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Strahlentherapie

Bestrahlung

Bestrahlung dient der Zerstörung von Krebszellen

Zusammenfassung:
Die Strahlentherapie dient der direkten Zerstörung von Krebszellen. Sie kann zur Heilung der Krebserkrankung eingesetzt werden, aber auch - als sogenannte palliative Maßnahme - zur Behandlung von Beschwerden bei einer fortgeschrittenen Erkrankung. Sie kann vor, nach oder an Stelle einer Operation eingesetzt werden; außerdem kann sie mit der Chemotherapie oder Hyperthermie kombiniert werden. Wird die Behandlung vor einer Operation gemacht, dient sie meist der Verkleinerung des Tumors, um eine nachfolgende Operation möglich zu machen. Wird nach einer Operation eine Strahlenbehandlung durchgeführt, so sollen dadurch eventuell verbliebene Krebszellen vernichtet und ein erneuter Ausbruch der Krankheit verhindert werden.
Die Behandlung kann von außen oder von innen erfolgen. Die äußere Bestrahlung wird meist einige Wochen lang jeden Tag einmal - selten öfters pro Tag von Montag bis Freitag durchgeführt; eine innere Bestrahlung ist meist nur ein- oder wenigemale notwendig. Die radioaktiven Strahlen beeinflussen auch gesundes, im Bestrahlungsbereich gelegenes Gewebe und können dort durch die Zerstörung von Zellen zu Nebenwirkungen führen. Übelkeit und Erbrechen, Blutveränderungen und Müdigkeit sowie Hautveränderungen und Haarausfall können auftreten, sind aber meist nicht dauerhaft bzw. durch Medikamente vermeidbar.




Was sind radioaktive Strahlen?
Die Radioaktivität wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Franzosen Henri Becquerel durch Zufall entdeckt. Er legte Uran auf eine in Papier eingeschlagene Fotoplatte. Nach der Entwicklung der Platte zeichnete sich genau der Umriss des Urans ab. Irgend etwas aus dem Stein war durch das Papier gegangen und hatte die Platte belichtet. Diese hoch energetischen Strahlen, die so mühelos durch das Papier gedrungen waren, wurden später radioaktive Strahlen genannt. 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen, dass diese Strahlen nicht nur natürlich im Uran vorkommen, sondern sich auch künstlich erzeugen lassen. Dazu verwendete er eine überdimensionale Glühlampe - eine sogenannte Röntgenröhre. An der einen Seite (Kathode) treten kleine elektrisch geladene Teilchen, die Elektronen aus. Sie werden durch das Anlegen einer Hochspannung beschleunigt.
Am Ende der Röhre treffen sie dann auf eine Metallplatte. Die Teilchen haben dort soviel Energie, um sogenannte Photonen (Röntgenstrahlen) zu erzeugen. Die Photonen übernehmen die Energie von den Elektronen und können dann zur Behandlung oder für eine Röntgenuntersuchung verwendet werden. Auf diesen beiden Arten der Erzeugung radioaktiver Strahlen basieren letztlich auch alle heute üblichen Behandlungsverfahren. Die Verfahren wurden allerdings angepasst, so dass sie eine für den Patienten optimale Wirkung erzielen. Die Energie der von einer normalen Röntgenröhre erzeugten Photonen reicht bei weitem nicht aus, um Krebs richtig zu bekämpfen. Heute werden in sogenannten Linearbeschleunigern mehrere Beschleunigungsstrecken (Spannungen) hintereinander gelegt. Dadurch wird die Energie der Teilchen erhöht.
Aber auch die von Röntgen entwickelte Technik wird heute noch bei der Heilung von Hautkrebs verwendet. Vereinfacht gesagt, werden bei der Strahlentherapie also kleine Teilchen, Photonen und Elektronen, eingesetzt, um die Krebszellen zu vernichten.

