Ohrgeräusche (Tinnitus): Therapien in der akuten Phase

Die Behandlung richtet sich nach der Form des Tinnitus. Bei akuten Ohrgeräuschen können je nach Ursache Medikamente, Tinnitus-Counseling und Entspannungsmethoden helfen
aktualisiert am 03.04.2017

In manchen Fällen hilft eine Sofortbehandlung mit Infusionen

PhotoDisc/RYF

Schieben Sie die Untersuchungen nicht lange vor sich her. Gehen Sie in jedem Fall zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, wenn die Ohrgeräusche länger als 24 Stunden anhalten. Der Arzt wird die Ohren eingehend untersuchen und das Gehör überprüfen. Gegebenenfalls folgen weitere apparative Untersuchungen (siehe Kapitel "Diagnose").

Für die Therapie eines akuten Tinnitus ohne erkennbare Ursache setzen die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oft Medikamente in Form von Infusionen oder Tabletten ein. Liegen bestimmte Ursachen vor, kommt eventuell auch eine hyperbare Sauerstofftherapie infrage. Gleichzeitig ist es schon im akuten Stadium sinnvoll, gezielt zu entspannen und Stress abzubauen.

Tabletten oder Infusionen bei aktuem Tinnitus

Nur noch in besonderen Fällen setzt der HNO-Arzt in der akuten Phase durchblutungsfördernde Mittel ein – diese Medikamente waren früher die erste Wahl. Meist verabreicht er ein chemisch "nachgebautes" körpereigenes Hormon (Prednisolon, ein Kortisonpräparat), das den Zellstoffwechsel in den Hörsinneszellen und die elektrische Leitfähigkeit der Hörbahnen verbessern soll. Es hat sich im Akutfall oft als wirksam erwiesen. Der Tinnitus-Patient erhält das Mittel in Form von Tabletten oder Infusionen. Gegebenenfalls spritzt der Arzt das Kortison auch direkt ins Mittelohr (intratympanal), wenn die Behandlung mit Tabletten oder Infusionen nicht erfolgreich war. Eine Kortisontherapie gilt aber nur bei unbekannter Ursache oder dann, wenn eine Erkrankung des Innenohrs, etwa ein Hörsturz oder die Menière-Krankheit, den Tinnitus ausgelöst hat. War der Auslöser eine Mittelohrentzündung, kommen andere Therapien infrage, zum Beispiel Antibiotika.

Ein akuter Tinnitus, der im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung aufgetreten ist, legt sich meistens mit der Behandlung der Grunderkrankung, wie eben einer Mittelohrentzündung.

Bei einem Hörsturz behandelt der Arzt häufig zuerst mit Infusionen, um die akuten Beschwerden zu lindern. Das geschieht vor allem, wenn die Symptome sehr belastend und mit Tinnitus und Schwindel verbunden sind. Dabei setzt der Arzt manchmal durchblutungsfördernde Medikamente, häufiger jedoch Kortisonpräparate ein. Anschließend untersucht er den Betroffenen eingehend, um mögliche zugrunde liegende Erkrankungen aufzudecken. Das können zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder eine Menière-Krankheit sein. Entsprechend leitet der Arzt eine Therapie ein, die sich möglichst gezielt auf die Ursache bezieht.

Ein Knall- oder Explosionstrauma und eine akute Lärmschädigung gelten als Notfälle, die umgehend behandelt werden müssen – häufig mit Infusionen und gegebenenfalls operativen Eingriffen, um Schäden am Trommelfell und im Innenohr zu beheben. Häufig vergehen Tinnitus und Schwerhörigkeit mit der Therapie auch wieder. Eventuell ist auch eine hyperbare Sauerstofftherapie angezeigt, wenn Medikamente keine Besserung bringen (siehe unten). Bleiben die Beeinträchtigungen bestehen, gibt es geeignete Behandlungen mit Hörgeräten und gezielten Tinnitustherapien (siehe Kapitel "Langzeittherapie").

Hyperbare Sauerstofftherapie: Nur bei speziellen Tinnitusursachen

Wenn die Ohrgeräusche durch einen Hörsturz, durch Lärmeinwirkung oder eine Knallschädigung des Innenohrs entstanden sind und nach zwei bis drei Wochen weder spontan noch durch Medikamenteneinnahme verschwinden, bietet sich eine Sauerstoffüberdrucktherapie an. Mediziner sprechen von einer hyperbaren Oxygenation (HBO). Sie ist aber nur in der akuten Phase sinnvoll, das heißt beispielsweise, ein Lärmschaden sollte nicht länger als drei Monate zurückliegen.

Das Verfahren ahmt eine Art Tauchgang nach: Die Betroffenen setzen sich an zehn bis 15 aufeinander folgenden Tagen in eine Druckkammer, in der beim "Abtauchen" ein Überdruck von 1,4 bis 1,8 bar erzeugt wird, wie er in 14 bis 18 Metern Wassertiefe herrschen würde. Die Patienten setzen schließlich Masken auf und atmen reinen Sauerstoff ein. So sollen sich die geschädigten Zellen des Innenohrs wieder erholen. Die Kosten für die HBO übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch in Einzelfällen, die ärztlich begründet werden müssen.

Entspannungsmethoden: Gelassen dem Tinnitus begegnen

Viele Menschen mit Ohrgeräuschen berichten, dass der Tinnitus lauter und störender wird, wenn sie unter Stress stehen. Um etwas souveräner mit unterschiedlichen Belastungen umgehen zu können, hilft es, Entspannungsmethoden wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Qigong oder Tai Chi zu lernen (siehe auch Kapitel "Selbsthilfe").

Beratung und Aufklärung über Tinnitus (Tinnitus-Counseling)

Wenn die Ohrgeräusche den Betroffenen schon im akuten Stadium sehr stark beeinträchtigen, etwa weil er sich gerade in einer schwierigen Lebenssituation befindet, ist es sinnvoll, sich umfassend über die Bedeutung des Tinnitus aufklären zu lassen. Diese Form der Beratung nennen Mediziner Tinnitus-Counseling. Der Arzt bespricht dabei mit seinem Patienten von Anfang an Möglichkeiten, wie dieser am besten mit den Ohrgeräuschen im Alltag umgeht und was ihn ablenken kann. Es geht insbesondere darum, belastende Situationen besser zu bewältigen, damit sich die störenden Töne nicht in den Vordergrund drängen und eventuell dauerhaft festsetzen. Auch spezielle Hörgeräte wie Tinnitus-Masker oder Tinnitus-Noiser sind mitunter schon in der akuten Phase erfolgreich (siehe Kapitel "Langzeittherapie").


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