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Verhütung: Pille, Kondom oder Spirale?

Die Anti-Baby-Pille ist das Verhütungsmittel Nummer 1. Doch es gibt eine Vielzahl weiterer Methoden, um Schwangerschaften zu verhindern


Welches Verhütungsmittel das richtige ist, muss jeder individuell entscheiden und sollte sich dabei auch vom Arzt beraten lassen

Eine Vielzahl von Verhütungsmitteln verhindert ungewollte Schwangerschaften. Die Pille ist für viele Frauen beziehungsweise Paare dabei seit Jahrzehnten die erste Wahl. Seit 1960 auf dem Markt, hat sie die Stellung der Frau in der Gesellschaft revolutioniert und Paaren eine Familienplanung ermöglicht. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt sie jedoch nicht. Hier sind Kondome die bessere Wahl.

Blick in die Statistik

55 Prozent aller Erwachsenen, die Empfängnisverhütungsmittel anwenden, entscheiden sich für die Pille, ergab die jüngste Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 36 Prozent der Frauen und Männer wählen Kondome, elf Prozent verhüten mit der Spirale. Verhütungsmittel wie Vaginalring und Dreimonatsspitze (jeweils zwei Prozent) werden relativ selten angewandt, obwohl sie ähnlich sicher wie die Pille sind. Die Sterilisation des Mannes (drei Prozent) beziehungsweise der Frau (zwei Prozent) kommt erst nach abgeschlossener Familienplanung in Frage. Mit Hormonimplantaten, der Temperatur-Methode und Babycomputern verhütet jeweils nur ein Prozent der Erwachsenen.


Die Sicherheit der Methoden

Welches Verhütungsmittel eine Frau wählt, sollte sie im Gespräch mit ihrem Gynäkologen entscheiden und auch den Partner in die Wahl miteinbeziehen. Nicht jede Frau verträgt die Pille oder andere hormonelle Präparate geleich gut. Die Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Kopfschmerzen, Brustspannen oder Gewichtszunahme können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich ausfallen. Auch die Sicherheit der Verhütungsmethode spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Das Maß für die Sicherheit bezeichnet man als Pearl-Index, benannt nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879–1940). Der Pearl-Index nennt die Zahl der Schwangerschaften, die laut Statistik eintreten, wenn hundert Frauen ein Jahr lang ein bestimmtes Verhütungsmittel anwenden.

Ein niedriger Pearl-Index bedeutet: wenig Schwangerschaften und damit hohe Sicherheit der Verhütungsmethode. Ein höherer Pearl-Index heißt: mehr Schwangerschaften und geringere Sicherheit. Wird überhaupt nicht verhütet, liegt der Pearl-Index bei jungen Frauen bei etwa 80. Mit zunehmenden Alter sinkt er ab, bis er sich in der Menopause schließlich auf Null reduziert.

Pearl-Index verschiedener Verhütungsmittel

Die folgende Auflistung gibt den Pearl-Index der verschiedenen Verhütungsmethoden an. Die teilweise großen Spannweiten der Werte führen Mediziner darauf zurück, dass die Verhütungsmittel nicht immer korrekt angewendet werden. „Es kann jeder Frau passieren, dass sie einmal eine Pille vergisst“, sagt der Münchner Frauenarzt Dr. Klaus Ihm. Um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden, ist es dann wichtig, sich umgehend beim Frauenarzt oder in der Packungsbeilage zu informieren, was zu tun ist.

  • Mikropille

Pearl-Index 0,1 bis 0,9.

Die meisten Pillen sind Mikropillen. Sämtliche Mikropillen enthalten die Hormone Östrogen und Gestagen und verhindern den Eisprung. Häufigster Einnahmefehler: Die Pille wird vergessen oder Erbrechen oder Durchfall verhindern, dass sie vom Körper aufgenommen wird. Auch die Einnahme von anderen Medikamenten, etwa Antibiotika, kann die Wirksamkeit gefährden.

  • Minipille

Pearl-Index: 0,5 bis 3

Die Minipille enthält nur ein Gestagen. Sie führt unter anderem dazu, dass sich der Gebärmutter-Schleim verdickt und verhindert so die Befruchtung der Eizelle. „Den Eisprung verhindern Minipillen aber nicht“, erklärt Frauenarzt Klaus Ihm. Bei Minipillen ist es daher noch wichtiger, sie jeden Tag zur gleichen Zeit einzunehmen, der Spielraum liegt bei lediglich maximal drei Stunden.

  • Kondom

Pearl-Index: 2 bis 12

Kondome sind zwar nicht ganz so sicher wie hormonelle Präparate. Doch sie beugen als einziges Verhütungsmittel auch der Übertragung bestimmter Krankheiten beim Geschlechtsverkehr wie HIV/AIDS, Syphilis oder Hepatitis B vor. Männer und Frauen, die sich nicht sicher sind, dass ihr Sexualpartner gesund ist, sollten auf jeden Fall zusätzlich mit Präservativen verhüten.

  • Vaginalring (Hormonring)

Pearl-Index: etwa 0,4 bis 0,65

Der Plastikring gibt Gestagen und Östrogen ab. Die Hormone werden direkt über die Scheidenwand und nicht wie bei der Pille über den Verdauungstrakt aufgenommen. „Anders als die Pille ist der Vaginalring auch dann wirksam, wenn die Frau an Durchfall oder Erbrechen leidet“, sagt Gynäkologe Ihm.

  • Hormonpflaster (Verhütungspflaster)

Pearl-Index: 0,2 bis 0,9

Verhütungspflaster wirken ebenfalls durch die Abgabe von Hormonen und müssen einmal wöchentlich gewechselt werden. Durchfall und Erbrechen beeinträchtigen die Sicherheit nicht, es kann sich aber ablösen. Auch Hautreizungen sind möglich.