Wie radioaktive Strahlen wirken

Normale gesunde Zellen und Krebszellen sind im Wesentlichen gleich aufgebaut. Beide haben eine äußere Hülle, welche die Zelle zusammenhält und vor äußeren Einflüssen schützt. Das Leben der Zelle wird von einem Zentrum aus kontrolliert - dem Zellkern. In ihm liegt die DNS - die Desoxyribonukleinsäure. Sie funktioniert wie ein Computerprogramm, das die weitere Entwicklung der Zelle bestimmt. Gleichzeitig ist sie auch der verletzlichste Teil der Zelle. Auch wenn unser Körper, vom natürlichen Alterungsprozess abgesehen, immer gleich aussieht, passiert selbst in so kurzen Zeiträumen wie Tagen und Wochen eine Menge: Viele Zellen werden geboren, erfüllen eine Aufgabe und sterben wieder.
Bei Krebszellen ist dieser natürliche Mechanismus außer Kraft gesetzt: Sie sterben nicht von alleine ab. Dadurch sammeln sich immer mehr von ihnen an - ein Tumor entsteht.
Zellen vermehren sich durch Zellteilung. Dabei schnürt sich die äußere Haut ein und zwei kleinere Zellen entstehen, die dann wieder wachsen, bis sie sich erneut teilen. Das bedeutet aber, dass das Programm - die DNS - an beide Zellen weiter gegeben werden muss, damit beide unabhängig von einander funktionieren. Das klingt einfach, ist aber ein komplizierter Prozess, bei dem nichts schiefgehen darf.
Genau hier setzt die Strahlentherapie an: Die radioaktiven Strahlen werden abgeschossen und dringen in die Zelle ein. Ein Teil von ihnen erreicht die DNS, die durch den Beschuss beschädigt wird. Das bedeutet zwar nicht den Tod der Zelle - es wird aber ein Programmfehler erzeugt, den sich die DNS "merkt". Der Fehler wirkt vor allem aus, wenn sich die Krebszelle erneut teilt. Sie gibt den Fehler an beide entstehenden Zellen weiter.
Da Strahlenbehandlungen mehrmals angewendet werden, geschieht das gleiche bei der darauffolgenden Behandlung wieder. Die Krebszellen können sich zwar meist noch einige Male teilen, bei einer der folgenden Zellteilungen sterben sie aber schließlich, weil sich zuviele Fehler angesammelt haben. Grundsätzlich machen radioaktive Strahlen keinen Unterschied zwischen gesunden Zellen und Krebszellen, letztere sind aber durch die oft extrem hohe Wachstumsgeschwindigkeit wesentlich empfindlicher als das überwiegend langsam wachsende gesunde Gewebe. Gesunde Zellen haben zusätzlich einen besseren Reparaturmechanismus als Krebszellen und können so die Programmfehler besser ausgleichen. Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie beruhen auf einer Reaktion der gesunden Zellen auf die Bestrahlung. Sie erholen sich aber meist einige Zeit nach dem Ende der Behandlung wieder vollständig.

Wann ist eine Strahlentherapie sinnvoll?
Nicht jeder Krebs kann durch eine Strahlentherapie bekämpft werden. Entscheidend ist die Größe des Tumors und ob die bestimmte Zellart eines Krebses auf eine Strahlenbehandlung anspricht. So kann es sein, dass ein Patient eine Strahlenbehandlung erhält, ein anderer mit dem vermeintlich gleichen Krebs jedoch nicht.

Ziele der Strahlentherapie
Die Strahlenbehandlung wird mit unterschiedlichen Zielsetzungen eingesetzt. Im Prinzip gibt es vier verschiedene Ziele:

Neoadjuvante ("vorbereitende") Strahlentherapie
Wenn der Tumor am Anfang der Behandlung für eine Operation zu groß ist, kann durch die Strahlenbehandlung der Tumor soweit verkleinert werden, dass eine Operation durchgeführt werden kann. Das Ziel dieser Behandlungsform ist es nicht, den Tumor komplett zu zerstören sondern für die Operation vorzubereiten.

