in den Muskel gespritzt. Aus dem Depot wird der Wirkstoff langsam freigesetzt. Die offizielle Regelung lautet: Die Depotspritze eignet sich nur für Frauen, die andere Verhütungsmethoden nicht vertragen oder keine Verhütungspillen anwenden können, etwa wegen einer chronischen Magen-Darm-Erkrankung.


Wichtig: Arztgespräch und Untersuchung

Der Arzt wird die Gründe und Wünsche, die für eine Depotspritze sprechen, sorgfältig abwägen. Dazu überprüft er im Gespräch mit der Frau und anhand einer gynäkologischen Untersuchung, ob die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben sind oder ob mögliche Gegenanzeigen bestehen. So muss die Frau zum Beispiel einen normalen Zyklus haben.

Eine Schwangerschaft schließt die Anwendung der Spritze aus, da die hohe Hormondosis das ungeborene Kind schädigen kann.

Das Hormondepot wird im Prinzip alle zwölf Wochen in einen Muskel am Oberarm oder Gesäß injiziert. Das erste Mal geschieht dies während der ersten fünf Tage des Monatszyklus. Findet die Injektion zu einem anderen Zeitpunkt statt, muss der Arzt sich zuvor vergewissern, dass die Betroffene nicht schwanger ist.

Drei Monate nach der ersten Spritze überpüft der Arzt in Abstimmung mit der Frau, ob die Methode fortgesetzt werden kann.

Die in der Folgezeit vorgeschlagenen Termine beim Arzt sollte die Frau möglichst auch deshalb einhalten, damit dieser Nebenwirkungen frühzeitig erkennen und darauf reagieren kann. Insbesondere wird er wegen des möglichen Risikos einer Osteoporose die Knochendichte regelmäßig kontrollieren (siehe unten).

Nur wenn weiterhin andere Verhütungsmethoden ausscheiden und keine Gegenanzeigen oder Einschränkungen bestehen, wird der Arzt die Anwendung der Hormonspritze länger als zwei Jahre in Betracht ziehen.

Wie wirkt die Dreimonatsspritze?

Das enthaltene Gestagen hemmt den Eisprung und unterdrückt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass eine gegebenenfalls befruchtete Eizelle sich nicht einnisten kann. Auch macht das Hormon den Schleim im Gebärmutterhals dickflüssiger. Demzufolge kapitulieren die Spermien: Sie können praktisch nicht mehr in die Gebärmutter eindringen.

Vorteile der Dreimonatsspritze

Die Dreimonatsspritze gilt als Verhütungsmittel mit guter Verhütungssicherheit. Die Anwenderinnen müssen "nur" alle drei Monate eine Spritze bekommen. Die Methode eignet sich zwar für Frauen, die längerfristig verhüten möchten oder deren Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Aber: Sie ist ausschließlich eine Alternative für den Fall, dass andere Methoden inklusive Verhütungspillen nicht infrage kommen.

Positiv zu vermerken ist, dass Menstruationsschmerzen nachlassen können und dass Einnahmefehler, wie sie bei der Pille möglich sind, entfallen.

Wird der richtige Zeitpunkt für die Folgeinjektion verpasst, gibt es noch ein paar Tage Spielraum, nämlich die 13. Woche.

Nachteile der Dreimonatsspritze

Liegt die letzte Spritze mehr als 13 Wochen zurück, ist der Empfängnisschutz nicht mehr sicher. Am besten berät sich die Frau dann mit ihrem Arzt.

Wird die Gabe der Depotspritze beendet, kann es über ein Jahr dauern, bis sich der normale Zyklus wieder einstellt.
 Daher eignet sich die Methode nicht für Frauen, die in absehbarer Zeit doch eine Schwangerschaft planen.

Einige Medikamente, zum Beispiel bestimmte Antibiotika, können die Wirkung des Gestagens beeinträchtigen. Daneben sind weitere Wechselwirkungen bekannt. Darüber informieren Arzt und Apotheker.

Nebenwirkungen der Dreimonatsspritze

Die Dreimonatsspritze greift in den Hormonhaushalt der Frau ein und kann in dieser Richtung verschiedene Nebenwirkungen verursachen. Besonders anfangs treten im Körper hohe Dosen an Gestagen auf. Oft wird in der Folge die Periode unregelmäßig. Es sind Schmier- und Zwischenblutungen möglich, auch kann die Regel ganz ausbleiben. Dazu kommen häufig Spannungsgefühle und Schmerzen der Brüste, die sexuelle Lust kann nachlassen (Libidoverlust).

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören außerdem Kopfschmerzen, Depressionen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Akne, Einlagerung von Flüssigkeit, Gewichtszunahme, Störungen der Leberfunktionen, Gelbsucht.

Außerdem vermindert die Hormonspritze die Knochendichte und erhöht das Risiko für eine Osteoporose. Dies hängt damit zusammen, dass unter der Spritze das körpereigene Östrogen deutlich sinkt. Es wird aber für den Knochenaufbau gebraucht. Da der Körper die Hauptmasse der Knochen in jungen Jahren anlegt, sind Gynäkologen mit der Hormonspritze bei jungen Frauen besonders zurückhaltend. Der Arzt wird eine entsprechend verhütende Frau jedoch beraten, wie sie am besten ihren Kalzium- und Vitamin-D-Bedarf deckt. Beides ist gerade auch für die Knochen wichtig.

Schließlich können allergische Reaktionen des Körpers auf Bestandteile in der Spritze sowie Entzündungen oder Blutungen am Injektionsort auftreten.

Die Anwenderin und ihr Frauenarzt werden entscheiden, wann die Therapie beendet werden sollte und daher von weiteren Hormonspritzen abzusehen ist, sei es aus medizinischen oder anderen Gründen.

Gegenanzeigen der Dreimonatsspritze

Zu den wichtigsten Gegenanzeigen der Dreimonatsspritze gehören ungeklärte Blutungen aus der Scheide, bestehende Venenentzündungen oder durchgemachte Venenthrombosen. Eine Thrombose ist ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel, zum Beispiel in einer Beinvene.

Auch Krankheiten wie Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs, schwere Lebererkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie eine Porphyrie, die das Blut oder die Leber betreffen kann, und eine Osteoporose schließen die Anwendung aus. Dasselbe gilt für eine bekannte Allergie gegen Bestandteile des Arzneimittels.

Wann ist besondere Vorsicht angebracht?

Bei Raucherinnen, die mit Hormonen verhüten, steigt das Risiko für arterielle Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich ab 35 Jahren und mit der Anzahl der täglich konsumierten Zigaretten.

Auch Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen, zum Beispiel des Zucker- und Fettstoffwechsels, gehören zu den Situationen, in denen Vorsicht bei der Anwendung einer hormonellen Verhütung geboten ist.

Der Arzt wird mit der Frau ausloten, ob nicht doch ein alternativer Weg der Verhütung infrage kommt, falls sich all diese Risiken nicht ausreichend beherrschen lassen.

Wichtig

Die Dreimonatsspritze kann zwar vor ungewollten Schwangerschaften schützen, aber nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV/Aids.


Pearl-Index: 0,2 bis 1,4




Bildnachweis: Imago stock & people GmbH/blickwinkel

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