Typhus

Typhuserkrankungen breiten sich vor allem bei schlechten hygienischen Bedingungen aus. Wer in Risikogebiete reist, sollte sich vorab zur Impfung beraten lassen
von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 13.04.2017

Typhus wird durch Bakterien verursacht: Der Erreger unter dem Mikroskop

Okapia/Institut Pasteur/CNRI

Typhuserkrankungen werden von Mensch zu Mensch übertragen. Infizierte scheiden den Krankheitserreger über den Stuhl aus. Bei sogenannten Dauerausscheidern geschieht das manchmal über Jahre hinweg, ohne das diese Menschen selbst krank sind. Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion – also meist über Essen oder Wasser, das mit dem Erreger verunreinigt ist. Die hygienischen Verhältnisse spielen eine entscheidende Rolle.

Verantwortlich für die Erkrankung sind bestimmte Bakterien:

  • Salmonella typhi (Neue Bezeichnung: Salmonella enterica ssp. enterica Serovar Typhi) löst das schwere typhoide Fieber aus, auch Typhus abdominalis genannt.
  • Salmonella paratyphi verursacht das paratyphoide Fieber (Paratyphus).

Besonders gefährdet für eine Infektion sind Neugeborene, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, verminderter Magensäureproduktion oder entzündlichen Darmerkrankungen.

Touristen sollten sich auf Reisen in Risikogebieten vor Typhus schützen

Thinkstock/Lifesize

Verbreitung: Wo kommt Typhus vor?

Der Typhus-Erreger kommt weltweit vor. Jährlich erkranken mehr als 20 Millionen Menschen, 200.000 sterben. Vor allem in Asien, insbesondere in Südostasien, finden sich entsprechende Hochrisikogebiete. In Industrienationen treten Erkrankungen fast ausschließlich nach Fernreisen auf.

Auch Salmonella parathyphi ist weltweit verbreitet. Das Bakterium wird in regional unterschiedlich verteilte Gruppen A, B und C eingeteilt. In Europa findet sich vor allem Salmonella paratyphi B.

Welche Symptome sind typisch?

Nach Ansteckung mit dem Erreger Salmonella typhi vergehen ungefähr eine bis drei Wochen bis zum Erkrankungsbeginn an sogenanntem typhoidem Fieber/Typhus abdominalis. Im Weiteren verläuft die Krankheit in vier ineinander übergehenden Stadien:

  • Erstes Stadium (Stadium prodromale): Im ersten Stadium setzen unspezifische Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie leicht erhöhte Temperaturen ein.
  • Zweites Stadium (Stadium incrementi): Nach ein bis drei Wochen steigt das Fieber innerhalb von ein bis zwei Tagen rasch auf über 40 Grad Celsius an. Zu den stärker werdenden Kopf- und Gliederschmerzen kommen Bauchschmerzen und beginnende Bewusstseinsstörungen hinzu.
  • Drittes Stadium (Stadium acmes): In den nächsten ein bis drei Wochen bleibt das Fieber konstant auf Temperaturen um die 40 Grad Celsius, ohne dass sich der Puls beschleunigt. Es tritt schwerstes Krankheitsgefühl mit Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit auf. Erkrankte wirken ausgetrocknet, heiß und blass. Häufig ist die Zunge gräulich belegt (Typhuszunge). Viele leiden in diesem Stadium an Verstopfung. Außerdem können eine Milzschwellung und ein rötlich-fleckförmiger Hautausschlag am Oberkörper und an der Bauchhaut auftreten (sogenannte Roseolen).
  • Viertes Stadium (Stadium decrementi): Im vierten Stadium geht das Fieber, insbesondere in den Morgenstunden, zurück. In diesem Stadium geht es den Patienten, vor allem durch Gewichts- und Flüssigkeitsverlust, am schlechtesten. Die Verstopfung löst sich und es treten die für die Erkrankung typischen "erbsbreiartigen" Durchfälle auf, in denen der Erreger enthalten ist, so dass Ansteckungsgefahr besteht. Im gleichen Zeitraum werden die Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, insbesondere auf Druck, schlimmer. Diese Phase dauert bis zu fünf Wochen. Komplikationen kommen vor allem in dieser Zeit vor. Dazu zählen Darmblutungen, ein Darmdurchbruch, Knochenmarks-Entzündungen, Blutgerinnselbildung (Thrombose, Embolie), Herz- und Hirnbeteiligung.

Ist das vierte Stadium überstanden, bilden sich die Symptome zurück. Der Erkrankte klart wieder auf und der Allgemeinzustand bessert sich langsam. Im Verlauf kann es zu Haarausfall kommen, der sich fast immer zurückbildet. Die Krankheit kann noch bis zu einem Monat lang wiederauftreten.

