Hörzentrum im Gehirn: Meist liegt dem Tinnitus eine Störung im Ohr und/oder im weiteren Hörsystem zugrunde. Im chronischen Stadium und bei ganz seltenen Erkrankungen des Gehirns liegt die Ursache der Phantomgeräusche nicht im Innenohr, sondern im zentralen Hörsystem selbst.
Übermäßiger Lärm, sehr laute Musik und knallende Geräusche direkt neben dem Ohr – wie durch einen platzenden Luftballon, beim Schießen oder bei einem Schlag aufs Ohr – sind bei der Hälfte der Betroffenen die Ursache.
Hörsturz: Ein Tinnitus kann auch durch einen Hörsturz verursacht werden. Die Betroffenen empfinden den Hörsturz aber oft nicht als Hörverlust, da er meist nur wenige Hörfrequenzen betrifft und nicht sehr ausgeprägt ist. Sie bemerken dann oft nur den Tinnitus, einen Druck oder ein pelziges Gefühl im Ohr und ein Unwohlsein.
Weitere Ursachen: Die störenden Geräusche können nach einem Autounfall auftreten, wenn das Innenohr durch den Aufprall des Kopfes beschädigt wird. Mögliche Ursachen sind auch eine Menière-Krankheit mit stundenlangen Drehschwindel-Anfällen oder ein gutartiger Tumor am Hörnerv.
Medikamente: Einige Wirkstoffe haben Nebenwirkungen, die sich auch auf das Hörsystem auswirken und damit einen Tinnitus hervorrufen können:
- bestimmte Antibiotika, die nur noch bei einer Gehirnentzündung oder einer Tuberkulose verabreicht werden müssen
- Diuretika, die die Nierenfunktion anregen und den Körper entwässern
- Acetylsalicylsäure, aber nur in sehr hohen Dosierungen ab 2000 Milligramm.
Stress: Psychischer oder körperlicher Stress löst keinen Tinnitus im Gehirn aus. 26 Prozent der Menschen mit chronischem Tinnitus berichten jedoch, dass sie viel Stress hatten oder haben. Die Ohrgeräusche sind demnach auch ein „innerer Seismograph“ der aktuellen Befindlichkeit.
Gefühle hören: Betroffene mit chronischem Tinnitus nehmen emotionale Eindrücke auch mit Gehirnarealen wahr, die mit der Hörbahn vernetzt sind. Das ergaben Studien des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim – die Wissenschaftler zeigten den Testpersonen Bilder mit traurig wirkenden Gesichtern.
Gehirn dauerhaft sensibilisiert: Auf den Biologen Pawel Jastreboff geht ein neurophysiologisches Modell zurück, das die Entstehung der Ohrgeräusche erklären soll: Zuerst sind die Geräusche mit gewissen Assoziationen wie Angst, Kontrollverlust und Hilflosigkeit zeitlich eng verknüpft. Später lösen die Assoziationen selbst eine Verstärkung des Tinnitus aus. Mit Hilfe von funktionellen bildgebenden Verfahren konnten Wissenschaftler der Universität Konstanz bei Personen mit chronischem Tinnitus zeigen, dass das Gehirn tatsächlich überaktiv in den Bereichen ist, die für das Hören verantwortlich sind.