Adjuvante (unterstützende)
Die Strahlentherapie kann auch nach einer Operation eingesetzt werden. Die Strahlenbehandlung wird dann durchgeführt, wenn wahrscheinlich Tumorzellen zurückgeblieben sind und die Gefahr groß ist, dass der Krebs an der gleichen Stelle wiederauftritt.

Kurative ("heilende") Strahlentherapie 
Wenn es nicht möglich war, den ganzen Tumor oder Lymphknotenmetastasen zu entfernen, kann eine kurative Strahlentherapie durchgeführt werden. Bei 40 Prozent der Patienten wird die Strahlentherapie entweder alleine oder mit Chirurgie und Chemotherapie angewendet, um eine Heilung zu erreichen. Oft handelt es sich dabei um Körperregionen oder Organgebiete, deren Funktion wichtig sind für die Lebensqualität des Patienten oder für ein gutes kosmetisches Ergebnis. So ist z. B. Kehlkopfkrebs in einem frühen Stadium die kurative Strahlentherapie die Standardtherapie.

Palliative ("lindernde") Strahlentherapie
Wenn der Krebs soweit fort geschritten ist, dass er nicht mehr geheilt werden kann, werden meist Operationen vermieden. Durch das Wachstum des Tumors und die Ansiedlung von Tumorzellen in verschiedenen Organen treten mit dem Fortschreiten der Erkrankung neue oder stärker werdende Beschwerden auf. Dadurch wird die Lebensqualität für den Patienten noch weiter eingeschränkt. Um das zu verhindern, kann die Strahlentherapie als palliatives ("linderndes") Verfahren eingesetzt werden. Sie bewirkt dann die Verkleinerung des Tumors bzw. die Rückbildung von Metastasen und den von ihnen verursachten Beschwerden, besonders Schmerzen. Eine Heilung des Krebses bewirkt sie aber in der Regel nicht. Häufig wird diese Form der Strahlentherapie bei Metastasen in den Knochen oder dem Gehirn angewendet.

Wie die Strahlentherapie durchgeführt wird

Die Strahlentherapie" gibt es eigentlich nicht. Es werden verschiedene Behandlungsverfahren eingesetzt. Zu ihnen zählt die äußere Bestrahlung, die innere Bestrahlung (in natürlichen Hohlräumen oder direkt im Gewebe - interstitiell) und die Bestrahlung während der Operation (intraoperativ). Zudem wird sie auch noch mit anderen Behandlungsverfahren kombiniert, um ihre volle Wirkung zu entfalten.
Entscheidend bei der Strahlenbehandlung ist die so genannte Strahlendosis. Sie ist nach dem Physiker L. H. Gray benannt und bezeichnet die Gesamtmenge der Strahlenenergie, die vom Tumorgewebe aufgenommen wird. Diese nötige Menge hängt von der Empfindlichkeit des Tumors ab und beträgt meist zwischen 30 und 70 Gray. Die Gesamtmenge wird jedoch nicht auf einmal verabreicht. Um die Behandlung möglichst schonend durchführen zu können, aber auch um schnell wachsende Tumorarten besser zu bekämpfen, wird sie in "Fraktionen"aufgeteilt.
Es kann entweder ein einzelnes strahlentherapeutisches Verfahren durchgeführt (Bestrahlung von außen), oder es können verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert werden (Bestrahlung von außen und innere Bestrahlung).

Die äußere Bestrahlung (Teletherapie)
Die äußere Bestrahlung wird auch Teletherapie oder perkutane Bestrahlung genannt. Es ist das am häufigsten eingesetzte Behandlungsverfahren. Der Linearbeschleuniger ist dabei das am öftesten eingesetzte Gerät. Es werden aber auch Telekobaltgeräte verwendet. Der Unterschied liegt in der Art der erzeugten Strahlung. Linearbeschleuniger erzeugen einerseits sehr energiereiche Photonenstrahlen, die tief eindringen und für tiefliegende Tumoren verwendet werden; andererseits erzeugen sie Elektronen, die im Körper durch das Gewebe stark abgebremst werden und nur wenige Zentimeter tief reichen. Sie werden daher überwiegend für Tumoren an der Oberfläche verwendet.

