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Übergewicht
Sind dicke Menschen willensschwach?

Warum Fettleibigen das Abnehmen besonders schwer fällt, erklärt ein Ernährungsexperte

Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam- Rehbrücke untersucht unter anderem, wie der Organismus das Gewicht reguliert und welche Erbanlagen (Gene) dabei eine Rolle spielen.

Sind fettleibige Menschen zügellos?
Nein. Ich würde ihnen keine Willensschwäche vorwerfen. Im Vergleich zu schlanken Menschen ist die körpereigene Gewichtsregulation von Fettleibigen verstellt. Dicke kämpfen – nach allem, was die Wissenschaft weiß – mit zwei Problemen. Erstens: Sie haben mehr Hunger als Normalgewichtige. Und zweitens: Wenn sie es schaffen abzunehmen, sinkt ihr Grundumsatz auf ein unangemessen niedriges Niveau.

Was bedeutet das genau?
Wenn ein Übergewichtiger abnimmt, beispielsweise auf 70 Kilogramm, dann liegt sein Energieverbrauch bei diesem Gewicht niedriger als bei jemandem, der sein Leben lang ohne Diät 70 Kilo schwer war. Um sein neues Gewicht zu halten, muss der vormals Dicke mit weniger Essen auskommen als ein Normalgewichtiger. Er hat einen mächtigen biologischen Regulationsmechanismus gegen sich und muss immerfort kämpfen.


Ist die verstellte Gewichtsregulation in den Erbanlagen festgelegt? Oder entwickelt sie sich im Lauf des Lebens?
Das ist nicht bis ins Letzte geklärt. Sicher ist, dass die Gene eine große Rolle spielen. Die Steuerung von Hunger und Energieumsatz ist ein biologischer Regelkreis mit vielen Komponenten. Diese variieren zwischen Personengruppen, weil sich deren Gene unterscheiden. Wie stark darüber hinaus Faktoren wie die Ernährung im Kindesalter die Gewichtsregulation langfristig umprogrammieren können, wird erforscht. Die Ergebnisse sind aber noch nicht so umfassend, dass sich Verhaltens- Empfehlungen ableiten ließen.

Gibt es denn gar nichts, was es einem erleichtert, nach einer Diät schlanker zu bleiben? Wie steht es mit Bewegung?
Damit lässt sich tatsächlich ein Teil des Problems lösen. Offenbar erzeugt nämlich zusätzlicher Kalorienverbrauch durch Sport bis zu einem gewissen Grad keinen größeren Hunger. Allerdings muss man dafür einiges tun: Experten empfehlen, 2000 Kilokalorien pro Woche durch Bewegung zu verbrennen. Das entspricht drei Stunden schnellem Radfahren oder sechs Stunden Walking, und das
ist schon ziemlich viel.


Gesundheit



Gesundheit; 05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Bildnachweis: Stockbyte/RYF

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