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Photo- und Lichttherapie

Rotlichttherapie

Wärmende Strahlen- Rotlichttherapie

Zusammenfassung:
Unter Photo- und Lichttherapie wird die Anwendung infraroter, sichtbarer und ultravioletter Strahlung zu Heilzwecken verstanden. Lichtquelle ist die Sonne direkt oder Lampen, die künstliches Infrarot oder UV-Licht direkt erzeugen (Höhensonne). Auch die Lasertherapie gehört zur Photo- und Lichttherapie. Angewendet werden die Photo- und Lichttherapie bei Rachitis, Osteoporose, Tuberkulose, Erschöpfungszuständen nach schweren Erkrankungen oder Operationen, allergischen Erkrankungen, sowie Hautkrankheiten (Psoriasis, Ekzeme, Furunkel).



Physiologische Wirkungen

Das Sonnenlicht sendet einen Strauß unterschiedlichster Strahlungen aus und enthält Infrarotlicht (17 Prozent), kurzwelliges Licht (39 Prozent), sichtbares Licht (39 Prozent) und ultraviolette Strahlen (rund fünf Prozent), wovon die UV-A Strahlen den größten Anteil ausmachen (4,9 dieser fünf Prozent).

UV-Strahlung
UV-Strahlen wirken auf den Körper unterschiedlich:
UV-A-Strahlen (360-315 Nanometer): Haben eine schwach bräunende und keimtötende Wirkung. UV-A Strahlen können relativ tief in die Haut eindringen.
UV-B-Strahlen (315-280 Nanometer): Werden auch als Dorno-Strahlen bezeichnet. UV-B Strahlen dringen bis zu den Pigmentzellen der Haut vor. Sie wirken erythem- und pigmentbildend.
UV-C-Strahlen (280-185 Nanometer): Wirken keimtötend und können Zellkerne zerstören (karzinogene Wirkung). UV-C Strahlen der Sonne werden normalerweise von der Ozonschicht (in zirka 30 Kilometer Höhe) abgefangen und gelangen daher nicht auf die Erdoberfläche. Durch Atmosphärenstörungen (Ozonloch) kann das Sonnenlicht aber auch auf der Erde schädliche UV-C-Strahlungsanteile besitzen.

Erythembildung
Nach einer Bestrahlung von zwei bis sechs Stunden kommt es durch UV-Bestrahlung - je nach Sensibilität - zu einer Lichtentzündung der Haut, dem so genannten UV-Erythem. Nach 24 Stunden erreicht die Entzündung ihr Maximum und geht dann allmählich in die Pigmentierung über. Eine dem Erythem entsprechende Entzündung ist die Bindehautentzündung (Konjunktivitis).

Pigmentbildung
UV-B Strahlen dringen in die Haut bis zu den Pigmentzellen (Melanozyten) ein. Das farblose Propigment Dopa wird in das braune Melanin umgewandelt. Die Pigmentierung wirkt als Schutz gegen weitere UV-Strahlung und verdickt zusätzlich die Hornschicht der Haut. Eine so genannte Lichtschwiele bildet sich.

Vitamin-D-Bildung
In der Haut ist die Vorstufe zu Vitamin D, das 7-Dehydrocholesterin, enthalten, das durch UV-B-Strahlen in Vitamin D umgewandelt wird. Vitamin D ist für die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und dessen Einbau in den Knochen verantwortlich. Es ist deshalb auch unter dem Namen antirachitisches Vitamin bekannt.

Zellzerstörende Wirkung
Bei einem starken Erythem sterben viele oberflächliche Zelle ab. Bei starkem Zellzerfall kann das so frei werdende Eiweiß wie ein Reizstoff wirken. Fieber und Schüttelfrost sind die Folge.

Bakterizide Wirkung
UV-C-Licht kann Bakterien abtöten. Es wird deshalb zur Bestrahlung von Lebensmitteln oder zur Keimfreimachung von Räumen verwendet.
Wofür die Photo- und Lichttherapie empfohlen ist
Rachitis, Osteoporose
Tuberkulose (Knochen-, Gelenk- und Hauttuberkulose)
Erschöpfungszustände nach schweren Erkrankungen oder Operationen
Allergische Erkrankungen (Asthma oder Heufieber)
Hautkrankheiten (Psoriasis, Ekzeme, Furunkel )

Wann die Photo- und Lichttherapie nicht empfohlen ist
Bei Lichtsensibilität, akuten (floriden) Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis , Schilddrüsenüberfunktion oder akuten Entzündungszuständen.
Bei Herzrhythmusstörungen, beziehungsweise bei fortgeschrittenen Herzschwächen und nach Herzinfarkten.
Bei Durchblutungsstörungen und Sensibilitätsstörungen.