Der Ablauf der äußeren Bestrahlung Erstvorstellung:
Die Behandlung muss genau geplant werden:
Ein ausführliches Gespräch mit dem Strahlentherapeuten steht am Beginn der Behandlung. Viele Patienten empfinden in dieser Situation Angst, weil die Diagnose Krebs als lebensbedrohend empfunden wird, und die Betroffenen meist nicht wissen, was jetzt auf sie zukommt. Der Arzt weiß um die Situation, in der sich der Patient befindet, und wird versuchen, darauf einzugehen. Trotzdem ist es empfehlenswert, sich Fragen schon im vorhinein aufzuschreiben und zu dem Gespräch mitzubringen. Es kann auch helfen, eine Vertrauensperson zu dem Gespräch mitzunehmen. Viele Patienten fühlen sich sicherer, wenn sie in dieser Situation nicht alleine sind.

Bestrahlungsplanung:
Der nächste Schritt liegt in der genauen Planung, wie der Tumor zu bestrahlen ist. Dazu werden Diagnoseverfahren, wie z. B. die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie eingesetzt. Die zur Planung notwendigen Untersuchungen hängen von der Krebsart ab. Die oft zahlreichen Untersuchungen können meistens ambulant durchgeführt werden. Viele Patienten empfinden dies als Belastung, da die Untersuchungen zum Teil aufwändig sind. Die Untersuchungen geben jedoch wichtige Informationen für die Planung der optimalen Strahlentherapie, sodass sie verglichen mit der Belastung für die Heilung des Patienten großen Nutzen bringen. Viele Patienten wollen auch nicht an ihre Erkrankung erinnert werden. Außerdem sind viele durch eine vorangegangene Operation geschwächt und körperlich nicht so belastbar.
Durch die eigens vom Strahlentherapeuten durchgeführte Computertomografie oder Magnetresonanztomografie werden Informationen in einen Bestrahlungsplanungscomputer eingelesen. Ärzte und speziell ausgebildete Physiker ermitteln dann am virtuellen Patientenmodell mit welcher Bestrahlungsmethode der beste Erfolg zu erzielen ist. Angestrebt wird einerseits eine möglichst starke Wirkung der Bestrahlung auf den Tumor; andererseits sollen die gesunden Körperpartien so weit wie möglich geschont werden, so dass Nebenwirkungen möglichst gering ausfallen.

Simulation:
Danach erfolgt eine "Simulation" an einem Therapiesimulator. Es handelt sich dabei um ein Röntgendurchleuchtungsgerät, an dem die nachfolgende "echte" Behandlung simuliert (durchgespielt) wird. Dazu werden die Bestrahlungsfelder und andere Markierungen auf der Haut oder auf der Lagerungshilfe mit einem Filzstift markiert. Danach erfolgt die genaue Berechnung der Gesamtdosis und Einzeldosis, die verabreicht werden soll. Meist werden pro Behandlung zwei Gray (Gy) verabreicht, da damit die Wirkung auf den Tumor am besten ist und Nebenwirkungen möglichst gering gehalten werden können.

