Lachyoga: Gute Laune durch Übung

In Lachyoga-Kursen bringt das Training Menschen zum Lachen. Das soll sich nicht nur auf die Stimmung positiv auswirken

von Dr. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 19.03.2015

Lachyoga kann viel Dynamik in eine Gruppe bringen

Your Photo Today/Amelie Benoist/BSIP

Einer der ersten, der die therapeutischen Effekte des Lachens entdeckte, war der Wissenschaftsjournalist Norman Cousins. Als er an einer äußerst schmerzhaften Wirbelsäulenentzündung erkrankte, ließ er sich angeblich Filme der Marx Brothers vorführen. Ein zehnminütiges Prusten über die Komikertruppe soll seine Beschwerden für bis zu zwei Stunden gelindert haben. Ärzte stellten fest, dass bei ihm durch das Lachen die Entzündungswerte zurückgingen. Seitdem haben sogenannte Gelotologen die Effekte des Lachens erforscht und viele positive Wirkungen gefunden – vom Stressabbau bis hin zu einer möglichen Stärkung des Immunsystems.

Anregung durch Lachyoga

Allerdings gibt es vermutlich nicht unendlich viele Witze, über die ein Mensch lachen kann. Wie bekommt man dann seine Portion gesundes Gelächter? "Zum Lachen führen mehrere Wege. Neben Denkprozessen können auch das Fühlen und die Motorik helfen", erklärt Lachtrainerin Cornelia Leisch aus München. Kinder lachen beispielsweise aus der Hochstimmung heraus messbar häufiger. Lachyoga nimmt hingegen den Weg über die Motorik.

"Dieses Lachen können Sie unabhängig von äußeren Reizen abrufen. Damit haben Sie eine unbegrenzte Lachressource", sagt Leisch.


Beispiele für Lachyoga-Übungen

  • Lachyoga
    Jump/Martina Sandkühler

    Rhythmisches Klatschen und Atmen im Takt von HoHo-HaHaHa

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  • Lachyoga
    Jump/Martina Sandkühler

    Sich mit gefalteten Händen lächelnd indisch begrüßen

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  • Lachyoga
    Imago Stock & People/HRSchulz

    Das sogenannte Löwenlachen mit herausgestreckter Zunge

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  • Lachyoga
    ddp Images/Volker Hartmann

    Eine Lachmeditation, bei der die Teilnehmer mit den Köpfen beieinander liegen und ihre Körper wie Sonnenstrahlen nach außen zeigen

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In der Gruppe das Lachen wiederentdecken

Leisch ist Vorsitzende des Europäischen Berufsverbandes für Lachyoga und Humortraining und hält Gruppenkurse ab: "In der Gruppe lacht es sich leichter." Zum Lachtraining seien Gruppen bis zu fünfzehn Leuten ideal, bei freien Lachtreffen funktioniere es aber auch mit fünfzig oder noch mehr Menschen. "Eigentlich müssen wir das Lachen ja gar nicht lernen, denn es ist uns angeboren. Wir müssen es nur wiederentdecken."

Robert Huber (Name von der Redaktion geändert) ist regelmäßiger Teilnehmer des freien Lachtreffs im Münchener Westpark. Er erklärt, dass dort zunächst schon eine gewisse Hemmschwelle zu überwinden ist, vor allem, weil auch nicht eingeweihte Passanten zusehen. "Die verhalten sich oft wie in der Disko, wo die Leute erst zögernd um die Tanzfläche herum stehen. Dann wippen sie langsam mit. Und irgendwann schließt sich der eine oder andere unserem Lachen an."

Ablauf einer Lachyoga-Sitzung

Bei einem Lachyoga-Treffen wechseln sich rhythmische Klatschübungen, Lach- und Atemübungen ab. "Das Klatschen weckt zunächst das Begeisterungszentrum, das Lachen regt die Produktion von Glückshormonen an, die Atemübungen entspannen und wirken gegen Stress", sagt Heilpädagogin und Lachtrainerin Ute Liebhard aus Valley, die in Holzkirchen einen Lachtreff leitet.

Der Rhythmus "Hoho-Hahaha" sorge automatisch für eine tiefe Atmung, die auch sonst in der Lunge festsitzende Restluft freisetze. Dazu klatschen die Teilnehmer entweder in die eigenen oder auch auf die Hände ihrer Nachbarn. Viele der Übungen fördern die Interaktion in der Gruppe. "Dann ziehen wir die Mundwinkel nach oben, lächeln absichtsvoll, gehen durcheinander und begrüßen uns", sagt Liebhard. Die Begrüßung kann zum Beispiel indisch mit gefalteten Händen samt Lächeln erfolgen, indianisch mit Schulterklopfen oder konventionell per Handschlag. Sind die Teilnehmer erst aufgelockert, funktionieren auch Übungen wie ein Lachen aus dem Ärmel zu schütteln, zu kichern wie Japaner oder tief polternd das Zwerchfell tanzen zu lassen wie ein Nikolaus.

Simuliertes Lachen

Das Lachen werde zunächst simuliert, um das echte Lachen zu stimulieren, sagt Leisch. Dieses simulierte Lachen könne sich anfangs seltsam anfühlen. Es sei aber wichtig, trotzdem weiterzumachen. "Dann fangen manche schon an, richtig zu lachen." Andere bräuchten länger. Die Kunst von Lachtrainern sei es, mit sanften Übungen, welche die Teilnehmer nicht überfordern, zum Lachen hinzuführen.

