Ohrgeräusche (Tinnitus): Diagnose

Halten die Geräusche in Ohr und Kopf länger als 24 Stunden an, ist der Arzt gefragt. Krankengeschichte, Ohruntersuchungen, Hörtests und Tinnitusanalyse helfen, die Ursache zu finden
aktualisiert am 03.04.2017

Erste Untersuchungsschritte: Mit dem Ohrmikroskop sieht sich der HNO-Arzt Gehörgang und Trommelfell an

Your Photo Today/BSIP

Wenn das ständige Pfeifen, Rauschen oder Summen länger als ein bis drei Tage anhält, sollten Sie einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) aufsuchen. In der Praxis schildern Sie dann, in welcher Situation die Ohrgeräusche erstmals auftraten und wie sich die Töne anhören.

Häufige Untersuchungen bei Ohrgeräuschen

Zunächst stellt der Arzt seinem Patienten eine Reihe von gezielten Fragen, um sich einen ersten Überblick über Art und Intensität des Tinnitus zu verschaffen. Krankengeschichte und Gespräch liefern ihm oft schon Hinweise auf eine mögliche Ursache.

Der HNO-Arzt untersucht Gehörgang und Trommelfell mit dem Ohrmikroskop, um eventuell bestehende sichtbare Erkrankungen erkennen zu können. Auch Nasen- und Rachenraum betrachet er eingehend.

Häufig überprüfen Mitarbeiter des HNO-Arztes anschließend das Hörvermögen des Tinnitus-Patienten. Für das sogenannte Audiogramm setzt sich der Betroffene in einem abgeschirmten Raum Kopfhörer auf und hört sich nacheinander verschiedene Töne an, die erst für das eine, dann für das andere Ohr eingespielt werden. Mit einem Knopfdruck signalisiert er, wann er den Ton gehört hat. Die Lautstärke wird meist in 5-Dezibel-Schritten so lange erhöht, bis sich die Hörschwelle festlegen lässt. Diese zeigt an, bei welcher Tonhöhe (Frequenz in Hertz = Hz) und bei welcher Lautstärke (Schalldruckpegel in Dezibel = dB) der Patient ein akustisches Signal gerade noch hört.

Mit speziellen und sehr komplizierten Messverfahren lässt sich bei Bedarf die Hörschwelle darüber hinaus objektiv – also auch ohne Mitarbeit des Patienten – messen. Dazu gehört etwa die Messung otoakustischer Emissionen, die Aufschluss über die Innenohrfunktion geben kann. Spezielle Mikrofone fangen hier die Töne auf, die die Hörzellen vom Innenohr wieder in den Gehörgang zurücksenden, wenn Schall auf sie trifft.

Um einen (gutartigen) Tumor am Gehörnerv oder entzündliche Hörnerverkrankungen ausschließen zu können, misst der HNO-Arzt zudem die Aktivitäten der am Hörvorgang beteiligten Nerven. Das geschieht mit der Hirnstammaudiometrie (BERA = brainstem evoked response audiometry = Messung der Hörnervenleitgeschwindigkeit).

Lesen Sie mehr zu Hörprüfungen und Untersuchungen im Ratgeber "Schwerhörigkeit", Kapitel Diagnose.

Einen weiteren wichtigen Untersuchungsschritt stellt die Tinnitusanalyse dar. Damit der Arzt Frequenz und Lautstärke des Tinnitus bestimmen kann, vergleicht der Tinnitus-Betroffene verschiedene eingespielte Töne mit seinem eigenen Ohrgeräusch. Ein anderer Test zeigt, ob sich die Töne im Ohr durch andere Geräusche verdecken beziehungsweise "maskieren" lassen. Dabei stellt der Untersucher Lautstärke und Frequenz der überdeckenden Töne fest.

Für einige Tinnitus-Patienten kann der Arzt eventuell noch weitere Diagnoseschritte erwägen. Das hängt jedoch ganz davon ab, was die ersten grundlegenden Untersuchungen und Tests ergeben haben. In Betracht kommen etwa Gleichgewichtsprüfungen, bildgebende Verfahren, zum Beispiel ein Computertomogramm von den Mittel- und Innenohrraum umgebenden Knochen (Felsenbein). Möglicherweise zieht der HNO-Arzt noch andere Spezialisten hinzu, wie einen Orthopäden, der die Halswirbelsäule überprüft, oder einen Neurologen, der Gehirn und Nervenfunktionen untersucht. Blutanalysen, Herz-und-Kreislauf-Tests oder Ultraschallaufnahmen von Ohr und Gehirn versorgenden Arterien können mitunter aufschlussreich sein, ebenso zahnärztliche und kieferorthopädische Kontrollen.

Psychische Belastungen bei Tinnitus ernst nehmen

Wenn Sie einen chronischen Tinnitus haben, kann es sinnvoll sein, nach einer HNO-Untersuchung auch mit einem Psychotherapeuten oder einem Facharzt für Psychosomatische Medizin über Ihre Tinnitus-Problematik zu sprechen – vor allem, wenn Sie die Ohrgeräusche als besonders störend oder gar quälend empfinden.

Das Gespräch dreht sich dann darum, wie belastend die anhaltenden Töne sind, ob Konzentrationsstörungen oder Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen vorliegen, inwieweit Sie sich entspannen können, ob sie sich wegen der Ohrgeräusche um Ihre Gesundheit sorgen oder oftmals niedergeschlagen sind.

Hilfreich dafür ist der standardisierte Tinnitus-Fragebogen von Professor Gerhard Goebel und Professor Wolfgang Hiller, der in einer Kurzform als "Tinnitus-Test" auf der Homepage der Deutschen Tinnitus-Liga Auskunft über Ihren Leidensdruck gibt (siehe Link unten).


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