Morgens in die Klinik, am Nachmittag wieder nach Hause. Ein chirurgischer Eingriff ist heute nicht mehr automatisch mit einem längeren Krankenhausaufenthalt verbunden. „Wird ein Patient ambulant operiert, kann er nachts im eigenen Bett schlafen“, sagt Dr. Axel Neumann, Präsident des Berufsverbandes für Ambulantes Operieren (BAO) und Facharzt für Chirurgie, Hand- und Unfallchirurgie an einer Münchner Tagesklinik. Dank medizinischer Fortschritte müssen viele Patienten nach einer Operation nicht mehr über Nacht in einer Klinik bleiben, um dort überwacht zu werden.
Zum einen ist der Erkrankte durch den Einsatz moderner Narkoseverfahren in der Regel kurz nach dem Eingriff wieder ansprechbar und handlungsfähig. Zum anderen verringern viele minimalinvasive Operationstechniken mit nur kleinen Schnitten das Risiko von Nachblutungen und Komplikationen. Die Wunde verheilt schneller; eine aufwendigere Versorgung ist meist nicht nötig. „Moderne Schmerzmittel ermöglichen es außerdem, dass der Patient so mit Medikamenten versorgt werden kann, dass er alleine zurechtkommt“, sagt Neumann.
Die Vorteile für den Kranken liegen auf der Hand: Er kann in seiner vertrauten Umgebung gesund werden. „Der Patient muss sein soziales Umfeld, sein Zuhause nur kurz verlassen“, bestätigt Daniel Viehweg, Gesundheitsökonom beim Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Essen.
Der Patient muss sich weder den zeitlichen Abläufen im Krankenhaus anpassen, noch wird er von schnarchenden Zimmergenossen oder wechselnden Besuchern genervt. Viele Patienten erholen sich daher im häuslichen Umfeld wohl schneller als in einem Zwei- oder Vierbettzimmer.
Manche Berufstätige, vermutet Neumann, schätzen es auch, dass sie zu Hause vom Computer aus weiterarbeiten können und erreichbar sind. Auch der psychologische Effekt ist nicht zu unterschätzen. Im Krankenhaus fühlen sich viele Menschen kränker, als wenn sie zu Hause auf dem Sofa liegen und ihre Lieblingsserie im Fernsehen anschauen. Ambulante Operationen sparen auch Geld. „Kosten für die Unterbringung fallen nicht an. Insofern ist der ambulante Eingriff günstiger als der stationäre“, sagt Viehweg. Aus diesem Grund werben manche Krankenkassen gezielt für das ambulante Operieren und bieten diese Leistung als Wahlmöglichkeit an.
„Der Versicherte entscheidet sich für ein Vertragsmodell, bei dem bestimmte, von der Krankenkasse ausgewählte ambulante Operateure infrage kommen“, erläutert Viehweg. Das Ziel dieserintegrierten Versorgung sei es, „mit den vorhandenen Mitteln durch eine Verzahnung der Vertragspartner das bestmögliche Ergebnis in der Patientenversorgung zu erreichen“.
Die Entscheidungsfreiheit von Ärzten und Patienten ist jedoch nicht grenzenlos. Es gilt der gesetzlich vorgeschriebene Grundsatz „ambulant vor stationär“. Gemeinsam erarbeiten die Vertreter von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen einen Katalog, der die Krankenhausleistungen nennt, die ambulant erbracht werden können. „In diesem Katalog, der derzeit neu verhandelt wird, sind rund 260 verschiedene Operationen aufgelistet. Fächert man diese noch weiter auf, kommt man auf über 2600 mögliche Eingriffe“, sagt Viehweg.
Ute Essig / Apotheken Umschau; 16.12.2009, aktualisiert am 20.12.2011
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