Ersteinstellung:
Die Bestrahlung erfolgt meist fünfmal pro Woche, von Montag bis Freitag und erstreckt sich über drei bis sechs Wochen. Bei manchen Krebsarten kann die Bestrahlung auch zweimal am Tag durchgeführt werden. Selten ist es möglich auch weniger Bestrahlung pro Woche zu verabreichen. Bei der Bestrahlung selbst liegt der Patient auf einem Tisch. Dabei ist es möglicherweise notwendig, spezielle Hilfsmittel wie Polster oder Armstützen zum Abstützen zu verwenden. Um den Patienten - je nach Bestrahlungsfeld - bewegt sich der Teil des Bestrahlungsgerätes, aus dem die Strahlung kommt, die den Krebs zerstört. Er wird durch das Personal genau auf die Stelle gerichtet, die bestrahlt werden muss.
Die Bestrahlung dauert von einigen Sekunden bis zu wenigen Minuten. Dabei muss das Personal hinaus gehen. Niemand wird jedoch in dieser Situation allein gelassen. Es gibt eine Sprechverbindung, über die man sich jeder Zeit bemerkbar machen kann, wenn ein Problem auftritt. Während der Bestrahlung wird der Patient mit einer Fernsehkamera beobachtet. Es ist wichtig, in diesem kurzen Zeitraum möglichst ruhig liegen zu bleiben, damit die Strahlen ihr Ziel auch treffen und vernichten können. Obwohl sich die Strahlen den Tumor sehr wirkungsvoll bekämpfen, tun sie nicht weh. In der Regel merkt man nicht einmal, dass überhaupt etwas passiert.

Die Innere Bestrahlung (Brachytherapie)
Die innere Bestrahlung ist ein spezielles Verfahren der Strahlenbehandlung. Sie wird auch Brachytherapie genannt. Die Strahlenbehandlung erfolgt von einer in der Nähe des Tumors gebrachten Strahlenquelle direkt an der Stelle an welcher der Tumor liegt. Die dabei verwendeten Strahlenquellen werden oft künstlich erzeugt, damit auch genau die beabsichtigte Wirkung erzielt werden kann.
Die erzeugten Strahlen reichen nur einige wenige Zentimeter weit (brachy = kurz). Dadurch kann weitgehend vermieden werden, dass das umliegende gesunde Gewebe durch die Behandlung geschädigt wird. Ein Teil der Eingriffe wird in einer lokalen Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt.
Die Behandlung wird heute aus Gründen des Strahlenschutzes im Afterloadingverfahren durchgeführt. Der Arzt bringt dabei eine umschlossene Strahlenquelle an die Stelle, die bestrahlt werden soll. Dieses Verfahren wird angewandt, wenn ein Tumor in einem Hohlraum, wie z. B. der Speiseröhre, der Scheide oder den Bronchien sitzt oder auch, wenn der Tumor direkt in einem Gewebe ist.
Meist wird heute eine kurze Bestrahlung mit einer hohen Dosis durchgeführt. Es ist aber auch möglich, die Bestrahlung mit niederer Dosisleistung (Dosis in der Zeiteinheit) zu machen, wobei die Strahlenquelle dann einige Stunden oder Tage an der zu behandelnden Stelle bleiben muss. In jedem Fall wird die Strahlenquelle nach Durchführung der Behandlung entfernt. Ein besonders schonendes Verfahren ist die Brachytherapie der Prostata mit radioaktiven "Seeds". Das sind winzige, mit radioaktivem Jod 125 oder Palladium 103 geladene Titankapseln, die den Tumor schonend zerstören und die aufgrund ihrer geringen Strahlenreichweite und des schnellen Radioaktivitätsverlustes im Tumor verbleiben können (permanente Implantate). Brachytherapie in Hohlräumen wird eingesetzt bei gynäkologischen Tumoren, bei Tumoren von Luftröhre und Bronchien, bei Speiseröhrentumoren etc.. Wenn ein Tumor direkt im Gewebe sitzt, wird die interstitielle "Brachytherapie" durchgeführt. Dabei werden dünne Drähte oder kleine Metallzylinder direkt in den Tumor geschoben. Bei dieser Behandlung ist immer eine Narkose notwendig. Brachytherapie kann entweder einmalig gemacht werden oder mehrmals, dann meist einmal pro Woche. Die interstitielle Brachytherapie wird häufig durchgeführt bei Brustkrebs, Krebs in der Mundhöhle, Prostatakrebs, seltener bei anderen Krebsarten. Auch wenn der Tumor an der Hautoberfläche liegt, kann eine Brachytherapie durchgeführt werden. Dazu wird die Strahlungsquelle in einer speziellen Umhüllung auf den Tumor gelegt.

