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Tiere helfen heilen: Krankengymnastik hoch zu Ross

Der Umgang mit Tieren stärkt das Selbstvertrauen. Dies gilt besonders auch für die Beschäftigung mit Pferden

„Für die Kinder ist es ein grandioser Erfolg, dass so ein großes Wesen wie ein Pferd – wenn auch nur scheinbar – auf sie hört, oder dass sie es halten können,“ sagt Cornelia Plöger vom Freundeskreis Therapeutisches Reiten München e.V. Sie arbeitet als Hippotherapeutin mit Behinderten. Ein großer Vorteil tiergestützter Therapien ist ihrer Meinung nach, dass die Patienten sie nicht als Therapien einordnen: „Die Grenzen zum Hobby sind fließend.“ Therapiemüdigkeit, wie sie sich bei vielen Schwerstkranken irgendwann breit macht, kommt gar nicht erst auf.

Sanfte Bewegung gegen schwere Krankheiten

Das sanfte Bewegtwerden auf dem Pferderücken ist ideal bei neurologisch bedingten Bewegungsstörungen. Dazu gehören Multiple Sklerose (eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems), Ataxien (gestörte Koordination), spastische Lähmungen (dauerhaft erhöhte Muskelanspannung), Lähmungen sowie Erkrankungen nach frühkindlichen Hirnschäden und Hirninfarkt.

Vier gesunde Beine ersetzen die eigenen kranken

Was ist das Besondere der Physiotherapie zu Pferde? „Sie nutzt die Übertragung von etwa 90 bis 100 Schwingungsimpulsen pro Minute vom Pferd auf den Menschen“, sagt Plöger. Der Patient ist ständig minimalen Bewegungsveränderungen ausgesetzt. Um sich auf dem Pferd halten zu können, muss er diese ausgleichen. Dabei richten sich sein Becken und die gesamte Wirbelsäule auf. Die Muskelspannung normalisiert sich, das Balance-Gefühl wird trainiert. Da die Gangart Schritt dem Gangbild des Menschen entspricht, können auch Patienten, die sich sonst nur im Rollstuhl bewegen, wieder dreidimensionale Bewegungsabläufe erfahren. „Wir nehmen unseren Patienten ihre maladen Beine ab und ersetzten sie durch vier gesunde“, so Plöger.

Intensives Streicheln hilft, Ängste abzubauen

Eine andere Variante des therapeutischen Reitens setzt auf die sinnliche Komponente der Beziehung zwischen Mensch und Pferd: Beim heilpädagogischen Voltigieren und Reiten lassen sich die Patienten auf dem Pferd liegend tragen. Sie spüren den Bewegungen des Tieres nach und streicheln es intensiv. Dadurch sollen Aggressionen und Ängste abgebaut, sowie das soziales Verhalten verbessert werden. Die Zielgruppe: Lern- oder geistig Behinderte und psychisch Kranke.

Infos zum therapeutischen Reiten gibt es beim
Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V.
www.dkthr.de



Apotheken Umschau; 05.08.2005, aktualisiert am 17.10.2011

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