Anwendungsformen

Je nach Strahlenlänge kommt die Photo- und Lichttherapie für unterschiedliche Erkrankungen zum Einsatz.

Infrarot-Strahlentherapie
Infrarotstrahlen (1500 bis 780 Nanometer) sind nicht sichtbare Wärmestrahlen. Sie wirken durchblutungsfördernd, schmerzdämpfend und regen den Stoffwechsel im Muskelgewebe an. Sie können bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt werden, bei denen Wärme vertragen wird oder zum Beispiel bei chronischen Entzündungen, wie beispielsweise Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Die Infrarotstrahlen-Therapie kann auch zur Erwärmung vor der Bewegungstherapie eingesetzt werden.

Heliotherapie
Bei der Heliotherapie wird die Sonne selbst zur therapeutischen Behandlung eingesetzt. Weil der Patient auch den übrigen klimatischen Reizen ausgesetzt ist, kann keine scharfe Abgrenzung von der Klimatherapie (siehe auch Kurort-Therapie) vorgenommen werden. Üblicherweise wird die Heliotherapie als Ganzkörperbestrahlung durchgeführt.
Indirekte Wirkung der Heliotherapie ist die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und der Stoffwechselproduktion, das Immunsystem wird gestärkt.
Vor dem Einsatz spezifischer Formen der Chemotherapie war die Heliotherapie fixer Bestandteil der Tuberkulosebehandlung, und wurde auch oft zur Rachitis-Therapie eingesetzt. Die Heliotherapie kommt zur Anwendung bei Psoriasis, Neurodermitis oder Akne.

UV-Strahlentherapie
UV-Strahlen können nach zwei Grundprinzipien erzeugt werden. Die Kohlenbogenlampe des Norwegers Niels Finsen ist die ältere Technik. Die so genannte Finsenlampe besteht aus zwei Kohlenstiften, zwischen denen durch Anlegen einer elektrischen Spannung ein Lichtbogen erzeugt wird. Die abgegebenen Strahlen besitzen das Spektrum der Sonne. Die Finsenlampe wurde besonders zu Behandlung der Hauttuberkulose eingesetzt.
Die Quecksilberdampflampe erzeugt UV-Licht, indem in einem u-förmigen Quarzglasrohr durch eine elektrische Spannung Quecksilber zum Verdampfen gebracht wird. Das dabei entstehende UV-C wird in der Glaswandung abgefiltert.
Angewendet wird die UV-Bestrahlung besonders bei Hautkrankheiten.

Allgemeinbestrahlung:
Die allgemeine Bestrahlung mit UV-Strahlen wird zur Behandlung verschiedener Hautkrankheiten wie beispielsweise Psoriasis, chronischen Ekzemen, Akne, Furunkeln, Haarausfall oder bei schlecht heilenden Wunden eingesetzt.

PUVA-Therapie: Bei schweren Formen der Psoriasis werden UV-A-Bestrahlungen mit Medikamentenbehandlung (Psoralen) kombiniert (siehe Psoriasis).

Photo-Sole-Therapie: Ein Bad in hochprozentiger Solelösung oder Meerwasser wird dabei mit einer anschließenden UV-Behandlung kombiniert. Angezeigt ist die Photo-Sole-Therapie ebenfalls bei Psoriasis und der Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis ).

Lokale Reiztherapie: Die UV-Bestrahlung kann auch zur Reizung lokaler genau umschriebener Hautstellen eingesetzt werden. Dabei wird bewusst ein Sonnenbrand hervorgerufen. Die Behandlungsdauer beträgt fünf bis sechs Minuten. Bestrahlt wird aus einer Entfernung von 50 bis 60 Zentimetern. Ziel der Behandlung ist es, durch die UV-Bestrahlung Reize auf innere Organe auszulösen.
Eingesetzt werden kann diese lokale Reiztherapie bei Angina pectoris, chronischer Bronchitis, Asthma bronchiale, Neuralgien oder degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrosen, chronischen Arthritiden).

Lasertherapie: Mittelstarke Laser werden bei allen Erkrankungen in der Rheumatologie und Dermatologie eingesetzt. Niedrig energetische Laser (Softlaser) werden bei Hautverletzungen oder auch Reizungen von Knochenfortsätzen angewendet. Die Wirksamkeit der Lasertherapie ist wissenschaftlich noch umstritten.
 

Letzte Aktualisierung:
14.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Norbert Regitnig-Tillian
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Michael Quittan (Physikalische Medizin)


Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.


Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 14.12.2007
W&B/Winfried Fischer

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