Anwendung
Qi Gong ist grundsätzlich keiner Beschränkung unterworfen. Es kann von jedem Menschen unabhängig von Alter, Herkunft, Talenten und Vorwissen leicht erlernt und genutzt werden. Da die Bewegungsabläufe langsam, harmonisch und fließend sind, eignet sich diese Methode auch gut für alte, schwache Menschen. Sie ist auch eine gute Ergänzung zu einer
physikalischen Therapie. Wichtige Voraussetzungen sind lediglich die äußere und innere Ruhe sowie das bewusste Einlassen auf die verschiedenen Übungen.
Im Wesentlichen unterscheidet man folgende Anwendungsbereiche des Qi Gong:
- Aktivierung der Selbstheilungskräfte und Vorbeugung von Krankheiten.
- Regulierung und Lenkung des Qi-Flusses bzw. Abbau von Blockaden.
- Erhöhte körperliche und geistige Flexibilität.
- Gesteigerte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit.
- Erhöhung des körpereigenen Wohlgefühls.
- Erhöhung der inneren und äußeren Vitalität und Lebenskraft.
Geschichtlicher Überblick
Qi Gong entwickelte sich in China vor etwa fünftausend Jahren. Durch klimatische Veränderungen sollen die Menschen im ganzen Land damals krank und schwach geworden sein. Da sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten, riefen sie die Götter um Hilfe an. Dabei verbeugten sie sich vor Gott und warfen sich vor ihm nieder. Während sie das taten, merkten sie, wie die Energie in ihren Körper zurückkehrte und sich ihr Gesundheitszustand dadurch besserte. Danach begannen sie, diese Bewegungen auszubauen, zu lehren und weiterzugeben. Auch die Ergebnisse von Tierbeobachtungen flossen in die Übungen ein. So entstand der Legende nach Qi Gong.
Darüber hinaus wurde das Meridiannetz mit seinen zahlreichen Kanälen erforscht und wurden Methoden entwickelt, das Fließen der Energien selbst zu steuern.
Theorie
Qi Gong verbindet Atemübungen und Bewegungen mit der Kunst der Meditation. Man unterscheidet über 3000 verschiedene Ausprägungen und Stile des Qi Gong, die man in fünf Hauptgruppen einteilen kann:
- Die Taoistische Form
- Die Form des Konfuzius
- Die Buddhistische Form
- Die Form der Kampfsportarten
- Die medizinische Form
Heute wird Qi Gong in der
chinesischen Medizin vorwiegend zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Der Mensch ist nach chinesischer Auffassung sowohl äußerlich durch ungünstige Umweltbedingungen (Hitze, Kälte, Feuchtigkeit etc.), als auch innerlich durch verstärkte Emotionen oder negative Einstellungen belastet. Erkrankungen, psychische und körperliche Beschwerden sind die Folge. Durch die Belastungen wird auch die Lebensenergie Qi am Fließen gehindert. Es bilden sich Blockaden und die Energiekanäle. Die Meridiane, werden verstopft. Die Beschwerden verstärken sich dadurch zusätzlich.
Das freie Fließen des Qi ist somit Voraussetzung für Lebenskraft und Vitalität. Wenn das Qi blockiert ist, sollte der Mensch mit Hilfe der Körper-, Atem- und Visualisierungsübungen des Qi Gong die Blockade des Qi aufzulösen versuchen. Die Übungen des Qi Gong führen zur Aufnahme neuer Energie aus der Natur, die Blockaden lösen und das Qi wieder bewusst und gezielt durch den Körper fließen lassen hilft. Krankheiten können so ergänzend behandelt werden, die körperliche und geistige Flexibilität wird erhöht und die Belastbarkeit bzw. Leistungsfähigkeit verstärkt. Darüber hinaus dienen die Übungen der Vorbeugung weiterer Krankheiten durch die ausgleichende Wirkung auf das Zentralnervensystem.
Technik
Beim Qi Gong handelt es sich hauptsächlich um Körper- und Atemübungen, mit derer Hilfe Energie in den Körper geholt werden soll. Die Meridiane (Energiekanäle) werden durch die einzelnen Übungen aktiviert, damit das Qi wieder frei fließen kann. Man unterscheidet bewegtes und stilles Qi Gong.
Eine der bekanntesten Körperübungen ist das "Spiel der fünf Tiere", in welchem die Bewegungen von Tiger, Hirsch, Bär, Affe und Vogel in einer Bewegungsfolge nachempfunden werden. Die fünf Tiere stehen symbolisch für die fünf Elemente der chinesischen Philosophie und sind jeweils einem Meridian zugeordnet. Durch die Übungen soll auch auf die den Meridianen zugeordneten Gefühlslagen Einfluss genommen werden. Das Spiel wurde weiterentwickelt und ist eine wesentliche Grundlage zur Stärkung des Körpers und des allgemeinen Wohlbefindens geworden. Qi-Gong-Übungen können im Liegen, Sitzen, Stehen und Gehen durchgeführt werden. Es existieren Übungen für die Atmung, die Körperhaltung, für die Vorstellungskraft und für körperinnere als auch -äußere Abläufe.
Entscheidend ist immer die gleichmäßige tiefe Atmung und das Fließen des Qi.
Übung
Eine der Grundhaltungen des Qi Gong ist der etwas mehr als schulterbreite Stand mit parallelen Füßen. Die Arme werden hochgehoben, als würde man einen Baum umarmen. Die Wirbelsäule ist aufgerichtet.
Man stellt sich vor, am höchsten Punkt des Kopfes sei ein seidener Faden angebunden, der an den Himmel geknüpft ist und einen sanft hochzieht und aufrichtet.
Die Knie sind leicht gebeugt, an der Spitze des Kreuzbeines stellt man sich ein Gewicht vor, das nach unten zieht und das Becken zu einer leichten Kippbewegung nach vorne bringt.
Visualisieren Sie Wurzeln, die aus Ihren Fußsohlen in die Erde wachsen und durch die alle verbrauchte Energie mit jedem Ausatmen in die Erde abfließt; mit jedem Einatmen wird neue Erdenergie aufgenommen.
Atmen sie in den Unterbauch und stellen Sie sich vor, die Energie dort im so genannten unteren Dantian - dem Energiezentrum im Bauch - in Form einer goldenen Lichtkugel zu speichern, die mit jedem Atemzug wächst und Energie an den ganzen Körper abgibt.
Lassen Sie die Erdenergie durch die Wirbelsäule und Arme bis hinauf zum Schädeldach steigen und über Stirn, Kehle, Brust und Bauch wieder zurück ins untere Dantian. Legen Sie dabei die Zungenspitze hinter den Schneidezähnen an den Gaumen, um den Energiefluss zu erleichtern und einen Energiestau im Kopf zu vermeiden.
Falls die Arme müde werden, senken Sie sie auf Höhe des Solarplexus (am Zwerchfell) ab.
Geübt wird 2 bis 15 Minuten lang.