  • Hormonimplantat

Pearl-Index: 0 bis 0,08

Hormonimplantate enthalten nur Gestagen und kein Östrogen. Sie hemmen den Eisprung und verdicken den Zervixschleim. Ihr Pearl-Index ist sehr niedrig, da Einnahmefehler im Grunde ausgeschlossen sind. Allerdings sollten sich Frauen sehr sicher sein, dass sie mittelfristig kein Kind haben möchten, denn Hormonimplantate wirken drei Jahre lang im Körper. „Bei manchen Frauen rufen sie Akne hervor“, warnt Frauenarzt Ihm. Zur Sicherheit sollten Patientinnen vorher eine östrogenfreie Pille ausprobieren. Wenn sie von der Pille keine Hautprobleme bekommen, ist dies auch beim Hormonimplantat normalerweise nicht zu befürchten.

  • 3-Monats-Spritze

Pearl-Index: etwa 0,3 bis 1,4

Auch bei der 3-Monats-Spritze ist die Gefahr von Einnahmefehlern gleich Null. Durchfall und Erbrechen schränken die Sicherheit nicht ein. Allerdings haben die Spritzen einen höheren Pearl Index als zum Beispiel Mikropillen oder Hormonimplantate.

  • Hormonspirale

Pearl-Index: 0,2

Die Hormonspirale ist aus flexiblem Kunststoff und gibt direkt in der Gebärmutter das Hormon Gestagen ab. Der Eisprung wird nicht verhindert. Die Hormonspirale kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. „Sie ist im Gegensatz zur Kupferspirale auch für jüngere Frauen geeignet. Ich empfehle sie manchmal Patientinnen mit starken Blutungen, da die Periode durch die Hormonspirale schwächer wird“, sagt Frauenarzt Ihm.

  • Kupferspirale

Pearl-Index: 0,9 bis 3

Auch die Kupferspirale besteht aus Kunststoff und ist mit einem Kupferdraht umwickelt. Sie wirken unter anderem spermienabtötend und hemmen die Einnistung der Einzelle. Die Kupferspirale enthält keine Hormone, Anwendungsfehler sind so gut wie ausgeschlossen. Nach Einsatz durch den Frauenarzt kann sie mehrere Jahre in der Gebärmutter bleiben. Nachteil: Die Menstruationsblutung kann stärker und schmerzhafter ausfallen. „Selten kommt es zu Gebärmutterentzündungen, die im schlimmsten Fall zur Unfruchtbarkeit führen können“, warnt Gynäkologe Ihm. Aus diesem Grund ist die Kupferspirale für Frauen, die sich später noch Kinder wünschen, nicht empfehlenswert. Frauen, deren Familienplanung bereits abgeschlossen ist, bietet die Kupferspirale jedoch eine langfristige Verhütung ohne Hormone.

  • Diaphragma / Portiokappe

Pearl-Index: 1 bis 20

Ein Diaphragma oder eine Portiokappe muss vom Frauenarzt angepasst werden und exakt über dem Muttermund sitzen. Die Verhütung ist hormonfrei, jedoch vergleichsweise unsicher, da die Gummikappe verrutschen kann und dann keinen Schutz mehr bietet.

  • Zeitwahlmethoden (Babycomputer, Kalendermethode nach Knaus-Ogino, Billings-Methode zur Bestimmung des Schleims)

Pearl-Index: 0,3 bis 20

Frauen, die in ihrer momentanen Lebensphase definitiv kein Kind möchten, sollten eine Verhütungsmethode mit größerer Sicherheit wählen. Den ein verlässlicher Schutz ist von vielen Faktoren abhängig. Dieses Verhütungsmittel kommt eigentlich nur für Frauen mit regelmäßigem Zyklus, geregeltem Tagesablauf, ausgeprägtem Körperbewusstsein und viel Disziplin in Frage. Während der fruchtbaren Tage sind andere Verhütungsmethoden wie Kondome erforderlich, wenn nicht Enthaltsamkeit geübt wird.

  • Chemische Verhütungsmittel (Spermizide)

Pearl-Index: 3 bis 21

Spermizide als Gel, Schaum oder Zäpfchen haben einen hohen Pearl-Index und sind daher wenig sicher. Wenn Sie in Kombination mit Diaphragma, Portiokappe oder Kondom angewendet werden, sollten die Anwendungshinweise beider Verhütungsmittel genau beachtet werden. Vorsicht: Einige Spermizide können die Sicherheit von Kondomen herabsetzen.

Welche Methode ist für mich die richtige?

Fazit: Auf Empfängnisschutz nur während der „fruchtbaren Tage“ sollte sich definitiv keine Frau verlassen, die nicht schwanger werden möchte. Frauenarzt Ihm: „Der Eisprung findet nicht immer in der Zyklusmitte statt und ist vielen äußeren Faktoren wie Krankheit, Stress oder Schlafmangel unterworfen.“

Pearl-Index, Lebensumstände, Verträglichkeit: Die ideale Verhütung ist von Frau zu Frau unterschiedlich und kann sich im Laufe des Lebens ändern. „Jungen Frauen empfehle ich meistens die Pille oder den Hormonring“, sagt Gynäkologe Ihm. Für ältere Frauen kommt oft eine Spirale infrage. Wichtig bei allen Methoden sind die sorgfältige Anwendung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Frauenarzt.



Simone Herzner / www.apotheken-umschau.de; 28.10.2005, aktualisiert am 04.01.2012
Bildnachweis: W&B/Michael Schwerberger

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