Es gehe aber nicht darum, dass sich am Ende alle vor Lachen am Boden kugeln. Leisch: "Die Menschen aktivieren ihr Heiterkeitszentrum. Das kann bei manchen auch bedeuten, dass sie einfach nur lächeln. Und sie können dadurch lernen, ihre Gefühle wieder auszudrücken."

Bewusstes Atmen zur Beruhigung

Zwischendurch strecken sich die Teilnehmer, dehnen sich und atmen tief ein, damit sich der Körper auch wieder beruhigen kann. "Denn das Lachen stimuliert schon sehr und bringt den Kreislauf in Schwung", sagt Leisch.

Eine Lachyoga-Sitzung dauert zwanzig Minuten bis eine Stunde. Für Neulinge ist das oft ganz schön anstrengend: "Viele Menschen merken es ziemlich schnell im Gesicht, dass da die Muskeln ganz anders beansprucht werden, als sie es gewohnt sind." Geübte Lachyogi bauen auch gerne Lachübungen in den Alltag ein, erzählt Leisch: "Beim Autofahren beispielsweise kann ich mich über jede rote Ampel ärgern. Oder aber ich nehme die Pause wahr und lache solange, bis das Rot verschwindet."


Lachyoga als Vorsorge und Therapie

Manche Menschen wollen mit Lachyoga Krankheiten vorbeugen, andere versprechen sich davon eine Unterstützung bei ihrem Leiden. Als lindernde und aufbauende Maßnahme werde es viel eingesetzt bei Schmerzpatienten und in Krebskliniken, weil es auch für die Psyche gut sei, sagt Leisch. "Auch bei Patienten mit depressiven Verstimmungen habe ich gute Erfahrungen gemacht."

Vermutlich bessert sich die Stimmung unter anderem durch die sogenannten Spiegelneuronen. Diese Nervenzellen spielen eine Rolle dabei, wenn Menschen von anderen durch Nachahmung lernen und sorgen wohl auch dafür, dass wir mit anderen mitfühlen und uns gegenseitig mit einer Laune anstecken können – im Positiven wie im Negativen.

Lachyoga in Firmen

Inzwischen bieten auch manche Firmen ihren Mitarbeitern Lachyogakurse an. "Erfahrungsgemäß ist ein Teil der Leute begeistert, ein anderer Teil skeptisch, aber neugierig, und ein Teil kann damit gar nichts anfangen", sagt Leisch. Denn gerade bei Kursen in Firmen sei die Schamgrenze recht hoch.

Und nicht immer gelingt es Lachtrainern, die Teilnehmer in den Firmen in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit zu erreichen: Bettina Angler (Name von der Redaktion geändert) ist nach der ersten Lachyoga-Mittagspause in ihrer Firma – bei einer anderen Trainerin – noch skeptisch: "Bei meiner Gruppe gab es am Ende gemischte Meinungen." Zwar hätten die Übungen zunächst einmal Situationskomik hervorgebracht. "Aber der große Aha-Effekt blieb bei mir aus." Sie sei noch unsicher, ob sie die Übungen in den Alltag übertragen möchte. "Ob ich mich mit einem Bekannten mit Lachen einseifen will? Das stelle ich mir eher schwierig vor."

Lachen verbindet

Leisch betont auch die verbindende Wirkung des Lachens. Normalerweise lerne man sich oft eher auf rationaler Ebene kennen und innerhalb eines bestimmten Rahmens, wie im Beruf. Dabei ordne man automatisch die Menschen in soziale Schubladen ein. "In meinen Kursen habe ich hingegen eine große soziale Bandbreite, vom Psychologieprofessor bis zum arbeitslosen Alkoholiker." Das Lachen sorgt dafür, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen und sich verbunden fühlen, die sich sonst nicht ansprechen würden. "Humorpionier Michael Titze sagte einmal sehr schön: Lachen ist das Schmiermittel in der Kommunikation."

Unerwünschte Wirkungen von Lachyoga

Lachen darf fast jeder ganz ungeniert. Manchmal ist allerdings etwas Vorsicht geboten und Lachyoga nur bedingt geeignet. Beim Lachen kann der Blutdruck zeitweise ansteigen. Durch die Bewegungen des Zwerchfells und die vertiefte Atmung ändern sich die Druckverhältnisse im Bauchraum. Das kann zum Beispiel direkt nach Operationen, in der Schwangerschaft, bei einem Leistenbruch, Gebärmuttervorfall und fortgeschrittenen Hämorriden ein Problem sein. Deshalb sollte der Arzt entscheiden, ob ein Patient bei chronischen und akuten Krankheiten wie zum Beispiel koronarer Herzkrankheit, einem Aneurysma oder nach einem Zwerchfellbruch an Lachyoga teilnehmen kann. Auch bei psychischen Krankheiten sollte der behandelnde Therapeut vorher mit dem Patienten beraten, ob eine Teilnahme möglich ist. "Bei manisch-depressiven Erkrankungen kann Lachyoga möglicherweise manischen Phasen Vorschub leisten", sagt Leisch.

Lachgruppen finden

Zertifizierte Lachtrainer zeigt beispielsweise die Seite des Europäischen Berufsverbandes www.lachverband.org* nach Postleitzahlen geordnet an. Allerdings übernehmen die Krankenkassen bisher keine Kosten für Lachyogakurse. Aber es gibt verstreut in der Bundesrepublik Lachclubs, die in der Regel kostenlos sind. Dort treffen sich die Menschen meist einmal wöchentlich, um gemeinsam zu lachen.

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Bildnachweis: ddp Images/Volker Hartmann, Jump/Martina Sandkühler, Your Photo Today/Amelie Benoist/BSIP, Imago Stock & People/HRSchulz
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