Wenn wir früher mit dem Auto in die Ferien fuhren, gab es immer einen großen Geschwisterstreit, wer hinter meinem Vater – dem Fahrer – sitzen musste. Denn spätestens fünf Minuten nach Abfahrt begann seine Klimaanlage ihr volles Können unter Beweis zu stellen und kühlte die linke Autoseite auf gefühlte minus 50 Grad Celsius herab. Zum Glück rettete uns unsere Mutter jedes Mal mit dem warmen Gebläse von ihrer Seite und so sprangen wir dem Erfrierungstod doch immer wieder von der Schippe.
Aus diversen Anekdoten aus dem Freundeskreis weiß ich, dass ich kein Einzelschicksal durchlitt. Der Klimaanlagentemperatur-Streit auf Autofahrten und in Hotelzimmern scheint bei Reisen, an denen unterschiedliche Geschlechter teilnehmen, unumgänglich zu sein. Natürlich kann eine Klimaanlage an heißen Sommertagen auch sehr angenehm sein, aber ist die Kühlung der Luft eigentlich gesund?
"Man kann nicht pauschal sagen, dass Klimaanlagen ungesund sind", erklärt Dr. Georg Vogt, Umweltmediziner beim Gesundheitsamt Duisburg. Aber man sollte ein paar Punkte beachten:
Die Temperatur
Der Unterschied zwischen dem klimatisierten Raum oder Auto und der Außentemperatur sollte maximal sechs Grad Celsius betragen. "Größere Temperaturunterschiede belasten den Organismus und es kann im schlimmsten Fall sogar zum Kreislaufkollaps kommen", warnt Vogt.
Außerdem sollte man die Klimaanlage nicht zu kalt einstellen. Vor allem, wenn man verschwitzt aus der Hitze kommt. Die klimatisierte, kalte und trockene Luft führt zu einer schnellen Verdunstung des Schweißes und zu einer raschen, oft zu starken, Abkühlung. Das kann Erkältungen begünstigen.
Die trockene Luft
Klimaanlagen machen die Luft nicht nur kalt, sie entziehen ihr auch Feuchtigkeit. Vor allem im Flugzeug kann das zum Problem werden. Denn die Haut trocknet schnell aus, besonders an den Stellen, an denen sie unbedeckt und zart ist. "Am besten cremt man sich vor dem Flug noch einmal ordentlich ein. Wenigstens Gesicht, Hals, Dekolleté, Unterarme und vielleicht noch die Füße", rät der Arzt.
Außerdem ist es ratsam, die Schleimhäute feucht zu halten. Vor allem in der Nase. Denn eine trockene Schleimhaut lässt Krankheitserreger schneller eindringen. "In der Apotheke bekommt man Nasensalben, die sich für diesen Zweck wunderbar eignen", rät Vogt.
Die Übertragung von Keimen über die Flugzeug-Klimaanlage ist – ganz im Gegenteil zur landläufigen Überzeugung – kein Problem. Der kalte Luftstrom wird von der Decke zum Boden geleitet und somit verteilt er keine Keime quer durch den Flieger. Außerdem werden die Anlagen ständig gewartet, die Filter regelmäßig getauscht und das komplette Kühlsystem unterliegt, wie alles im Flugzeug, strengen Kontrollen und Auflagen.
Die Verkeimung
Die Klimaanlage entzieht der warmen Luft beim Kühlvorgang Wasser. Die Feuchtigkeit schlägt sich am Wärmeaustauscher nieder. Die Anlage ist zwar auf der einen Seite sehr kühl, auf der anderen aber warm, denn dort wird die Hitze abgeleitet. Nässe und Wärme ergeben zusammen ein wunderbares Brutklima für Bakterien und Pilze. In ungünstigen Fällen vermehren sich sogar Legionellen, die vor allem für abwehrgeschwächten Personen gefährlich werden und die Legionärskrankheit auslösen können.
Gerade Autoklimaanlagen sind oft verkeimt. "Man bemerkt es durch einen muffigen Geruch beim Einschalten der Klimaanlage", erklärt Vogt. Beim Auto werden daher desinfizierende Sprays eingesetzt. Großklimaanlagen, wie sie in Büros vorkommen, müssen regelmäßig gewartet werden. Durch das Austauschen der Filter kann man verhindern, dass sich Bakterien und Pilze in der Anlage einnisten.
Die Umwelt
Und wie steht es um die Umweltverträglichkeit von Klimaanlagen? "Eine Klimaanlage erhöht im Auto den Energieverbrauch", so Gabriele Hoffmann vom Umweltbundesamt Dessau-Roßlau. Leider gibt es noch keine europäische Vorschrift zur Angabe des Zusatzverbrauches durch die Klimaanlag. Das würde dem Kunden einen besseren Überblick verschaffen. Auf der anderen Seite weiß Hoffmann, dass auch ein geöffnetes Fenster den Luftwiderstand des Autos erhöht und daher zu einem ähnlich hohen Energieverbrauch führen kann.
Tipps: Man sollte die Klimaanlage nur bei Bedarf anschalten und die Temperatur nicht zu stark runterkühlen. "Und vor der Fahrt kann man auf die altmodische Art des passiven Klimatisierens zurückgreifen – sprich Türen auf und Luftzug", so Hoffmann. So wird der Kühlaufwand und auch hoher Luftzug verringert.
Die Sicherheit
Klimaanlagen sind mittlerweile in ungefähr 96 Prozent der Neuwagen eingebaut, sie erhöhen den Komfort für den Fahrer deutlich. Außerdem tragen sie auch zur Sicherheit bei. "Bei 28 Grad Celsius lässt die Konzentration am Steuer oft nach", warnt Hoffmann. Da kann ein kühler Kopf sehr hilfreich sein.
Individuelle Vorlieben
Die Wohlfühltemperatur oder wie sehr man Luftzug mag, variiert von Mensch zu Mensch. Daher müssen sich mehrere Leute in einem klimatisierten Raum auf einen Kompromiss einigen. Und jetzt wären wir wieder beim Klimaanlagenstreit: Bleibt zu hoffen, dass man mit Kollegen in einem Büro sitzt, die die gleichen Vorlieben haben wie man selbst…
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
26.09.2011, aktualisiert am 27.09.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Stockbyte
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