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Lebertransplantation

Zusammenfassung:
Eine Lebertransplantation ist der Ersatz der unheilbar geschädigten Leber durch das gesunde Organ eines Verstorbenen. Die Operation hat sich von einem experimentellen Verfahren zu einer allgemein anerkannten lebensrettenden Operation entwickelt. Zuerst wurde die Transplantation in den 1960er Jahren von Professor Starzl an der Universität von Colorado durchgeführt. Heute ist sie fast schon ein Routineverfahren an vielen Zentren in Nordamerika und Europa. In Österreich werden jedes Jahr etwa 130 Lebertransplantationen durchgeführt. Die Erfolgsraten sind seit den Anfängen stark gestiegen und steigen durch optimierte Nachbehandlung und verbesserte Operationstechniken weiter. Die Lebertransplantation ist trotz des relativ hohen Operationsrisikos, des hohen technischen und organisatorischen Aufwands und der hohen Kosten die Therapie der Wahl bei konservativ nicht zu beherrschenden Lebererkrankungen im Endstadium.


Voraussetzungen

Potenzielle Organempfänger sind Erwachsene und Kinder, deren Lebererkrankung in ein Endstadium gekommen ist und bei denen keine Hoffnung mehr besteht, das erkrankte Organ zu retten. Der ideale Operationszeitpunkt ist, wenn das eigene Organ wirklich nicht mehr länger funktioniert, die anderen Organsysteme, besonders Nieren und Gehirn, aber noch keinen Schaden genommen haben. Die Entscheidung, wann operiert werden soll, ist komplex und erfordert das gemeinsame Urteil eines Spezialistenteams aus Leberexperten, Narkoseärzten und Transplantationschirurgen und nicht zuletzt die Zustimmung des Patienten und dessen Familie. Spender und Empfänger müssen lediglich in der Blutgruppe und ungefähr in Größe und Gewicht übereinstimmen. Die Suche nach geeigneten Spendern ist daher einfacher als bei Nierentransplantationen, wo es zusätzlich noch auf viele andere Blutmerkmale ankommt. Dennoch sind große nationale und Internationale Vermittlungszentralen notwendig, um die Lebertransplantation für einen dringend bedürftigen Kranken zu ermöglichen.

Als Erkrankungen die eine Transplantation unmöglich machen, gelten:
nicht beherrschbare Infektionen
schwere Herz- und Lungenkrankheiten,
nicht korrigierbare, lebensbedrohliche, angeborene Fehlbildungen
aktueller Drogen- oder Alkoholmissbrauch
Tochtergeschwülste eines bösartigen Krebs
HIV- Infektion
Die zukünftigen Organempfänger werden von anderen Krankenhäusern in Transplantationszentren verlegt, wo sie nochmals genau untersucht werden. Anschließend warten sie, je nach Gesundheitszustand im Krankenhaus oder zu Hause, auf eine geeignete Leber. Die Liste der Empfänger ist nach der Dringlichkeit und der Wartezeit geordnet. Nach sechs Monaten haben nur etwa 30 Prozent noch keine neue Leber erhalten. Besonders Empfänger mit der seltenen Blutgruppe 0 warten länger, denn Organe mit dem 0-Merkmal kommen für alle Empfänger in Frage und werden häufig an dringendere Fälle umgeleitet. Zum Jahreswechsel 1998 / 99 warteten 41 Patienten in Österreich auf eine neue Leber, 1999 / 2000 waren es 58. Wenn sich der Zustand der Patienten verschlechtert und die sofortige Operation erfolgen muss, erhalten sie den Status "High urgent" und bekommen das nächste verfügbare Organ, ohne Ansehen der Wartezeit. High-urgent-Patienten werden an die Transplantationszentrale in Leiden, Holland gemeldet, die dann europaweit Suchmeldungen an alle Transplantationszentren weitergibt, um die Chance auf eine passende Leber zu erhöhen. Nach Informationen von Eurotransplant beträgt die Chance der High-urgent-Patienten, eine Leber zu erhalten, 77 Prozent, davon 81 Prozent innerhalb von 48 Stunden. Acht Prozent versterben während der Wartezeit; die übrigen Nichtoperierten werden von der High-urgent-Liste genommen, weil ihr Zustand sich verbessert hat.

