Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit müssen inzwischen als übergewichtig oder adipös eingestuft werden, wobei zunehmend auch Kinder von dieser anhaltenden Entwicklung betroffen sind. Übergewicht wird als Körpermassen-Index (Body-Mass-Index, BMI) über 25 kg/m2; definiert (Berechnung: Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch Körpergröße in Metern im Quadrat). Adipositas, also Fettleibigkeit, wird in 3 Schweregrade eingeteilt:
• Grad 1: BMI 30 – 34.99 kg/m2
• Grad 2: BMI 35 – 39.99 kg/m2
• Grad 3: BMI über 40 kg/m2
Es bestehen klare Zusammenhänge zwischen einem erhöhten BMI und dem Auftreten von Insulinresistenz. Darunter versteht man eine Unempfindlichkeit gegen Insulin, was bedeutet, dass der Körper mehr von diesem Stoffwechselhormon benötigt, um den Zucker (die Glukose) zu verstoffwechseln. Das wiederum trägt mit dazu bei, dass rascher Gewicht zugenommen wird, da Insulin auch die Eigenschaft hat, Fettspeicher aufzubauen. Alles in allem ist bei einer Insulinresistenz die Vorstufe zum Diabetes (Typ 2) bzw. tatsächlich ein Diabetes erreicht. Genauere Prognosen für eine Insulinresistenz geben allerdings andere Werte, zum Beispiel der Bauchumfang oder das mittels Bildgebung messbare Bauchfett, weil beim BMI nicht zwischen „gutem“ (Unterhaut-)Fett und „schlechtem“ (Bauch-)Fett unterschieden wird.
Weitere Veränderungen wie erhöhte Triglyzeride („Neutralfette“ im Blut), zu niedriges „gutes“ HDL-Cholesterin, Bluthochdruck oder Erhöhungen des Nüchternblutzuckers werden häufiger bei Menschen mit Übergewicht beobachtet und in bestimmten Konstellationen als „metabolisches Syndrom“ bezeichnet, ein Komplex aus zu hohem Körpergewicht, Risikofaktoren für Gefäßkrankheiten und Typ-2-Diabetes (siehe dazu die Erklärung in der Frage „Einmal dick – immer dick?“ aus dieser Sprechstunde). Während das metabolische Syndrom bei Männern derzeit noch häufiger als bei Frauen auftritt, steigt die „Häufigkeitskurve“ bei Frauen immer steiler an, sodass in absehbarer Zeit mit einem „Gleichziehen“ der Geschlechter zu rechnen sein dürfte.
Übergewichtige Erwachsene, aber zunehmend auch bereits Kinder, leiden häufiger an Typ-2-Diabetes. Auch Erkrankungen der Leber, etwa eine Fettleber, Speiseröhre (Rückfluss bzw. Reflux von Magensaft mit Beschwerden wie Sodbrennen) und Atemwegen (Schlafapnoe, das heißt Atemstillstände während des Schlafs) sowie einige Krebserkrankungen, zum Beispiel der Niere, der Gebärmutterschleimhaut, des Dickdarms, der Prostata, Gallenblase oder Brust, werden vermehrt beobachtet.
Als Folge von Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und dauerhaft hoher Herzleistung können das Herz und das Kreislaufsystem nachhaltig geschädigt werden, mit dem vermehrten – und auf das Lebensalter bezogen zu frühen – Auftreten von Arterienverkalkungen, also Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzleistungsschwäche und Herzrhythmusstörungen.
Da das Skelettsystem dauerhaft vermehrt belastet wird, kommt es zudem häufiger zu Problemen mit den Gelenken, zum Beispiel Gelenkverschleiß beziehungsweise Arthrose. Übergewichtige Frauen leiden häufiger am sogenannten Syndrom der polyzystischen Ovarien („PCOS“, eine hormonelle Erkrankung, bei der es zu unregelmäßigem Eisprung, ungewollter Kinderlosigkeit, Gewichtszunahme oder vermehrter Körperbehaarung kommt).
Allerdings entwickelt eine relevante Anzahl an übergewichtigen Menschen keine besonderen Folgeerkrankungen. Dies legt nahe, dass neben Umweltfaktoren (zu hohe Energiezufuhr in Kombination mit zu geringem Energieverbrauch) eben auch genetische Faktoren und beispielsweise das Fettverteilungsmuster – Bauchfett versus Unterhautfett – eine wesentliche Rolle spielen.
Dr. Martin O. Weickert
Unser Experte aus der Sprechstunde "Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas)" beantwortet interessante Fragen rund um dieses Thema.
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
surfmed/www.apotheken-umschau.de;
27.07.2007, aktualisiert am 04.01.2011
Bildnachweis: Creativ Collection/RYF