Äußere Brachytherapie
Auch wenn der Tumor an der Hautoberfläche entstanden ist, kann eine Brachytherapie durchgeführt werden. Dazu wird die Strahlungsquelle speziell verpackt und auf den Tumor gelegt.
Die äußere Brachytherapie wirkt gut bei Hautkrebs.

Kombinierte Verfahren

Strahlenbehandlungen können nicht nur untereinander - äußere und innere Strahlentherapie - sondern auch mit anderen Verfahren wie z. B. Chemotherapie kombiniert werden.

Chemotherapie
Die Chemotherapie wird oft mit einer Strahlentherapie kombiniert. Die Strahlentherapie wird dabei zur direkten Verkleinerung des Tumors verwendet. Die Kombination der Chemotherapie mit der Strahlentherapie wirkt auf zwei Arten: Zum Einen verstärkt sie die Strahlenbehandlung am Tumor selbst, zum Anderen wirken die Medikamente im ganzen Körper, weil sie durch das Blut verteilt werden und können so kleine nicht nachweisbare Metastasen bekämpfen. Oft wirkt eine Kombination wesentlich besser als die einzelnen Behandlungsmethoden.

Der Ablauf der kombinierten Strahlen- und Chemotherapie
Wichtig für die Durchführung der Kombinationsbehandlung ist eine genaue Planung der Abfolge der Behandlungen. Die Art und Weise, wie die beiden Behandlungen kombiniert werden, bestimmt die Wirkung des Verfahrens auf den Krebs, aber auch die Stärke der Nebenwirkungen. Bei dieser Vorgehensweise können die beide Behandlungen nacheinander sinnvoll wirken. Trotzdem beeinflussen sie sich. Eine mögliche Abfolge dieser Form ist: Chemotherapie, anschließende Operation, Bestrahlung des Operierten Gebiets. Bei der gleichzeitigen Anwendung beider Verfahren wird darauf geachtet, dass das Medikament, das bei der Chemotherapie verwendet wird, sich auf jeden Fall noch während der Bestrahlung im Körper befindet. Diese gleichzeitige Anwendung beider Verfahren ist die eigentliche kombinierte Radiochemotherapie. Einer von vielen Behandlungsabläufen ist folgender: Wenn eine regelmäßige äußere Bestrahlung über Wochen hinweg durchgeführt wird, erfolgt die Chemotherapie oft in der ersten und in der fünften Woche, in der bestrahlt wird. Die kombinierte Strahlen- und Chemotherapie wirkt gut bei Plattenepithelkarzinomen wie Gebärmutterhalskrebs, bei Tumoren im HNO-Bereich, bei Speiseröhrenkrebs (sowohl vorbereitend als auch gleichzeitig), Mastdarmkrebs, Analkarzinom. Neue Studien zeigen auch Vorteile der kombinierten Therapie bei Lungenkrebs. Bei der sogenannten sequentiellen Behandlung werden beide Verfahren nacheinander, das heißt getrennt, durchgeführt. Die Behandlung erfolgt also in sogenannten Therapiezyklen. Ein Anwendungsbereich dieser Form ist der Brustkrebs.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie können sich je nach Patient sehr unterscheiden. Bei manchen Menschen treten keine oder fast keine Nebenwirkungen auf, andere wiederum reagieren stark auf die Behandlung. Welcher Patient auf die Strahlentherapie stärkere Nebenwirkungen entwickeln wird, lässt sich vor der Behandlung nicht sagen. Je höher die notwendige Strahlendosis ist, desto häufiger und stärker sind in der Regel die Nebenwirkungen.
Da Krebs eine aggressive und lebensbedrohende Krankheit ist, müssen gelegentlich beträchtliche Nebenwirkungen in Kauf genommen werden, um eine Heilung zu erzielen. Es gibt Nebenwirkungen, die schon bald nach der ersten Behandlung auftreten, aber einige Zeit nach dem Ende der Behandlung wieder vergehen. Die überwiegende Mehrzahl der Nebenwirkungen dauert nur eine gewisse Zeit an und kann durch zusätzliche Maßnahmen gelindert werden. Andererseits sind auch Beschwerden möglich, die für den Rest des Lebens bestehen bleiben. Sie treten Monate, manchmal sogar erst Jahre nach auf dem Ende der Strahlentherapie auf. Gelegentlich können oder müssen sie werden. Die Strahlentherapie hat - je nachdem wo genau sie angewendet wird - unterschiedlichste Auswirkungen.