Eine Ansteckung mit Salmonella paratyphi verläuft als paratyphoides Fieber ähnlich – jedoch meist milder und komplikationsärmer.

Autor und Experte: Dr. Markus N. Frühwein

W&B/Privat

Diagnose: Wie stellt der Arzt Typhus fest?

Die Symptome sind der wichtigste Hinweis auf die Erkrankung. Hielt sich der Patient kürzlich in Risikogebieten auf, stützt das die Diagnose. Ein begründeter Verdacht reicht dem Arzt aus, um mit einer entsprechenden Therapie zu beginnen.

Eine sichere Diagnose lässt sich stellen, wenn der Erreger im Blut oder Knochenmark nachweisbar ist. Leidet der Patient im weiteren Krankheits-Verlauf an Durchfall, gelingt eventuell ein Erregernachweis im Stuhl.

In der Blutuntersuchung findet sich oft eine verminderte Zahl weißer Blutkörperchen. Eosinophile Leukozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, fehlen zu Beginn der Erkrankung häufig.

Lassen sich nach erfolgter Therapie für mehr als sechs Monate Erreger im Stuhl nachweisen, sprechen Ärzte von "Dauerausscheider". Solche Menschen sind zwar selbst nicht mehr krank, können aber andere anstecken. Dies betrifft jedoch nur ein bis vier Prozent der Erkrankten.

Verdachtsfälle, Erkrankungen und Todesfälle von typhoidem und paratyphoidem Fieber müssen an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Dies gilt auch für Dauerausscheider.

Therapie: Wie kann man Typhus behandeln?

Der Arzt verordnet bestimmte Antibiotika. Gegen einzelne Antibiotika haben die Erreger allerdings schon starke Resistenzen gebildet. In seltenen, sehr schweren Fällen verabreicht der Arzt ein Kortisonpräparat in hohen Dosen.

Wichtig ist, dass der Kranke ausreichend Flüssigkeit erhält, insbesondere bei Durchfällen. Hier sollte auf die Einnahme von Medikamenten, die den Durchfall stoppen, lieber verzichtet werden, weil der Erreger damit nur länger im Darm gehalten wird.

Dauerausscheider sollten ebenfalls mit Antibiotika behandelt werden. Die Therapie dauert mehrere Wochen. Da die Erreger hier häufig in der Gallenblase sitzen, ist eine Gallenblasenentfernung eine Möglichkeit zur Therapie, wenn Antibiotika nicht wirken.

Eine durchgemachte Erkrankung hinterlässt bei den meisten Personen einen Schutz vor einer erneuten Erkrankung.

Gegen Typhus gibt es eine Impfung. Wer in Risikogebiete reist, lässt sich am besten beim Arzt beraten

Jupiter Images GmbH/Comstock Images

Typhus: Impfung und Vorbeugung

Um Typhus vorzubeugen, sollte man in Risikogebieten sorgfältig auf die Lebensmittelhygiene achten. So sollten Reisende Trinkwasser nur aus original verschlossenen Flaschen trinken. Insbesondere in Regionen mit schlechter Abwasserentsorgung ist Leitungswasserkontakt zu vermeiden. Dort auch lieber kein rohes Obst und Gemüse essen, da es häufig unter Leitungswasser gewaschen wird. Auf unzureichend gegarte Speisen grundsätzlich verzichten!

Zum Schutz gegen das typhoide Fieber stehen Impfstoffe zur Verfügung. Ein Lebendimpfstoff zum Schlucken bietet Schutz für ein Jahr. Er wird dreimal innerhalb von fünf Tagen eingenommen. Der Injektionsimpfstoff (ein Totimpfstoff) schützt für drei Jahre. Die Schutzwirkung ist gut, aber nicht vollständig. Die Impfungen wirken nicht gegen Paratyphuserkrankungen. Die Schutzrate liegt bei etwa 70 Prozent. Insbesondere für Reisen nach Asien kann eine Impfung sinnvoll sein – vor allem bei einfachem Hygienestandard (Rucksacktourismus). Der Arzt berät dazu.

Typhus: Geschichte

Der Begriff "Typhus" leitet sich aus dem Altgriechischen typhos (Dunst, Nebel) ab – vermutlich eine Beschreibung des getrübten Bewusstseins der Erkrankten.

Im Rahmen der fortschreitenden Industrialisierung fand im 19. Jahrhundert ein ausgeprägtes Städtewachstum statt. Häufig konnte die Wasser- und Abwasserversorgung nicht gewährleistet werden. So kam es zur massiven Verbreitung des Typhus vor allem bei Stadtbewohnern. Da keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten zur Verfügung standen, starben viele Menschen in dieser Zeit. Erst mit dem Ausbau der Kanalisationen wurde die Erkrankung weitgehend aus den Industrienationen verbannt.

Autor: Dr. med. Markus Frühwein, Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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