Der Spender
An das Spenderorgan werden hohe Ansprüche gestellt. Nur eine gesunde Leber wird zur Transplantation verwendet. Wenn ein Patient, meist nach einem Unfall, auf einer Intensivstation verstirbt, halten die Maschinen Herzschlag und Atmung weiter aufrecht. Der Tod des Patienten wird über die unwiederbringliche Zerstörung des Gehirns definiert, mit der ein Mensch, nach derzeitiger Meinung, als Individuum zu existieren aufhört. Die zur Feststellung des Hirntodes vorgeschriebenen Untersuchungen sind sehr umfangreich und schließen falsche Todeserklärungen aus. Der Patient wird als potenzieller Organspender an das Transplantationszentrum gemeldet. Von dort aus wird ein Ärzteteam so schnell wie möglich losgeschickt, um die Organe fachgerecht zu entnehmen. Gekühlt, und mit einer speziellen Flüssigkeit umspült, ist die Leber für 20 Stunden verwendbar. Angestrebt wird aber eine Zeit von höchstens zwölf Stunden, in denen das Organ ohne Blutversorgung ist. Obwohl die Zahl der Menschen, die zur Organspende bereit sind, ansteigt, werden mehr Organe benötigt, als zur Verfügung stehen. In Österreich gilt ein Widerspruchsrecht gegen Organentnahmen nach dem eigenen Tod. Menschen die nicht wollen, dass ihre Organe gespendet werden, können sich beim Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) in eine Liste eintragen lassen. Alle Patienten, bei denen Hirntod diagnostiziert wurde, werden erst nach Abgleich mit dieser Liste als Organspender freigegeben. Wer nicht explizit ablehnt, gibt stillschweigend sein Einverständnis.

Vorgehensweise

Die Koordination einer Transplantation wird von einer Zentrale geleitet, die in ständiger Verbindung zu den Ärzteteams und Patienten steht. Dort arbeitet man den Zeitplan der Operation aus und stellt sicher, dass der Zeitraum, in dem die Leber ohne Blutversorgung ist, nicht zu lang wird. Noch während das Organ entnommen wird, ist der Patient schon auf dem Weg ins Transplantationszentrum und wird auf die Operation vorbereitet. Wenn nötig findet der Transport von Empfänger und Transplantat mit dem Flugzeug statt, bei Spenden aus dem Ausland manchmal über Tausende Kilometer. Ob die Leber wirklich zur Transplantation geeignet ist, sieht man erst, wenn sie entnommen und untersucht wurde. Manchmal geschieht es durch die enge terminliche Schachtelung, dass der einberufene und bereits vorbereitete Patient wieder nach Hause geschickt werden muss, weil das für ihn vorgesehene Organ doch nicht die erforderlichen Qualitätskriterien erfüllt. Ist die Leber in Ordnung und trifft im Zentrum ein, befindet sich der Patient meist schon in Narkose und die Operation hat begonnen. Der Eingriff ist umfangreich und dauert etwa acht Stunden. Je nachdem, ob Schwierigkeiten auftreten, beispielsweise durch stark verkalkte Blutgefäße oder Verklebungen wegen zurückliegender Operationen, kann die Dauer stark variieren. Ein venöses Bypass-System pumpt das Blut während des Eingriffs an der Leber vorbei zum Herzen. Nach dem Abtrennen aller versorgenden Gefäße wird die alte Leber entnommen und die Neue an die reguläre Stelle eingepflanzt. Venen, Arterien und den Gallengang zum Dünndarm verbindet der Chirurg mit den alten Stümpfen. Die Gabe von Bluttransfusionen ist meist unumgänglich.

Nach der Operation
Nach der Operation verbringt der Patient einige Tage auf der Intensivstation, weil dort die verschiedenen Körperfunktionen am besten überwacht werden können. Anfangs wird die Atmung über einen durch die Nase in die Luftröhre geführten Schlauch unterstützt. Weiters befinden sich Infusionsschläuche und Drainagen zum Absaugen von Wundsekret und Galle am Körper, die nach und nach entfernt werden. Damit es zu keinen Komplikationen durch Infektionen kommt, werden spezielle Hygienemaßnahmen getroffen. Zur Erholung nach dem großen Eingriff und zur genauen Einstellung der immunsuppressiven Medikamente bleibt man noch einige Wochen im Krankenhaus. Aufgrund der Tatsache, dass sich im eigenen Körper ein fremdes Organ befindet, kann es aber auch zu psychischen Problemen wie Angstzuständen oder Depressionen kommen. Es besteht die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe für Organtransplantierte anzuschließen, auch eine psychologische Begleitung kann hilfreich sein.