Müdigkeit
Manchmal fühlen sich die Patienten nach einer Bestrahlung müde. Eine Reihe von Gründen kann dafür verantwortlich sein:
die Erkrankung selbst
die Behandlung durch die Chemotherapie und die eingesetzten Zytostatika
eine Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen)
Appetitlosigkeit und Ernährungsprobleme
viele Menschen schlafen schlecht, weil sie sich Sorgen machen, oder haben psychische Probleme
Belastung von Stoffwechselfunktionen.
Wenn die Strahlentherapie die Müdigkeit verursacht, bessert sie sich nach Ende der Behandlung.

Was tun gegen Müdigkeit?
Patienten, die akzeptieren, dass sie in Folge ihrer Erkrankung nicht so leistungsfähig sind, können sich leichter entspannen und leiden demgemäß weniger unter der Erschöpfung.
Regelmäßige Ruhepausen bei allen Tätigkeiten unterstützen die Regeneration.
Leichte sportliche Betätigung wie spazierengehen oder wandern wirken belebend.
Berufstätige Menschen sollten ihr Arbeitspensum ihrem Zustand entsprechend anpassen bzw. einschränken.
Tätigkeiten im Haushalt sollten soweit notwendig und vom Patienten gewünscht von anderen Familienmitgliedern übernommen werden.
Bei zu wenig roten Blutkörperchen können Medikamente, wie Erythropoietin oder Blutransfusionen angewendet werden

Appetitlosigkeit
Manchmal führt die Strahlenbehandlung zu Appetitlosigkeit. Ein gut Teil der Patienten verliert während der Behandlung bis zu einem Kilo Körpergewicht pro Woche. Die Appetitlosigkeit gibt sich nach dem Ende der Behandlung von alleine wieder. Es gibt einige Regeln, deren Einhaltung dem drohenden Gewichtsverlust während der Behandlung entgegenwirkt:

Was tun bei Appetitlosigkeit?
Nicht nach "vorgegebenen" Essenszeiten richten, sondern dann essen, wenn man hungrig ist.
Essen, was schmeckt und einem gut bekommt. Es ist nicht sinnvoll, eine bestimmte Diät einzuhalten.
Öfter kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.
Mit jemandem gemeinsam zu essen, kann den Appetit steigern.
Um das Essen kalorienreicher zu machen, kann in vielen Fällen Margarine, Butter oder Sahne hinzugefügt werden.
Der Arzt kann Medikamente wie Anabolika, (Vitamin)tonika oder Methylprogesteron einsetzen.
Astronautenkost
Künstliche Ernährung

Übelkeit und Erbrechen
Gelegentlich reagiert der Körper auf die Strahlenbehandlung mit Übelkeit und Erbrechen. Die Beschwerden treten vor allem dann auf, wenn Teile des Verdauungstraktes bestrahlt werden.

Was tun bei Übelkeit und/oder Erbrechen?
Manchmal hilft es, die Ernährung umzustellen und weniger schwere Kost zu sich zu nehmen.Surfmed hilft bei der Wahl einer geeigneten Ernährung bei Krebs.
Es ist wichtig, viel zu trinken.
Es gibt Medikamente, sogenannte Antiemetika, Glukokortikoide und Neuroleptika, die den Beschwerden vorbeugen oder sie stoppen können. Die Präparate können mit dem Ziel dem Erbrechen, der Übelkeit und der Appetitlosigkeit zuvorkommen schon vor dem Auftreten von Beschwerden eingesetzt werden.

Hautveränderungen
Die radioaktiven Strahlen stören die Zellen, die für die ständige Erneuerung der Haut verantwortlich sind. Oft rötet und entzündet sich die Haut bei einer äußeren Bestrahlung, sie sieht dann wie nach einem Sonnenbrand aus. Einige Zeit nach Beginn der Behandlung wird die Haut trocken und kann gelegentlich jucken. Selten kommt es vor, dass sie soweit austrocknet, dass sie rissig wird und zu bluten anfängt. In Hautfalten beginnt die Haut gelegentlich auch zu nässen und zu schuppen. Da die Strahlen durch den Körper hindurchgehen, können Beschwerden nicht nur im markierten Bereich auftreten, sondern auch an der gegenüberliegenden Seite des Körpers - bei einer Bestrahlung im Brustbereich also auch am Rücken. Chemotherapeutika können die Auswirkungen verstärken.

So kann Hautveränderungen vorgebeugt werden

Nicht an der bestrahlten Stelle kratzen, auch wenn es juckt
Zum Waschen nur handwarmes Wasser verwenden, und bestrahlte Stellen mit einem weichen Tuch trocken tupfen - nicht reiben!
Lockere Kleidung tragen.
Kalt-Warm-Behandlungen der bestrahlten Stelle vermeiden - auch wenn es augenblicklich gut tut -, da die Haut dadurch weiter austrocknet.
Vermeiden von handelsüblichen Kosmetika und Hautpflegeprodukten. Diese können Konservierungsmittel oder Parfum enthalten und die Hautirritation verstärken. Es ist ratsam, nur vom Arzt verordnete Produkte zur Hautpflege zu verwenden.
Die bestrahlte Haut sollte nicht der Sonne ausgesetzt werden, da das eine zusätzliche Bestrahlung bedeutet und zum Austrocknen beiträgt.
Mögliche Spätfolgen der Bestrahlung sind dauerhafte Hautverfärbungen und eine empfindlichere Haut an d
er bestrahlten Stelle.

Haarausfall
Durch die Strahlentherapie im Kopfbereich kann es stellenweise zu Haarausfall im bestrahlten Gebiet kommen. Sie führt aber meist nicht zum Ausfall aller Haare, wie es bei der Chemotherapie vorkommen kann. Nach der Behandlung können die Haare wieder nachwachsen. Wenn die Zellen, welche die Haare bilden durch die Bestrahlung zerstört wurden, können auch nach dem Ende der Behandlung keine Haare mehr wachsen.

Andere Nebenwirkungen
Welche Teile des Körpers bestrahlt werden, hängt vom Entstehungsort des Krebses oder der Metastasen ab. Auf diese speziellen Nebenwirkungen der Strahlentherapie wird bei den Beschreibungen der einzelnen Krebserkrankungen genauer eingegangen. Folgende Teile des Körpers können betroffen sein:
Mundschleimhaut, Speicheldrüsen, Zähne
Verdauungsorgane
Leber
Lunge
Herz
Niere
Nerven
Skelett, Knochen
Hoden und Eierstöcke (Keimdrüsen)
 

Letzte Aktualisierung:
12.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Christian Fexa
Experten für diese Seite:
Prim. Univ. Doz. Dr. med. Robert Hawliczek (Onkologie)
Prim. Univ. Doz. Dr. med. Brigitte Scholz (Radioonkologie)
Dr. med. Rainer Pöhnl (Innere Medizin)
OA Dr. med. Irene Wedrich (Radioonkologie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.


Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 16.09.2009
W&B/ Szczesny

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