Nachuntersuchungen

Die Gabe der Immunsuppressiva (Cyclosporin, Tacrolimus, Kortison) macht Infektionskrankheiten häufig. Regelmäßige Untersuchungen beim Arzt sind daher wichtig. Die neue Leber und deren Funktion werden in der Nachbehandlung bei Ultraschalluntersuchungen und Blutuntersuchungen genau überwacht.

Erfolgsrate

Risiken und Komplikationen
Die Risiken sind zunächst die gleichen wie bei einer anderen großen Operation im Bauchraum. Blutungen können auftreten, Infektionen im Bauch oder Komplikationen bei der Narkose. Bei Lebertransplantationen tauchen zusätzlich spezielle Probleme auf.
Bei der Mehrzahl der Patienten kommt es nach ein bis zwei Wochen zu Abstoßungsreaktionen. Fieber, Bauchschmerzen und eine Gelbsucht sind die Symptome. Diese Abwehr des fremden Gewebes durch den Körper kann von Medikamenten gestoppt werden, die das Immunsystem dämpfen. In seltenen Fällen entwickelt sich eine chronische Abwehrreaktion, die nur schwer durch Medikamente zu beeinflussen ist, und eventuell eine erneute Transplantation nötig macht.
Das Spenderorgan kann durch Entnahme und lange Transportzeiten Schaden nehmen und nach dem Einpflanzen nicht richtig funktionieren (primäres Transplantatversagen). Eine neue Leber muss dann gefunden werden.
Die Atmung kann durch Verletzung eines Nerven, der das Zwerchfell steuert, gestört sein.
Damit fremdes Gewebe toleriert wird, müssen Medikamente gegeben werden, deren Aufgabe es ist, das Immunsystem zu bremsen (Immunsuppressiva). Ist das Immunsystem jedoch auf diese Weise ausgeschaltet, drohen verschiedene Infektionskrankheiten. Erreger, die normalerweise von der Körperabwehr gut kontrolliert werden und keine Krankheiten verursachen, ergreifen dann ihre Chance und vermehren sich im Körper. Sonst selten vorkommende Pilzinfektionen sind dann häufig. Die immunsuppressive Therapie muss daher genau abgestimmt sein und den Mittelweg zwischen Toleranz des Fremdgewebes und ausreichender Infektionsabwehr finden. Zur Vorbeugung von Infektionen werden oft Antibiotika gegeben.
Das Wiederauftreten der Grundkrankheit, die zum Leberversagen geführt hat, ist eine weitere Gefahr nach der Operation.

Heilungschancen
Die Überlebensraten steigen seit Einführung der Operation stetig an. Sie liegen zur Zeit im ersten Jahr bei über 85 Prozent, fünf Jahre nach der Operation bei etwa 70 Prozent. Abhängig sind diese Zahlen jedoch in hohem Maße von der Grundkrankheit und dem Gesundheitszustand des Patienten zum Operationszeitpunkt. Patienten, die die ersten Monate nach der Operation überlebt haben, und bei denen keine der Komplikationen eingetreten ist, gliedern sich in den meisten Fällen wieder vollständig ein, und arbeiten auch in ihrem alten Beruf weiter. Einige lebertransplantierte Frauen wurden sogar schwanger und haben gesunde Babys zur Welt gebracht. Vom körperlichen Aspekt her ist unter Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen bezüglich der Infekte ein relativ normales Leben nach der Transplantation möglich.
 
Letzte Aktualisierung:
16.04.2007 (Inge Smolek)
Autor:
Doris Tschabitscher
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Ivo Baca (Chirurgie)
PD Dr. Wolf O. Bechstein (Chirurgie)
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Feil (Chirurgie)
OA Dr. Franz Kurz (Chirugie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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